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Infrastruktur
Server, Proxmox und Netzwerk2026-11-04· Von Franz Senn

vSphere Express: Was Broadcom wirklich ändert

Im Netz zirkuliert gerade eine Meldung über eine neue VMware-Ausgabe. Sie heißt vSphere Express, soll 128 Kerne für 9.600 US-Dollar kosten, und die Kurse für die bekannten Bündel VVF und VCF sollen um 44 respektive 25 Prozent steigen. Die Meldung vermisst zwei verschiedene Bewegungen in einen Satz: hier der neue Einstieg nach unten, dort die Verteuerung im Mittelbau. Ich habe nachgemessen, was Broadcom wirklich publiziert, und es von den Händlerzahlen getrennt.

vSphere Express ist eine neue, schlanke Virtualisierungsausgabe von Broadcoms VMware für kleine Umgebungen. Sie läuft auf vSphere 9, wird pro physischem Kern abgerechnet und auf maximal 128 Kerne pro Endkunde begrenzt. Im Paket sind ESXi, vCenter und VCF Operations. Distributed Resource Scheduler und vSAN sind nicht enthalten. Das Lizenzmodell ist ein Jahresabonnement über einen autorisierten Partner, nicht erweiterbar und nicht auf mehrere Standorte aufteilbar.

Was Broadcom selbst sagt

Der belastbarste Beleg ist Broadcoms eigene Wissensdatenbank. Der Eintrag "vSphere Express" gehört zur Dokumentation von vSphere 9.1 und ist dort zuletzt am 02.11.2026 aktualisiert worden. Was dort schwarz auf weiß steht, ist die Mechanik. Über den Preis sagt die Seite nichts.

Die Lizenz nutzt dieselbe Infrastruktur wie die großen Bündel VCF und VVF, aber mit Einschränkungen. Ein Maximum von 128 Kernen pro Kunde wird hart durchgesetzt, die Konsole verhindert jede Zuteilung darüber. Ein Upgrade ist nur aus vSphere 8 in die Version 9.1.1 oder später vorgesehen. Add-ons gibt es für Express nicht. Eine Preistabelle enthält die Seite nicht.

Aus Broadcoms Doku folgt also: die Ausgabe existiert, die 128 Kerne sind eine harte Produktgrenze, und kein Add-on ergänzt sie. Was dort nicht steht, ist ein Preis und sind Prozente für die anderen Bündel. Beides kommt aus einer anderen Ecke.

Woher die 9.600 US-Dollar stammen

Der Preis ist keine Herstellerangabe. Er stammt aus dem Vertrieb: Ein Distributor hat das Paket gelistet, ein deutscher Händler hat nachgezogen. In der Meldung heißt es MSRP, das ist zu hoch gegriffen.

BelegZahlTräger und StandStatus
Broadcom vSphere 9.1 Doku128 Kerne pro Kunde, keine GrenzeHersteller-Wissensdatenbank, abgerufen 04.11.2026gesichert
Distributor-Angebot9.600 US-Dollar für 128 Kerne und 12 Monate, das sind 75 Dollar je Kern und JahrHändlernennung, zitiert 04.11.2026Händlerpreis
deutscher Händler9.631,77 EuroHändlernennung, abgerufen 04.11.2026Händlerpreis
VVF-Händlerliste September192,75 Euro je Kern und Jahr nettoSystemhausseite, September 2026Händlerpreis

75 Dollar je Kern für Express gegen die 117 bis 196 Dollar, die im selben Jahr für VVF-Angebote auf dem Tisch lagen: Für eine kleine Umgebung ist der neue Einstiegspreis also eher ein Nachlassen als eine Verteuerung. Die Überschrift klingt nach einer weiteren Preiserhöhung, gemessen an den Kernepreisen ist Express für den Einstieg der günstigste VMware-Pfad seit der Umstellung. Der Haken sitzt woanders, siehe unten.

Die zwei Prozentzahlen

VVF bis zu 44 Prozent, VCF bis zu 25 Prozent. Diese beiden Zahlen habe ich nicht belegen können, und ich schreibe sie deshalb nicht als Tatsache. Broadcom publiziert keine öffentliche Preisliste. Eine Erhöhung wäre in einem Renewal-Angebot sichtbar, selten in einer Pressemitteilung. Ein Angebot zu veröffentlichen wäre in unserem Interesse, das habe ich aber nicht. Was im Umlauf ist, sind Berater-, Händler- und Suchmaschinen-Seiten mit Zahlen, die sich gegenseitig widersprechen. Bei keiner steht ein Zeitraum, eine Basis oder eine Bezugsgröße dazu.

Eine Zahl ohne Basis ist keine Zahl. Die 44 und die 25 behandle ich als unbestätigt. Wer sie in einer Kalkulation braucht, holt sich zwei Angebote mit demselben Kerne-und-Sockel-Schnitt und rechnet selbst. Die Preissteigerungen der letzten Jahre sind bei anderer Gelegenheit schon mit Namen und Datum aufgeschrieben, hier.

Was in der Meldung vermischt wird

Der Beitrag hat einen wahren Kern und zwei Fehler. Der wahre Kern: Broadcom ändert tatsächlich etwas am Modell, das ist neu und real. Fehler eins: 9.600 Dollar sind ein Händlerpreis, kein Hersteller-Listenpreis. Fehler zwei: Die Zahl 75 Dollar je Kern erzählt eine Geschichte über einen günstigeren Einstieg, dieselbe Meldung rahmt sie aber als Teil einer Verteuerung. Das sind zwei Bewegungen in entgegengesetzte Richtung, und eine saubere Rechnung hält sie auseinander.

Für wen das Paket taugt, und für wen nicht

Ausdrücklich beworben wird Express für kleine Umgebungen. Ein Upgrade-Pfad pro Endkunde, maximal 128 Kerne, ein Jahr Laufzeit, kein Weg, die Kerne aufzustocken. Distributed Resource Scheduler und vSAN fehlen, also keine automatische Lastverteilung über mehrere Hosts und kein Speicher im Paket. Wer genau das braucht, landet bei VVF oder VCF, und dort gelten die Preise, über die die Meldung redet. Wer eine Handvoll Hosts ohne HA betreibt, für den kann Express die Kosten senken.

Die Deckelung auf 128 Kerne ist die eigentliche Entscheidung hinter dem Paket, stärker als das Preisschild. Sie macht aus Express ein Startangebot, keinen wachsenden Standardtarif. Wer heute mit 100 Kernen einsteigt und in zwei Jahren 150 braucht, fällt aus dem Paket wieder heraus.

Wer bleiben sollte und wer gehen

Bleiben lohnt, wo die Umgebung klein und stabil ist und wo die Linux- und ZFS-Kenntnisse für einen Wechsel fehlen. Eine Lizenz ist dann weniger wert als der Vermeidungsaufwand beim Betrieb. Erst prüfen, dann tauschen. Wer die Umzugsrechnung nicht allein aufmachen will, kann sie mit uns durchgehen, unsere IT-Leistung für Infrastruktur und Betrieb.

Gehen ist eine Option, wo wir über die 128 Kerne hinauswachsen, wo HA und verteilter Speicher Pflicht sind, und wo Renewal-Preise im Mittelbau ein Loch ins Budget reißen. Die Umzugsrechnung über mehrere Jahre haben wir für drei Hosts einmal durchgerechnet, hier. Die Plattform selbst, Hypervisor gegen Hypervisor, haben wir in VMware gegen Proxmox verglichen. Für einen Umzug über mehrere Jahre stehen die Schritte im Beitrag VMware zu Proxmox.

Der Speicher- und Backup-Teil nach so einem Umzug ist eigene Arbeit. Wer Backup und Replikation auf Proxmox-Sicht neu aufsetzen muss, findet das gesondert unter Storage und Backup gesammelt.

Drei Fragen, die man vor einer Entscheidung klärt

  1. Wie viele Kerne hat die Umgebung heute, und wie viele sind in drei Jahren realistisch? Wer über 128 hinauswill, für den ist Express keine Endstufe.
  2. Braucht man DRS und vSAN? Wenn ja, ist Express nicht das richtige Paket, unabhängig vom Preis.
  3. Liegen zwei Angebote mit identischem Schnitt vor? Ohne die rechnet niemand Renewal-Prozente nach.

Weiterführende Quellen

Fragen?
Ist vSphere Express offiziell angekündigt?+

Die Edition selbst ja. Sie steht in Broadcoms eigener vSphere-9.1-Dokumentation mit einem eigenen Lizenz-Abschnitt, zuletzt aktualisiert am 02.11.2026. Die Umstände drumherum, also wann genau vSphere Standard und Enterprise Plus vom Verkauf verschwinden und was ein Renewal kostet, stehen in dieser Dokumentation nicht.

Was kostet vSphere Express?+

Einen Preis von Broadcom gibt es nicht öffentlich. Genannt haben bisher nur Händler: ein Distributor listet 9.600 US-Dollar, ein deutscher Händler 9.631,77 Euro, jeweils für 128 Kerne und ein Jahr. Das sind Angebotspreise, keine Hersteller-Preisliste. Broadcom pflegt grundsätzlich keine öffentliche Preisliste.

Lohnt sich der Wechsel zu einer Alternative?+

Diese Ausgabe entscheidet nicht die Zahl auf dem Preisschild, sondern die Deckelung. 128 Kerne, ein Upgrade-Pfad pro Kunde, kein DRS und kein vSAN im Paket. Wer über diese Grenze hinauswächst oder HA und Storage braucht, für den ist Express nicht die Endstufe. Der Vergleich mit Proxmox, Hyper-V und Nutanix steht im Beitrag VMware gegen Proxmox.