Speicherpreise nach einem Jahr Krise: RAM plus 370, HDD plus 134, SSD plus 129
Vor gut anderthalb Wochen war der zwölfte Stichtag. ComputerBase verfolgt die Preisentwicklung bei RAM, HDD und SSD seit Mitte September 2025 im Monatsrhythmus, und der aktuelle Wert ist die Bilanz eines Jahres: Arbeitsspeicher 370 Prozent teurer, Festplatten 134 Prozent, SSDs 129 Prozent gegenüber dem 15. September 2025. RAM hat damit einen neuen Höchstwert erreicht, HDD und SSD steigen weiter, nur langsamer. Die Monatswerte davor: plus 345, plus 129, plus 126 Prozent.
Hinter dem Durchschnitt stehen Produktpreise
Die Indexzahl ist die Summe, die Rechnung geht pro Produkt auf. Ein Patriot Viper VENOM 32-GB-DDR5-Kit stand im September 2025 bei 87 Euro und am 16. September 2026 bei 449, plus 417 Prozent. Corsairs Vengeance RGB 32 GB von 126 auf 549 Euro. Kingston FURY Beast in der 64-GB-Ausführung, die für Serverspeicher und Workstations gekauft wird: 213 Euro im September 2025, schon im August 2026 dann 1.036 Euro. Beim Kleingeld der NAS-Welt, der Seagate IronWolf mit 8 TB, wurden aus 156 Euro 345. Die Kingston NV3 mit 1 TB, lange Zeit die billige SSD schlechthin, ist von 50 auf 144 Euro gegangen, plus 189 Prozent.
Die Hersteller boomen, die Käufer zahlen
Auf der Herstellerseite liest sich das als Boom, nicht als Krise. CXMT meldet 874 Prozent mehr Umsatz und erstmals Milliardengewinn, YMTC will mit massivem NAND-Ausbau Samsung und SK Hynix nach eigenen Plänen bis Ende 2027 überholen. Denselben Speicher, den die Unterhaltungselektronik nicht mehr bezahlen kann, verkauft die KI-Rechenzentrums-Industrie zum Vielfachen, und die Marktforscher erwarten für Q3 laut ComputerBase einen besonders starken Preissprung bei Consumer-DRAM, gerade weil die Hersteller ihre Produktion auf Server-Produkte umgestellt haben.
Dazu die zwei Meldungen, die zeigen wie die Branche auf die Knappheit reagiert: Kioxia bemustert bald ein CXL Memory Module, das DRAM in Servern teilweise durch Flash ersetzen soll, und Apple hat nach den alten iPhone-Modellen jetzt den Mac mini angefasst, das M6-Modell kostet 50 Prozent mehr als sein Vorgänger. Wenn selbst Apple solche Preissprünge offen in die Liste schreibt, ist die Knappheit kein Verhandlungsproblem mehr.
Österreich: Der Index misst woanders
Der ComputerBase-Index sind deutsche Bestpreise. Wer in Österreich beschafft, gleicht über Geizhals.at und Idealo.at ab, und dort gilt: Die Richtung ist identisch, die Preise sind es nicht. Je nach Händler, Bindung und Lagerbestand liegt der österreichische Bestpreis über oder unter dem deutschen, mal deutlich, mal knapp. Wer nach dem Index einkauft statt nach dem eigenen Vergleichsportal, zahlt an der falschen Stelle drauf oder traut sich Preisrückgänge zu, die der eigene Markt nicht hergibt.
Die Beschaffungsrechnung, ehrlich
Was aus den zwölf Monatswerten für die Einkaufsliste folgt, ohne Panik und ohne Warten.
- Ersatz, der in den nächsten zwei Quartalen fällig ist, ist heute billiger als übermorgen. Die Kurve hatte im Januar ein Hoch, eine Frühjahrs-Erholung, und danach die steilste Phase. Wer einmal gesehen hat wie aus 50 Euro NV3-Preis 144 werden, schiebt RAM und SSD für laufende Systeme nicht mehr.
- Plattformen mit DDR4-Sockel altern in die richtige Richtung. Speicher-Aufrüstungen für Maschinen, die DDR5 nicht unterstützen, sind plötzlich Wertverlust-Vermeidung statt Geiz.
- Rechenleistung, die RAM spart, schlägt Rechenleistung, die ihn frisst. Bei Inferenz- und Datenbank-Servern entscheidet die Betriebsrechnung, und die verschiebt sich jedes Quartal Richtung RAM-Armut, siehe KV-Cache auf Host-RAM und Quantisierung.
- Preise nicht vom Distributor-Listenpreis nehmen, sondern zweimal im Quartal von zwei unabhängigen Portalen gegenprüfen. Zwischen List und Straße liegen in diesem Jahr mehr als die üblichen Prozente.
Was die Hoffnung angeht, bleibt die ehrliche Auskunft: Entwarnung ist nicht terminiert. Kioxia muss bemustern was es verspricht, YMTC und CXMT bauen ihre Fabriken für 2027, und der Q3-Preissprung kommt vorher. Wer Wartungsbedarf hat, kann auf diese Entwarnung nicht warten.
Weiterführende Quellen
- ComputerBase: Speicherpreise im Check, plus 370 Prozent nach einem Jahr, Stichtag 16.09.2026
- ComputerBase: Der Monatsvergleich vom August 2026 mit allen Produkttabellen
- ComputerBase: Marktforscher erwarten größten Preisanstieg bei Consumer-DRAM
- ComputerBase: CXMT mit 874 Prozent mehr Umsatz und YMTCs NAND-Ausbau
- ComputerBase: Apple zieht Mac-mini-Preis um 50 Prozent an und RAMageddon bei den alten iPhones
- ComputerBase: Kioxias CXL-Speichermodul zur Bemusterung
- Video: Speicherpreise explodieren, heise und c't
- Geizhals.at Preisvergleich Österreich und Idealo.at, abgerufen 24.09.2026
- PC Games Hardware: Notebook-Preise ziehen um 100 bis 300 Euro an
- Warum Quantisierung eine Preisdiskussion ist: unsere llama.cpp- und vLLM-Woche
- Speicher-Grundlagen für die eigene Beschaffung: Ceph, Vitastor und was Hardware kostet
Ist Besserung in Sicht?+
Auf der Angebotsseite ja, aber spät. Marktforscher erwarten für das dritte Quartal einen besonders starken Preissprung bei Consumer-DRAM, neue NAND-Kapazitäten von YMTC und CXMT greifen laut eigenen Plänen erst 2027. Wer Wartungsbedarf hat, kann nicht auf Entwarnung warten.
Lohnt sich Warten auf fallende Preise?+
Für Ersatzteile und Wartung: nein, die Kurve zeigt seit zwölf Monaten in eine Richtung. Für Speicher, der noch nicht bestellt werden muss: die einzigen realistischen Hoffnungsträger sind CXL-Speicherbausteine von Kioxia, deren Bemusterung gerade erst startet, und chinesische Kapazitätsausbauten 2027.
Warum sind die Preise in Österreich anders als in Deutschland?+
Der ComputerBase-Index misst deutsche Marktpreise. Österreichische Preisvergleichsportale zeigen dieselbe Richtung mit eigener Streuung: Wer bei Geizhals und Idealo gegenprüft, findet für identische Modelle teils deutliche Unterschiede gegenüber dem deutschen Bestpreis, in beide Richtungen.
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