Speicherpreise im vierten Quartal 2026: Enterprise-SSDs ziehen um bis zu 28 Prozent an, Micron erwartet 2027 noch knapper
Am 30. September 2026 sind zwei Meldungen erschienen, die für jede Server- und Storage-Beschaffung mit Termin 2027 zählen. Das Marktforschungshaus TrendForce erwartet für das vierte Quartal Vertragspreise für konventionellen DRAM 10 bis 15 Prozent und für NAND-Flash 15 bis 20 Prozent über dem Vorquartal. Für Enterprise-SSDs nennt die Zusammenfassung des zugehörigen Berichts 23 bis 28 Prozent, und laut Pressemitteilung ist das die einzige Speicherkategorie, deren Anstieg sich gegenüber dem dritten Quartal noch beschleunigt. Am selben Tag hat Micron die Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 vorgelegt und in der Telefonkonferenz ein noch knapperes Angebot für 2027 und 2028 angekündigt.
Wie die Preise in den zwölf Monaten davor gelaufen sind, steht in unserem Beitrag Speicherpreise nach einem Jahr Krise. Hier geht es nur um die neuen Zahlen und um die Frage, ob man für 2027 geplante Server, SSDs und Arbeitsspeicher jetzt bestellt oder wartet.
Was TrendForce für das vierte Quartal erwartet
Beim DRAM wird der Anstieg laut TrendForce flacher, er hört aber nicht auf. Die Hersteller geben ihre Kapazität in modernen Fertigungsprozessen vorrangig an Serverprodukte, der Markt bleibt unterversorgt. Für Server-DRAM schreibt TrendForce, dass Cloud-Anbieter und Server-OEMs mehr RDIMMs für allgemeine Server bestellen, weil Server-CPUs wieder besser lieferbar sind. Dafür liefern die Hersteller mehr Module mit kleiner Kapazität aus. Bei einigen Lieferanten bleibt der Anstieg wegen der Preismechanik in langfristigen Lieferverträgen unter dem Marktschnitt. Für PCs könnte das DRAM-Angebot 2027 sinken, weil weitere Kapazität in Richtung Server wandert.
Bei Enterprise-SSDs rechnet TrendForce für 2026 mit mehr als 80 Prozent Wachstum beim Bit-Bedarf, getrieben vom Ausbau der Inferenz-Infrastruktur bei den Cloud-Anbietern. QLC-Laufwerke werden als Zwischenspeicher für KV-Caches und für Vektordatenbanken eingesetzt. QLC-Kapazität wird ausgebaut, aber laut TrendForce ist der größte Teil des zusätzlichen Angebots bereits vergeben, auf dem freien Markt bleibt wenig.
Bei Client-SSDs fällt der Anstieg kleiner aus. PC-Hersteller bedienen das vierte Quartal aus Lagerbeständen des ersten Halbjahres und bauen in Standardmodelle kleinere SSDs ein, um Materialkosten zu sparen. Die NAND-Hersteller halten sich deshalb dort mit Preiserhöhungen zurück.
| Kategorie | Prognose Q4 2026 zum Vorquartal | Wen es trifft |
|---|---|---|
| Konventioneller DRAM | 10 bis 15 % | Server-RDIMM, PC und Notebook, Smartphones; bei langfristigen Verträgen teils weniger |
| NAND-Flash gesamt | 15 bis 20 % | Modulhersteller, Smartphones, Unterhaltungselektronik; Client-SSDs gedämpft durch Lager |
| Enterprise-SSD | 23 bis 28 % | Server mit NVMe-Speicher, Storage-Systeme, Rechenzentren; freies Angebot knapp |
Alle Zahlen dieser Tabelle gehen auf TrendForce zurück. Berichte wie bei Evertiq oder ComputerBase geben dieselbe Pressemitteilung wieder. Eine zweite, unabhängige Prognose oder eine Gegenstimme haben wir nicht gefunden. Die 23 bis 28 Prozent für Enterprise-SSDs stehen nur in der öffentlichen Zusammenfassung, der vollständige Bericht kostet 30.000 US-Dollar und ist nicht öffentlich.
Was Micron meldet
Micron hat im vierten Geschäftsquartal, das am 3. September endete, 54,23 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Ein Jahr zuvor waren es 11,32 Milliarden. Die Bruttomarge lag bei 86,8 Prozent, der Nettogewinn bei 37,70 Milliarden. Für das ganze Geschäftsjahr stehen 133,19 Milliarden Umsatz nach 37,38 Milliarden im Vorjahr. Im laufenden Quartal erwartet Micron 61,5 Milliarden, plus oder minus 1,5 Milliarden.
Für Käufer von Servern ist eine Zeile der Spartentabelle aufschlussreich. Das Segment Core Data Center, laut heise Rechenzentren und Server außerhalb der großen Cloud-Anbieter, hat 18,0 Milliarden US-Dollar umgesetzt, bei 90 Prozent Bruttomarge. Ein Jahr zuvor lag diese Marge bei 41 Prozent. Das Cloud-Geschäft kam auf 16,3 Milliarden bei 83 Prozent. Speicher für gewöhnliche Server ist damit Microns größte Sparte und bringt mehr Marge als das Geschäft mit den Hyperscalern.
Die Aussagen zu 2027 und 2028 stammen aus der Telefonkonferenz, die Pressemitteilung selbst enthält sie nicht. Laut The Register sagte Micron-Chef Sanjay Mehrotra, die Nachfrage übersteige 2027 und 2028 das Angebot, die Lage werde in beiden Jahren enger als 2026, und ein Zeitpunkt für die Rückkehr zum Gleichgewicht sei nicht absehbar. Neue Fabriken kommen 2028, sollen aber nicht sofort für Entlastung sorgen. heise zitiert ihn mit 75 Prozent der eigenen Produktion für 2027, die bereits Kunden zugeordnet seien, und mit Preisanstiegen im abgelaufenen Quartal im hohen zweistelligen Bereich bei DRAM und um etwa 30 Prozent bei NAND. Das sind Aussagen eines Anbieters, der an genau dieser Knappheit verdient. Ein Transkript der Konferenz haben wir nicht gelesen, die Zitate stammen aus den beiden Berichten.
Was bei Endgeräten ankommt
Samsung hat zwischen dem 1. und 2. Oktober die Listenpreise der Galaxy-S26-Reihe im eigenen Webshop um 100 Euro angehoben, beim Ultra mit 1 TB um 200 Euro. Das Galaxy S26 mit 256 GB kostet dort jetzt 1.099 Euro, laut heise zuvor 999 Euro. Die Händlerpreise liegen laut heise noch deutlich darunter.
Raspberry Pi hat am 1. Oktober die 2-GB-Varianten von Raspberry Pi 4 und 5 um 12,50 US-Dollar verteuert, auf 67,50 und 77,50 Dollar, und nennt die Speicherkosten als Grund. Der Hersteller rät Kunden, keinen Arbeitsspeicher zu kaufen, den sie nicht brauchen.
Jetzt bestellen oder warten
In den Quellen dieser Woche spricht nichts für das Warten. TrendForce sieht für Enterprise-SSDs einen sich beschleunigenden Anstieg, Micron erwartet 2027 und 2028 enger als 2026, und der größte Teil des zusätzlichen Angebots ist laut beiden schon vergeben. Gegen einen frühen Kauf spricht, dass beide Aussagen von Marktteilnehmern stammen, die eine Seite des Marktes beobachten oder an ihr verdienen, und dass gebundenes Kapital Geld kostet. Wer die Frage Kauf gegen Miete grundsätzlich offen hat, findet die Rechengrößen dafür in On-Premise gegen Cloud. Die Cloud-Anbieter kaufen dieselben SSDs und tragen die Kosten in ihre Preise.
Unsere Empfehlung hängt am Planungsstand. Steht für ein Projekt mit Start 2027 die Konfiguration fest und ist das Budget freigegeben, lohnt es sich, Server, SSDs und RAM noch im vierten Quartal zu bestellen, mit Preisbindung und zugesagtem Liefertermin im Angebot. Bei Enterprise-SSDs ist das nach der TrendForce-Prognose am dringendsten. Ist der Bedarf noch offen, ist ein Kauf von Reserve auf Verdacht die teurere Wette: Die Konfiguration genau auf den Bedarf zuschneiden, Angebote mit kurzer Gültigkeit einholen und den Bestellzeitpunkt an die Freigabe koppeln.
Weiterführende Quellen
- TrendForce, Pressemitteilung vom 30.9.2026 zu den Vertragspreisen im vierten Quartal, DRAM, NAND und die Begründung zu Enterprise-SSDs
- TrendForce, Berichtsseite 4Q26 Memory Price Forecast, Zusammenfassung mit 23 bis 28 Prozent für Enterprise-SSDs
- Micron, Ergebnisse für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2026, Umsatz, Marge, Spartentabelle
- The Register zur Micron-Telefonkonferenz, Zitate zu 2027 und 2028, neue Fabriken
- heise zu Micron, 75 Prozent der Produktion 2027 vergeben, Spartenmargen
- Evertiq zur TrendForce-Prognose, Wiedergabe derselben Zahlen
- ComputerBase zur TrendForce-Prognose, deutsche Zusammenfassung
- heise zu den Galaxy-S26-Preisen, alte und neue Listenpreise
- Samsung Webshop, Galaxy S26, aktuelle Listenpreise
- Raspberry Pi, Preiserhöhung für die 2-GB-Modelle, neue Preise und Begründung
Um wie viel sollen Enterprise-SSDs im vierten Quartal 2026 teurer werden?+
TrendForce rechnet mit 23 bis 28 Prozent höheren Vertragspreisen gegenüber dem dritten Quartal. Die Zahl steht in der Zusammenfassung des Berichts 4Q26 Memory Price Forecast vom 24. September 2026, die Pressemitteilung vom 30. September nennt Enterprise-SSDs als einzige Speicherkategorie, deren Anstieg sich beschleunigt.
Gibt es eine Quelle, die eine Entspannung erwartet?+
Wir haben keine gefunden. Alle Prognosezahlen in den Berichten dieser Woche gehen auf TrendForce zurück. Micron erwartet für 2027 und 2028 ein noch knapperes Angebot, das ist allerdings die Aussage eines Herstellers, der an den Preisen verdient.
Sollte man Server und SSDs für 2027 jetzt bestellen?+
Wenn Konfiguration und Budget eines Projekts feststehen, spricht die Datenlage für eine Bestellung noch im vierten Quartal, mit fester Preisbindung im Angebot. Wenn der Bedarf noch offen ist, sollte man keine Reserve auf Verdacht kaufen. Die Prognosen stammen aus einer einzigen Analystenquelle und können danebenliegen.
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