TrueNAS als Fileserver-Ersatz: ZFS statt Windows-Fileserver
Der Windows-Fileserver ist eine der letzten Bastionen, die in vielen KMU noch unangetastet steht. Dabei spricht wenig dafür und viel dagegen. TrueNAS (mittlerweile als Community Edition firmierend, vormals SCALE) mit ZFS ist unsere Standardantwort.
Was am Windows-Fileserver stört
SMB-Freigaben kann Windows. Aber: NTFS ist kein Copy-on-Write-Dateisystem, Snapshots sind aufwendig, Replikation braucht DFS-R — und das ist kein Vergnügen. Dazu Lizenzkosten, Patch-Tage, Antiviren-Scanner, die beim Zugriff auf große Dateien alles ausbremsen.
TrueNAS: ZFS unter der Haube
ZFS prüft die Datenintegrität bei jedem Lesevorgang per Prüfsumme und repariert stillen Datenverfall (Bit Rot) selbst. Kompression (lz4) ist standardmäßig aktiv und kostet praktisch keine Leistung. Häufig gelesene Daten landen im ARC-Cache im RAM — weshalb TrueNAS reichlich Arbeitsspeicher will und ECC-RAM dringend empfohlen ist.
Pool-Layout: Mirrors oder RAIDZ
Hier wird die wichtigste Entscheidung getroffen — und sie lässt sich später kaum noch ändern:
- Mirror-vdevs (entspricht RAID 10) liefern die beste IOPS- und Resilver-Leistung und sind einfach zu erweitern — unsere Wahl für VM- und datenbanknahe Last.
- RAIDZ2 bietet mehr nutzbare Kapazität bei zwei Paritätsplatten — gut für klassisches File-Serving und Archive.
- Ein einzelnes, breites RAIDZ über viele Platten ist für zufällige Zugriffe die schlechteste Wahl. Lieber mehrere vdevs.
Regelmäßige Scrubs und SMART-Tests als geplante Aufgaben einrichten — ZFS findet Fehler nur, wenn man es lässt.
Snapshots = „Vorherige Versionen" für Anwender
Snapshots sind augenblicklich und brauchen keinen zusätzlichen Platz — erst wenn sich Daten ändern.
zfs snapshot tank/freigabe@taeglich-$(date +%Y%m%d)
Ein Snapshot kostet nichts. 200 Snapshots kosten nichts. Das ändert, wie man über Datenversionierung denkt. Der eigentliche Clou im Alltag: TrueNAS blendet ZFS-Snapshots als „Vorherige Versionen" (Shadow Copies) im Windows-Explorer ein. Anwender stellen versehentlich gelöschte Dateien selbst wieder her — ohne Ticket, ohne Restore-Lauf. Periodische Snapshot-Tasks und Replication-Tasks schieben inkrementelle Snapshots auf einen zweiten TrueNAS oder einen Standby-Server.
Migration: So haben wir es gemacht
Alte Freigaben als Dataset angelegt, SMB-Shares eingerichtet, ACLs übertragen (TrueNAS nutzt NFSv4-/SMB-ACLs). Für die Domänen-Anmeldung tritt TrueNAS per AD-Join der Domäne bei — Benutzer und Gruppen kommen dann direkt aus dem Active Directory. Die Windows-Clients merken vom Wechsel nichts — es bleibt SMB. Der Unterschied liegt unter der Haube: Prüfsummen, Kompression, Self-Healing.
Ein eigenes Dataset pro Freigabe ist die saubere Variante: So lassen sich Snapshot-Rhythmus, Kompression und Recordsize pro Share steuern.
Was TrueNAS nicht kann
Active-Directory-Domänencontroller ersetzen. Es integriert sich per AD-Join, aber es ist kein DC. Und: TrueNAS erwartet, dass Sie sich mit ZFS-Konzepten auseinandersetzen — Pools, vdevs, Datasets sind kein Hexenwerk, müssen aber verstanden sein, bevor der erste Pool steht.
Fazit
Für reine File-Serving-Aufgaben ist TrueNAS dem Windows-Fileserver in jeder Disziplin überlegen — außer im AD-Betrieb. Die Lizenzkosten sparen Sie nebenbei. Wie die TrueNAS-Replikation in eine saubere 3-2-1-Backup-Strategie passt, lesen Sie im verlinkten Artikel.
Können unsere Anwender gelöschte Dateien nach dem Umstieg noch selbst wiederherstellen?+
TrueNAS blendet ZFS-Snapshots als „Vorherige Versionen“ (Shadow Copies) direkt im Windows-Explorer ein. Anwender stellen versehentlich gelöschte oder überschriebene Dateien selbst wieder her — ohne Ticket und ohne Restore-Lauf. Da Snapshots augenblicklich sind und erst bei Änderungen Platz kosten, können Sie sehr viele davon vorhalten und den Snapshot-Rhythmus pro Freigabe steuern.
Ersetzt TrueNAS unseren Active-Directory-Domänencontroller?+
Nein. TrueNAS tritt der Domäne per AD-Join bei und bezieht Benutzer und Gruppen direkt aus dem Active Directory, ist aber selbst kein Domänencontroller. Der AD-Betrieb ist laut Artikel die einzige Disziplin, in der der Windows-Fileserver TrueNAS überlegen bleibt — den DC brauchen Sie also weiterhin separat.
Welche Hardware-Anforderungen bringt ZFS mit?+
ZFS legt häufig gelesene Daten im ARC-Cache im RAM ab, weshalb TrueNAS reichlich Arbeitsspeicher will; ECC-RAM ist dringend empfohlen. Die wichtigste Entscheidung ist das Pool-Layout: Mirror-vdevs (RAID 10) für VM- und Datenbanklast, RAIDZ2 für Archive. Es lässt sich später kaum ändern. Planen Sie zudem regelmäßige Scrubs und SMART-Tests als geplante Aufgaben ein.