Backup-Strategie 3-2-1 mit Proxmox Backup Server
Eine ERP-VM mit 200 GB Disk belegt nach 90 Tagen täglicher Backups mit Proxmox Backup Server kaum mehr als 250 GB Speicher. Das ist der Unterschied, den Deduplizierung in der Praxis macht, und der Grund, warum sich die klassische Backup-Regel heute günstig und ohne Kompromisse umsetzen lässt. Am Grundproblem ändert das nichts:
Backups sind wie Feuerlöscher: jahrelang unsichtbar, im Ernstfall das Einzige, was zählt. Mit Proxmox Backup Server (PBS) haben wir eine Lösung, die mehr kann als nächtliche Vollbackups auf externe Platten.

3-2-1: Der Standard, der gilt
- Drei Kopien der Daten (Original + zwei Backups)
- Auf zwei verschiedenen Medien (z. B. NVMe-Storage + HDD-Array)
- Eine Kopie offsite (anderer Brandabschnitt, anderes Gebäude, andere Stadt)
PBS deckt das aus einer Hand, und NIS2 verlangt de facto nichts anderes.
Von 3-2-1 zu 3-2-1-1-0
Seit Ransomware Backups gezielt mitverschlüsselt, reicht 3-2-1 allein nicht mehr. Die erweiterte Regel: 1 Kopie offline oder unveränderlich (immutable), 0 Fehler nach der Verifikation. Genau hier spielt PBS seine Stärken aus; dazu unten Verify-Jobs und eine append-only-Offsite-Kopie.
Proxmox Backup Server: Deduplizierung als Killer-Feature
PBS sichert VMs und Container inkrementell und dedupliziert auf Block-Ebene. Der erste Lauf dauert, jeder weitere sichert nur noch geänderte Blöcke. Das Resultat: Hunderte Snapshots auf erstaunlich wenig Speicher.
Ein PBS-Backup der ERP-VM mit 200 GB Disk belegt nach 90 Tagen Aufbewahrung kaum mehr als 250 GB, weil täglich nur ein paar hundert MB dazukommen und der Rest referenziert wird.
proxmox-backup-client backup root.pxar:/ --repository senn@pbs@<pbs-ip>:backups
Das Repository kann lokal sein, oder entfernt. Genau das nutzen wir für die Offsite-Kopie.
Verify, Prune, Garbage Collection
Drei Routinen halten den Datastore gesund:
- Verify-Jobs lesen die Chunks zurück und prüfen ihre Prüfsummen, so wird die "0" aus 3-2-1-1-0 belastbar, statt nur erhofft.
- Prune löscht nach einer Aufbewahrungsregel (z. B. "7 täglich, 4 wöchentlich, 6 monatlich").
- Garbage Collection gibt den Speicher der nicht mehr referenzierten Chunks frei.
In grösseren Umgebungen trennen Namespaces Mandanten oder Standorte sauber im selben Datastore.
Offsite: Hetzner Storage-Box als PBS-Remote
Die Storage-Box bei Hetzner (nicht im selben RZ wie der Cluster) wird als PBS-Remote eingebunden. Nach dem lokalen Backup synchronisiert PBS die Snapshots dorthin:
proxmox-backup-manager remote add hetzner-offsite \
--host <storagebox-ip> --user senn --repository backups
Das ist kein manueller Sync, sondern PBS-eigene Replikation, verschlüsselt, dedupliziert, inkrementell. Mit eingeschränkten Schreibrechten auf der Gegenseite (append-only) wird daraus die unveränderliche Kopie, an die selbst ein kompromittierter Cluster nicht herankommt. Die Storage-Box kostet weniger als ein Cloud-Backup-Abo und hält die Daten in Deutschland.
ZFS-Snapshots als erste Verteidigungslinie
Backup ist die letzte Rettung, Snapshots die erste. Bei einem Fehler, falsches SQL-Update, gelöschte Freigabe; ist der Snapshot von vor drei Stunden schneller zurückgeholt als jedes Band.
PBS integriert ZFS: Snapshot erstellen, Snapshot sichern, Snapshot verwerfen. Keine laufende VM friert ein, kein Dienst merkt davon. Auch der TrueNAS-Fileserver hängt nach diesem Muster an der Backup-Kette.
Und wenn noch VMware im Spiel ist?
In gemischten Landschaften sichert Veeam Backup & Replication (seit Version 12.2 mit nativer Proxmox-VE-Unterstützung) VMware-, Proxmox- und physische Systeme aus einer Konsole, und kann ein VMware-Backup direkt auf Proxmox zurückspielen. Das ist zugleich ein eleganter Migrationsweg weg von VMware.
Wiederherstellung: Getestet, nicht geglaubt
Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist keines. Wir restaurieren monatlich eine Test-VM aus der Offsite-Kopie. Das automatisiert PBS nicht, aber es hält ehrlich. Dauer: unter 15 Minuten, inklusive Boot-Test.
Fazit
3-2-1 klingt nach Theorie, PBS macht es praktisch. Lokales Backup auf dem Cluster, unveränderliche Offsite-Kopie auf Hetzner Storage-Box, Snapshots für die schnelle Rettung, Verify-Jobs für die Gewissheit, das ist die Backup-Strategie, die auch einen NIS2-Prüfer überzeugt.
Weiterführende Quellen
Reicht 3-2-1 aus, um einen NIS2-Prüfer zu überzeugen?+
Seit Ransomware Backups gezielt mitverschlüsselt, reicht klassisches 3-2-1 allein nicht mehr. Die erweiterte Regel 3-2-1-1-0 verlangt zusätzlich eine unveränderliche Kopie und null Fehler nach der Verifikation. Proxmox Backup Server liefert beides: Verify-Jobs lesen die Chunks zurück und prüfen ihre Prüfsummen, und die append-only-Hetzner-Storage-Box wird zur unveränderlichen Offsite-Kopie, an die selbst ein kompromittierter Cluster nicht herankommt. Das überzeugt einen NIS2-Prüfer.
Wo liegen unsere Backup-Daten, und ist das DSGVO-konform?+
Die Offsite-Kopie liegt auf einer Hetzner Storage-Box, die die Daten in Deutschland hält und weniger kostet als ein Cloud-Backup-Abo. Die Übertragung erfolgt verschlüsselt, dedupliziert und inkrementell per PBS-eigener Replikation, kein manueller Sync. Damit bleibt die Datenverarbeitung innerhalb der EU und entspricht den Vorgaben der DSGVO zum Ort der Datenverarbeitung.
Wie schnell ist eine Wiederherstellung, und wurde sie getestet?+
Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist keines. Wir restaurieren monatlich eine Test-VM aus der Offsite-Kopie, inklusive Boot-Test, Dauer unter 15 Minuten. PBS automatisiert diesen Test nicht, aber er hält ehrlich. ZFS-Snapshots dienen als erste Verteidigungslinie: nach einem falschen SQL-Update oder einer gelöschten Freigabe ist der Snapshot von vor drei Stunden schneller zurückgeholt als jedes Band.
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