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Infrastruktur2025-02-18· von Mag. (FH) Franz Senn

Von VMware zu Proxmox: Warum wir den Hypervisor gewechselt haben

Nach der Broadcom-Übernahme von VMware stellte sich für viele Betreiber dieselbe Frage wie bei uns: weiter steigende Lizenzkosten und Paketbündel hinnehmen — oder die Virtualisierung selbst in die Hand nehmen? Wir haben uns für Proxmox VE entschieden. Hier die Gründe, der konkrete Migrationspfad und die Stolpersteine.

1Assessment2Backup3Proxmox4Storage5Export6Transfer7VM anlegen8Disk-Import9VM-Config10Start + Test11Nacharbeit12VMware aus
End-to-End: von der Bestandsaufnahme bis zum Abbau der VMware-Ressourcen

Warum Proxmox

Proxmox VE ist eine vollständige Server-Virtualisierungsplattform auf Basis von KVM und LXC, mit Clustering und Hochverfügbarkeit out of the box — Open Source, ohne Lizenzfallen.

  • Kostenstruktur: Support-Subscription statt Core-basierter Lizenzierung. Kein Aufschlag pro Sockel, pro Core oder pro vCPU.
  • Datenhoheit: läuft auf eigener Hardware, kein Vendor-Lock-in.
  • Flexibilität: KVM-VMs und LXC-Container nebeneinander, ZFS, integrierte Replikation und ein offenes Storage-Modell.
  • Bedienbarkeit: Web-UI, REST-API und CLI (qm, pct) greifen ineinander — Automatisierung ohne zusätzliche Lizenzprodukte.

Zwei Migrationswege

Es gibt zwei praxistaugliche Pfade — die Wahl hängt davon ab, ob die Quell-VMs während der Migration laufen dürfen und wie viele es sind.

  1. Nativer ESXi-Import (seit Proxmox VE 8.2). Proxmox bindet den ESXi-Host als Storage ein und liest die VMDKs direkt aus. Ideal für überschaubare Bestände.
  2. Restore über Veeam Backup & Replication. Aktuelle Veeam-Versionen können VMware-Backups direkt auf Proxmox VE zurückspielen — praktisch, wenn ohnehin Veeam im Einsatz ist oder ein sauberer Backup-Restore als Migrationsweg gewünscht ist.

Für sehr grosse, komplexe vSphere-Landschaften stösst der native Importer noch an Grenzen — dann lohnt sich ein gestaffeltes Vorgehen oder der Weg über das Backup.

Der native ESXi-Import — Schritt für Schritt

  1. Bestandsaufnahme — VMs, Abhängigkeiten, Netzwerk-VLANs, Storage-Bedarf. Erst inventarisieren, dann migrieren.
  2. ESXi als Storage einbinden — unter Datacenter → Storage → Add → ESXi, mit Host und Zugangsdaten (Zertifikatsprüfung ggf. überspringen). Proxmox listet anschliessend die VMs samt Disks.
  3. Import-Assistent — Ziel-Storage und Disk-Format (raw/qcow2) wählen, als Controller VirtIO SCSI single setzen, Netzwerkmodell auf VirtIO (paravirtualisiert).
  4. Testmigration einzelner unkritischer VMs. Die Quell-VM für einen konsistenten Stand vorher herunterfahren.
  5. Cutover in Wartungsfenstern, mit Rollback-Pfad — die VMware-VM bleibt bis zur Abnahme unangetastet.

Nach dem Import gehören QEMU Guest Agent installiert und discard (TRIM) sowie iothread auf der Disk aktiviert.

Windows-VMs: der häufigste Stolperstein

Linux-Gäste bringen VirtIO meist im Kernel mit. Windows nicht — und genau hier scheitern die meisten Migrationen mit einem „Inaccessible Boot Device"-Bluescreen. Der Grund: Die VM bootet plötzlich von einem VirtIO-SCSI-Controller, für den Windows noch keinen Treiber geladen hat.

Die Reihenfolge, die zuverlässig funktioniert:

  1. Noch unter VMware: VirtIO-Treiber (virtio-win-ISO) installieren und VMware Tools deinstallieren.
  2. Beim Import die Boot-Disk zunächst an einem SATA-Controller belassen, in Windows die VirtIO-Treiber sicher laden, dann auf VirtIO SCSI single umstellen — der Controller mit dem geringsten Overhead und dem höchsten Durchsatz unter Proxmox.
  3. Firmware beachten: BIOS vs. UEFI/OVMF muss zur Quell-VM passen, sonst bleibt der Bildschirm schwarz.

Netzwerk und Cutover

Die MAC-Adresse der VMware-VM übernehmen, damit DHCP-Reservierungen und Firewall-Regeln weiter greifen. VLAN-Tags am Proxmox-Bridge-Interface sauber abbilden. Erst nach erfolgreichem Funktionstest die alte VM endgültig abschalten.

Was wir gelernt haben

Der Hypervisor-Wechsel war der einfache Teil. Die eigentliche Reise begann beim Storage — von Ceph über Vitastor bis DRBD. Und eine tragfähige Backup-Strategie nach 3-2-1 gehört von Tag eins dazu, nicht erst danach.

Wer von VMware wegmigriert, gewinnt Kontrolle zurück — zahlt aber mit Lernaufwand beim Storage- und HA-Design. Für uns hat sich der Tausch gelohnt.

FAQ
Was ändert sich bei den Kosten gegenüber der VMware-Lizenzierung?+

Proxmox VE ist Open Source; statt Core-basierter Lizenzierung gibt es eine optionale Support-Subscription. Kein Aufschlag pro Sockel, pro Core oder pro vCPU, kein Vendor-Lock-in. Der Artikel ist aber ehrlich: Sie zahlen den Wechsel mit Lernaufwand beim Storage- und HA-Design — der Hypervisor-Tausch selbst war der einfache Teil.

Können wir bestehende VMs migrieren, ohne alles neu aufzusetzen?+

Ja, es gibt zwei praxistaugliche Wege. Seit Proxmox VE 8.2 bindet der native ESXi-Import den Host als Storage ein und liest die VMDKs direkt aus — ideal für überschaubare Bestände. Alternativ spielen aktuelle Veeam-Versionen VMware-Backups direkt auf Proxmox zurück. Für sehr große vSphere-Landschaften stößt der native Importer an Grenzen; dann hilft ein gestaffeltes Vorgehen.

Warum zeigen Windows-VMs nach dem Import einen Bluescreen?+

Weil Windows — anders als Linux — keinen VirtIO-Treiber im Kernel mitbringt und plötzlich von einem VirtIO-SCSI-Controller booten soll: „Inaccessible Boot Device“. Die zuverlässige Reihenfolge: noch unter VMware virtio-win installieren und VMware Tools entfernen, die Boot-Disk zunächst an SATA belassen, Treiber laden, dann auf VirtIO SCSI single umstellen. Firmware (BIOS vs. UEFI/OVMF) muss passen.