Proxmox VE gegen VMware vSphere: Was der Wechsel wirklich kostet
Seit Broadcom die Lizenzierung von VMware neu geordnet hat, rechnet jeder IT-Verantwortliche nach. Die Frage ist selten „geht Proxmox?" — es geht. Die Frage ist, was man aufgibt, und ob das im eigenen Betrieb überhaupt eine Rolle spielt.
Wir betreiben sechs Proxmox-Knoten über zwei Brandabschnitte, mit synchron gespiegeltem Storage und ohne SAN. Was hier steht, kommt aus diesem Betrieb, nicht aus einem Datenblatt.
Der Kostenblock, den alle meinen
vSphere wird pro Kern lizenziert, mit einem Minimum von 16 Kernen je Sockel, und ist seit der Broadcom-Übernahme nur noch im Abonnement zu haben. Ein Cluster aus drei Knoten mit je zwei 32-Kern-CPUs liegt schnell im fünfstelligen Bereich pro Jahr — vSAN, Backup und Betriebsmanagement noch nicht eingerechnet.
Proxmox VE ist AGPLv3-Software. Bezahlt wird das Enterprise-Repository, gestaffelt nach Supporttiefe, pro Sockel und Jahr. Für denselben Drei-Knoten-Cluster landet man je nach Stufe im niedrigen vierstelligen Bereich.
Der ehrliche Zusatz: Der Lizenzpreis ist selten der ganze Unterschied. Wer von vSphere kommt, hat meist ein SAN, eine Backup-Lösung mit VMware-Integration und Betriebsprozesse, die auf vCenter aufsetzen. Diese drei Posten zu ersetzen kostet Zeit, und Zeit ist teurer als Lizenzen.
Was vSphere ehrlicherweise besser kann
| Funktion | vSphere | Proxmox VE |
|---|---|---|
| Automatische Lastverteilung | DRS, ausgereift | manuell oder per Skript |
| Rollen- und Rechtemodell | sehr granular | solide, aber gröber |
| Drittanbieter-Ökosystem | sehr breit | überschaubar |
| Storage-Migration im Betrieb | komfortabel | möglich, weniger elegant |
| GUI-Reife für grosse Umgebungen | hoch | gut, aber technischer |
| Support-Erwartung im Konzern | etabliert | erklärungsbedürftig |
DRS ist der Punkt, den man nicht kleinreden sollte. In einer Umgebung mit hundert VMs und schwankender Last verschiebt vSphere selbstständig. Proxmox hat das nicht in dieser Tiefe. Bei zwanzig bis fünfzig VMs mit bekanntem Lastprofil fällt das nicht ins Gewicht — bei dreihundert schon.
Was Proxmox besser kann
Kein SAN nötig. Das ist der architektonische Hauptunterschied. Mit DRBD über LINSTOR spiegelst du lokale NVMe-Platten synchron zwischen den Knoten. Fällt ein Server aus, laufen die VMs auf einem anderen weiter — ohne zentrales Storage-Array, das gekauft, gewartet und irgendwann ersetzt werden muss. Bei uns läuft das über zwei Standorte mit einer eigenen Replikations-Verbindung.
LXC-Container neben KVM. Für Dienste, die keine eigene Kernel-Isolation brauchen, ist ein Container deutlich sparsamer als eine volle VM. In der Praxis spart das erheblich RAM.
Proxmox Backup Server. Deduplizierend, inkrementell für immer, mit Verifikation der Sicherungen. Er ist Teil derselben Welt und kostet keine separate Lizenz pro VM.
Kein Vendor-Lock-in. Die VMs liegen als qcow2 oder auf LVM/ZFS. Es gibt kein proprietäres Format, aus dem man sich später herausverhandeln muss.
Wo der Wechsel wirklich wehtut
Nicht bei der Konvertierung — die ist Handwerk. Es tut an drei Stellen weh:
-
Storage-Entscheidung. DRBD, Ceph oder ZFS mit Replikation verhalten sich grundverschieden. Wir haben Ceph für unser Lastprofil ausgeschlossen, weil die Latenz bei Datenbanklast messbar schlechter war als bei DRBD. Diese Messung muss man selbst machen — die Antwort hängt an der eigenen Arbeitslast.
-
Wissen im Team. Proxmox ist Debian mit einer sehr guten Oberfläche darüber. Wer Linux kann, ist schnell produktiv. Wer bisher nur vCenter geklickt hat, braucht Einarbeitung.
-
Zwei-Knoten-Cluster sind eine Falle. Ein Cluster braucht ungerade Stimmen. Mit zwei Knoten braucht es einen dritten Quorum-Zeugen, sonst steht bei jedem Ausfall alles. Das ist kein Proxmox-Problem, sondern Cluster-Physik — aber es überrascht Umsteiger regelmässig.
Wie eine Migration abläuft
Der Kopiervorgang selbst ist der einfachste Teil. Eine VM mit 100 GB ist in einer knappen Stunde konvertiert, oft schneller. Was Zeit braucht, steht davor:
- Bestandsaufnahme: Welche VMs gibt es, welche laufen tatsächlich, welche kann man ersatzlos abschalten? Erfahrungsgemäss fallen zehn bis zwanzig Prozent weg.
- Netzkonzept: Bridges und VLANs müssen vor der ersten VM stehen.
- Backup zuerst: Der Proxmox Backup Server gehört aufgesetzt und getestet, bevor die erste produktive VM umzieht.
- Reihenfolge: Unkritisches zuerst, das Kernsystem zuletzt.
Praktisch fährt man beide Umgebungen eine Zeit lang parallel. Das kostet kurzzeitig doppelte Hardware — und ist jeden Cent wert, weil der Rückweg offen bleibt.
Für wen sich der Wechsel rechnet
Ja, wenn du zwischen drei und fünfzig Knoten betreibst, Linux-Kompetenz im Haus hast, dein SAN ohnehin vor der Ablöse steht oder die Lizenzkosten spürbar wehtun.
Eher nicht, wenn du DRS für dreihundert VMs brauchst, an Compliance-Vorgaben hängst, die einen Hersteller-Supportvertrag verlangen, oder dein Betrieb an einer Software hängt, die nur für vSphere zertifiziert ist.
Auf keinen Fall, weil es gerade alle machen. Der Wechsel ist ein Projekt, kein Häkchen — und ein schlecht geplanter Wechsel ist teurer als jede Lizenz.
Weiterführend
Ist Proxmox VE wirklich kostenlos?+
Die Software ja, unter AGPLv3. Was Geld kostet, ist das Enterprise-Repository mit getesteten Updates — je nach Stufe rund 110 bis 1.020 Euro pro Sockel und Jahr. Ohne Subscription bekommst du das No-Subscription-Repository, das funktioniert, aber ungetestet ausgeliefert wird. Für Produktivsysteme ist die günstigste Stufe eine sehr gut angelegte Investition.
Was verliere ich beim Wechsel von vSphere zu Proxmox?+
Vor allem drei Dinge: DRS für automatische Lastverteilung, die Tiefe des vCenter-Rollenmodells und das Ökosystem an Drittanbieter-Integrationen. Storage vMotion im laufenden Betrieb über verschiedene Storage-Typen ist ebenfalls weniger komfortabel. Wer davon nichts nutzt — und das sind die meisten Mittelständler — verliert nichts.
Wie lange dauert eine Migration?+
Pro virtueller Maschine Minuten bis Stunden, abhängig von der Plattengrösse. Der Aufwand steckt nicht im Kopiervorgang, sondern davor: Netzkonzept, Storage-Entscheidung, Backup-Strategie und die Frage, welche VMs überhaupt mitkommen. Rechne mit Wochen für die Planung und Tagen für die Umsetzung.
Braucht Proxmox ein SAN?+
Nein, und das ist einer der grössten Kostenunterschiede. Mit DRBD/LINSTOR oder Ceph replizierst du lokale NVMe-Platten zwischen den Knoten und bekommst Hochverfügbarkeit ohne zentrales Storage-Array. Das spart die Anschaffung und den Single Point of Failure gleich mit.
senn-tech