Nach dem VMware-Abschied: Was die Lizenzrechnung 2026 hergibt
Im Februar 2025 haben wir aufgeschrieben, warum wir den Hypervisor gewechselt haben. Ob Proxmox als Plattform für einen Betrieb trägt, haben wir im September 2026 schon einmal durchgerechnet, hier. Seither sind anderthalb Jahre vergangen, und es sind Zahlen da, die es damals nicht gab: dokumentierte Preissteigerungen mit Namen und Datum, eine Proxmox-Preisliste mit klaren Stufen, und eine Betriebserfahrung darüber, was nach so einem Umzug Geld kostet. Dieser Beitrag ist die Rechnung dazu.
Was preislich belegt ist, und von wem
Die Mechanik steht in einer Broadcom-Wissensdatenbank: Abrechnung pro Kern, und je CPU sind mindestens 16 physische Kerne zu lizenzieren. Dauerlizenzen werden seit dem 11.12.2023 nicht verkauft. Über die Höhe gibt es mehrere Angaben aus unterschiedlichen Gruppen, und diese Zahlen gehören nicht zu einem Wert verschmolzen.
Der Österreich-Beleg ist ein Betrieb, der gegangen ist: Anexia aus Klagenfurt hat 12.000 virtuelle Maschinen von VMware auf eine eigene KVM-Plattform gezogen, im Mai 2024 fertig. Gartner schreibt in seiner Bewertung verteilter Hybrid-Infrastruktur vom 22.09.2026, dass im Jahr 2029 55 Prozent der Unternehmen PoC-Tests für Alternativen zu VMware-Produkten laufen haben, gegenüber 25 Prozent im Jahr 2026. Die Daten, die einen Wechselkalender tatsächlich treiben, sind die Support-Enden: Die allgemeine Unterstützung für ESXi 7.0 endete am 02.10.2025, vSphere 8 endet am 11.10.2027, ESXi 9.1 (Veröffentlichung 12.05.2026) am 12.08.2028. vSphere 8 war die letzte Version mit Dauerlizenz und die letzte eigenständige Stufe in Standard und Enterprise Plus.
Was die Proxmox-Rechnung abdeckt
Proxmox VE steht unter AGPLv3, der Funktionsumfang ist in jeder Stufe gleich, bezahlt wird der Support. Die Preise je belegter CPU-Fassung und Jahr, netto, von der Anbieterseite am 01.10.2026: Premium 1.100 Euro mit zwei Stunden Reaktionszeit bei schwerwiegender Störung, Standard 550 Euro, Basic 370 Euro. In einer Kalkulation fehlen dazu regelmäßig diese Punkte:
- Jeder Knoten braucht eine eigene Subscription, und alle Knoten müssen dasselbe Niveau haben.
- Proxmox Backup Server wird je Backup-Server gerechnet, nicht je Fassung: 4.480 Euro Premium, 2.240 Euro Standard, 1.120 Euro Basic, netto im Jahr. Die Backup-Subscription kostet in der höchsten Stufe das Vierfache einer Hypervisor-Subscription.
- Basic enthält drei Tickets im Jahr. Auf einem Cluster im laufenden Betrieb ist das eine Entscheidung, keine Ersparnis.
- Ab 19.10.2026 stellt der Anbieter 24/7-Unterstützung in der Premium-Stufe in Aussicht, gemeldet am 02.09.2026 zusammen mit einer neuen Nordamerika-Niederlassung und nach eigenen Angaben 2,3 Millionen aktiven PVE-Servern. Das ist die Gegenseite zu dem Argument, das in der deutschen Fachpresse bis Sommer 2025 stand, Proxmox habe keine Enterprise-Support-Struktur; derselbe Artikel ist am 23.06.2025 korrigiert worden.
Vier Posten, die niemand mitrechnet
Quorum. Ein HA-Cluster braucht mindestens drei Wähler, ein Zweier-Cluster braucht einen zusätzlichen QDevice-Gast. Ein Knoten ohne Quorum zäunt sich nach rund einer Minute selbst aus, der Cluster wartet rund zwei Minuten auf die neue Entscheidung. Eine Entsprechung zu vSphere Fault Tolerance, bei der zwei Maschinen im Gleichschritt laufen, fehlt nach Anbieterdokumentation mit Stand 2025; die Entwicklung dafür läuft. Die Details zu Corosync-Netzen und Zäunen stehen im HA-Beitrag.
Platzierung. Der dynamische Lastausgleich seit Proxmox VE 9.2 bewegt nur Gäste unter HA-Verwaltung, Gäste ohne HA bleiben liegen, und Affinitätsregeln gelten ebenfalls nur im HA-Kontext. Die Beobachtbarkeit dessen, was der Scheduler tut, fehlt noch. Auf einen Cluster mit vielen Gästen ohne HA heißt das: Platzierung bleibt Handarbeit.
Storage ist das eigentliche Projekt des Wechsels. Ceph ist die empfohlene Linie, für SAN und NAS gelten Einschränkungen, und ein selbstgebauter Cluster-Dateisystemaufbau ist laut Dokumentation nicht unterstützt und ausdrücklich nicht Gegenstand des Enterprise-Supports. Wer bei ZFS bleibt, plant Arbeitsspeicher für den ARC nach der Dokumentationsregel: mindestens 2 GiB Grundbedarf plus 1 GiB je Terabyte Pool, also rund 10 GiB bei einem 8-TiB-Pool, mit dem Hinweis, dass die Ein-/Ausgabe-Leistung davon abhängt. Für Gäste auf ZVOLs sind Spiegel der RAIDZ-Gruppe vorzuziehen, weil RAIDZ bei kleinen Schreibzugriffen verstärkten Schreibverschleiß hat.
Alarmierung. Nach dem Umzug gehört die Überwachung von Replikation und Backup jemandem. Unsere eigene Erfahrung ist eine Warnung: Eine Auswertung der Replikationswerte hat eine Alarmstufe geliefert, die an einer Liste mit 35 Tagen Archiv ausgerichtet war und deshalb fast immer auf Alarm stand, und ein Neustart von Containerdiensten mit rund vierzig Sekunden ohne Zwischenspeicher produzierte einen Blindalarm, ohne dass die Replikation ein Problem hatte. So etwas entsteht, wenn aus dem alten Produkt ein mitgeliefertes Dashboard wegfällt und niemand die Prüfung neu gebaut hat. Die Storage-Seite dazu in Teil 3 der Storage-Serie.
Der Umzug selbst, Stand 2026
Der native ESXi-Import kam mit Proxmox VE 8.2 (24.04.2024) und ist laut Wiki von ESXi 6.5 bis 8.0 getestet. Die dokumentierten Grenzen entscheiden über den Zeitplan:
- Datenträger auf vSAN können nicht importiert werden, sie müssen vorher bewegt werden. Verschlüsselte Gäste und der vTPM-Zustand kommen nicht mit; bei BitLocker heißt das, die Wiederherstellungsschlüssel vorher bereitzulegen.
- Schnappschüsse am Gast verlangsamen den Import deutlich. In der Massenverarbeitung gelten die Grenzen der ESXi-API: vier parallele Verbindungen, Vorlese-Puffer von 128 MiB je Datenträger, empfohlen werden höchstens vier Gastdatenträger je Vorgang.
- Scheitert ein Live-Import, ist alles seit dem Start Geschriebene verloren. Ein Probeklon eines laufenden Gastes braucht deshalb die übliche Reinigung: Adresse, Agentenidentitäten und mitziehendes Zugriffsmaterial ausschließen, bevor der Klon startet.
- Windows braucht VirtIO im Initramfs, sonst startet der Gast nach dem Import nicht. Das steht schon im Beitrag von 2025 und gilt unverändert.
Aktuelle Version ist Proxmox VE 9.2 vom 21.05.2026 mit Debian Trixie, Kernel 7.0, QEMU 11.0, ZFS 2.4 und Ceph Squid. Am 05.08.2026 kam der erste Arm64-Bau; er verlangt UEFI und ACPI, bedient also keinen Raspberry Pi, und Live-Migration bleibt auf gleiche Architektur beschränkt.
Wer bleiben sollte
Gartner hat die Gegenseite am 11.05.2026 formuliert: kein Anbieter liefere einen Ersatz für VCF im selben Umfang, und wer gehe, komme am Ende mit komplexerer und leistungsschwächerer Infrastruktur heraus, weil Abhängigkeiten das Stapeln mehrerer Ersatzprodukte erzwingen. In der Server-Virtualisierungsmatrix desselben Zeitraums steht Proxmox als Nischenanbieter, begründet mit fehlender Zertifizierung für Anwendungen der oberen Unternehmensklasse und geringer Mitarbeiterzahl. Broadcom richtet den Blick inzwischen wieder nach unten: Am 02.09.2026 wurde eine neue vSphere Standard mit einer Zielgröße um 128 Kerne angekündigt, Details sollen am 13. und 14.10.2026 auf der Explore on Tour in Frankfurt folgen. Wer Stretch-Cluster über zwei Standorte, ausgereiftes DRS, NSX oder eine Herstellerfreigabe für eine Top-Anwendung braucht, verhandelt besser über den Preis und läuft die Frist bis Oktober 2027.
Drei Entscheidungen, die man jetzt treffen kann
- Kerne und Fassungen je Host heute zählen und zwei Rechnungen gegenüberstellen: VMware pro Kern gegen Proxmox pro Fassung, mit der eigenen Fassungszahl. Der Kipppunkt ist eine Fassungszahl, keine Grundsatzfrage.
- Das eigene Verlängerungsdatum neben ein Support-Ende legen. Bei ESXi 7.x ist die allgemeine Unterstützung am 02.10.2025 ausgelaufen, dann ist die Diskussion nicht mehr freiwillig.
- Vor dem ersten umgezogenen Gast einen Namen für die Alarmierung auf Replikation und Backup festlegen.
Wenn Sie diese Rechnung für Ihre Umgebung durchziehen wollen, inklusive Umzugsplan und Probeklon: Kontakt. Der Anfang ist eine Stunde mit einer Hostliste, einer Zählung der Kerne und des nächsten Verlängerungsdatum.
Weiterführende Quellen
- Proxmox VE Preise je Fassung: https://www.proxmox.com/en/products/proxmox-virtual-environment/pricing (abgerufen 01.10.2026)
- Proxmox Backup Server Preise je Backup-Server: https://www.proxmox.com/en/products/proxmox-backup-server/pricing (abgerufen 01.10.2026)
- Proxmox-Meldung zu 24/7-Unterstützung und Nordamerika-Niederlassung: https://www.proxmox.com/en/about/company-details/press-releases/proxmox-24-7-support-and-proxmox-north-america (02.09.2026)
- Lizenzmechanik pro Kern mit 16-Kerne-Minimum je CPU: https://knowledge.broadcom.com/external/article/313548 (Wissensdatenbank des Herstellers)
- Preissteigerungen nach Mitgliederberichten: https://www.theregister.com/off-prem/2025-05-22/vmware-price-hikes-800-1500-claim-euro-customers/1488879 (22.05.2025)
- Pressemeldung von CISPE zum ECCO-Bericht vom 22.05.2025, Ursprung der Angabe von 800 bis 1.500 Prozent: https://www.cispe.cloud/ecco-reports-no-progress-with-broadcom/
- Anexia, 12.000 virtuelle Maschinen auf eigener KVM-Plattform: https://www.theregister.com/software/2025-01-13/anexia-moves-12000-vms-off-vmware-to-homebrew-kvm-platform/942241 (13.01.2025)
- Gartner-Prognose zu PoC-Tests für VMware-Alternativen bis 2029: https://www.theregister.com/virtualization/2026-09-22/gartner-predicts-55-of-enterprise-vmware-users-will-be-investigating-an-exit-by-2029/5298043 (22.09.2026)
- Gartner-Position gegen den Hypervisorwechsel: https://www.theregister.com/virtualization/2026-05-12/quit-vmware-and-youll-emerge-with-more-complex-and-less-capable-infrastructure/5238442 (12.05.2026)
- EU-Eilverfahren der Cloud- und Virtualisierungsverbände gegen Broadcom: https://www.drweb.de/broadcom-vmware-eu-eilverfahren-cloud-verbaende/ (15.07.2026)
- Support-Enden für ESXi: https://endoflife.date/esxi (Stand 24.09.2026)
- ESXi-Import, getestete Versionen und dokumentierte Grenzen: https://pve.proxmox.com/wiki/Migrate_to_Proxmox_VE (Revision 12598)
- Versionsgeschichte und aktuelle Proxmox-Version: https://pve.proxmox.com/wiki/Roadmap (abgerufen 01.10.2026)
- ZFS-Arbeitsspeicher und ARC-Regel: https://pve.proxmox.com/wiki/ZFS_on_Linux (Revision 12554)
- Alternativen nach der Broadcom-Übernahme inklusive Korrekturhinweis: https://www.heise.de/ratgeber/Alternativen-zu-VMware-nach-der-Broadcom-Uebernahme-10452540.html (Juni 2025, korrigiert 23.06.2025)
- Angekündigte neue vSphere Standard: https://www.heise.de/news/vmware-broadcom-vsphere-standard-neu-11440137.html (02.09.2026)
- Rücksicherung von VMware-Sicherungen nach Proxmox VE, Status der Einzelwiederherstellung: https://helpcenter.veeam.com/docs/vbr/userguide/proxmox_ve.html
- Rechenbeispiel einer Systemhausseite zu Lizenzkosten: https://www.glaeser-it.com/en/ratgeber/proxmox-vs-vmware-lizenzkosten-kmu (Reseller-Listenpreise September 2026)
Gibt es von Broadcom eine offizielle Preisliste für vSphere?+
Nein, öffentlich einsehbar wird keine Preisliste gepflegt. Belegt sind die Mechanik aus der Herstellerwissensdatenbank (Abrechnung pro Kern, mindestens 16 physische Kerne je CPU) und die Zahlen, die ein Distributor und eine Systemhausseite im September 2026 für ihre Listen genannt haben. Wer eine Zahl aus einer Ausschreibung mitbringt, vergleicht also Angebote gegen Angebote.
Wie viele Subscriptionen brauche ich auf einem Proxmox-Cluster?+
Pro belegter CPU-Fassung eine, und zwar für jeden Knoten im Cluster, alle auf demselben Niveau. Ein Cluster aus vier Knoten mit je zwei Fassungen braucht acht Subscriptionen. Proxmox Backup Server kommt separat dazu und wird je Backup-Server gerechnet, nicht je Fassung.
Wie groß ist der Unterschied in Euro?+
Das offenkundigste Rechenbeispiel stammt von einer Systemhausseite für drei Hosts mit je einer Fassung und 16 Kernen über fünf Jahre, Nettopreise nach Reseller-Listen im September 2026: VMware Cloud Foundation 86.938 Euro, VVF 46.260 Euro, Proxmox mit drei Standard-Subscriptionen und Backup-Server in Basic 13.850 Euro, im günstigsten Fall 5.550 Euro ohne Backup-Subscription. Dazu kommen Migrationsarbeit je Gast, Linux- und ZFS-Kenntnisse sowie neue Runbooks, die dieselbe Rechnung offen ausweist.
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