On-Premise gegen Cloud: die Rechnung, die niemand aufmacht
Die Cloud-Frage wird selten gerechnet und meistens geglaubt. Die eine Seite sagt, alles gehöre in die Cloud, weil Hardware von gestern ist. Die andere sagt, Cloud sei teuer und unsicher. Beide haben in bestimmten Fällen recht, und genau deshalb ist die pauschale Antwort immer falsch.
Wir betreiben beides — einen eigenen Cluster für alles mit konstanter Last, gemietete Kapazität für alles andere. Hier steht die Rechnung, die wir dafür aufmachen.
Die drei Grössen, an denen es hängt
1. Wie konstant ist die Last? Eine Warenwirtschaft, ein Dateiserver und eine Datenbank laufen rund um die Uhr mit ähnlichem Bedarf. Für so etwas zahlt man in der Cloud dauerhaft für eine Elastizität, die man nie abruft. Umgekehrt: ein Webshop mit Weihnachtsgeschäft, eine Testumgebung, ein Rendering-Auftrag — dort ist genau diese Elastizität das ganze Argument.
2. Wie viel Kapital kann gebunden werden? Eigene Hardware ist eine Investition mit Abschreibung über vier bis fünf Jahre. Für einen Betrieb, der jeden Euro im Umlaufvermögen braucht, ist das der entscheidende Punkt — und ein völlig legitimer Grund, in die Cloud zu gehen, auch wenn die Fünfjahresrechnung dagegen spricht.
3. Wer macht den Betrieb? Das ist der Posten, der auf beiden Seiten falsch angesetzt wird. Eigene Hardware braucht Menschen, die Updates einspielen, Monitoring auswerten und nachts erreichbar sind. Cloud braucht Menschen, die Kosten überwachen, Berechtigungen pflegen und verstehen, wofür da abgerechnet wird.
Was in der On-Premise-Rechnung fehlt
| Posten | Steht meistens drin | Wird meistens vergessen |
|---|---|---|
| Server, Storage, Netz | ✓ | |
| Strom und Kühlung | ✓ | |
| Wartungsvertrag | ✓ | |
| Arbeitszeit für Betrieb | ✗ | |
| Ersatzteile und Ersatzgerät | ✗ | |
| Zweiter Standort für Ausfallsicherheit | ✗ | |
| Backup-Ziel ausserhalb des Hauses | ✗ |
Der grösste dieser Posten ist die Arbeitszeit. Wer bei zehn virtuellen Maschinen mit „das macht der Kollege nebenbei" kalkuliert, rechnet einen halben Tag pro Woche nicht mit — auf fünf Jahre gerechnet mehr als die Hardware.
Was in der Cloud-Rechnung fehlt
| Posten | Steht meistens drin | Wird meistens vergessen |
|---|---|---|
| Rechenleistung und Speicher | ✓ | |
| Lizenzen | ✓ | |
| Ausgehender Datenverkehr | ✗ | |
| Kosten des Wiederaustritts | ✗ | |
| Backup innerhalb desselben Anbieters | ✗ | |
| Kostenkontrolle als laufende Aufgabe | ✗ |
Der ausgehende Datenverkehr ist der klassische Fall. Daten hineinzuschieben ist billig oder gratis. Sie herauszuholen kostet — und zwar genau dann, wenn man den Anbieter wechseln will. Mehrere Terabyte zurückholen kann einen vierstelligen Betrag kosten, bevor überhaupt eine Zeile migriert ist.
Der zweite ist die Backup-Frage. Eine Sicherung im selben Konto beim selben Anbieter schützt gegen ein gelöschtes Verzeichnis, nicht gegen ein kompromittiertes Konto.
Wo der Kipppunkt liegt
Als Faustregel aus der Praxis: Bei konstanter Grundlast über mehr als drei Jahre gewinnt eigene Hardware fast immer die reine Kostenrechnung — oft deutlich. Bei schwankender Last, kurzen Laufzeiten oder knappem Kapital gewinnt die Cloud.
Der Kipppunkt liegt üblicherweise im zweiten bis vierten Betriebsjahr. Das ist auch der Grund, warum Migrationen in beide Richtungen stattfinden und beide Seiten Erfolgsgeschichten erzählen können: Sie rechnen unterschiedliche Zeiträume.
Die dritte Antwort
Für die meisten mittelständischen Betriebe ist weder das eine noch das andere richtig, sondern die Aufteilung:
- Im Haus: Warenwirtschaft, Datenbanken, Dateiablage, alles mit konstanter Last und sensiblen Daten.
- Ausserhalb: Testumgebungen, Lastspitzen, die zweite Backup-Kopie, öffentliche Webangebote.
Das gibt Kostenkontrolle, wo die Last planbar ist, und Elastizität, wo sie es nicht ist. Und es erfüllt die 3-2-1-Regel beim Backup ganz nebenbei, weil die zweite Kopie ohnehin ausser Haus liegt.
Wenn es in die Cloud geht, ist die Anbieterwahl kein Detail: Ein europäischer Anbieter erspart die Diskussion über Drittlandtransfer, und offene Software auf gemieteter Hardware erhält die Rückkehroption, die eine proprietäre Plattform kassiert.
Was du vor der Entscheidung tun solltest
- Miss die tatsächliche Last. Nicht die Spitzen aus dem Datenblatt, sondern was über vier Wochen wirklich anfällt.
- Rechne auf fünf Jahre. Eine Dreijahresrechnung bevorzugt systematisch die Cloud, eine Zehnjahresrechnung systematisch die eigene Hardware.
- Setze die Arbeitszeit an. Auf beiden Seiten, mit einem realistischen Stundensatz.
- Prüfe den Rückweg. Was kostet es, in drei Jahren wieder herauszukommen? Wenn die Antwort unangenehm ist, ist das ein Argument gegen die Option, nicht ein Detail.
Weiterführend
Ist die Cloud teurer als eigene Hardware?+
Bei konstanter Grundlast über mehrere Jahre fast immer, bei schwankender Last fast nie. Der Kipppunkt liegt meist zwischen dem zweiten und vierten Betriebsjahr. Entscheidend sind drei Grössen: wie konstant die Last ist, wie viel Kapital gebunden werden kann und wie viel Betriebsarbeit im Haus geleistet wird.
Welcher Kostenblock wird bei On-Premise vergessen?+
Die Arbeitszeit. Hardware, Strom und Wartungsvertrag stehen in jeder Rechnung, die Stunden für Updates, Monitoring, Störungsbehebung und Backup-Tests fast nie. Bei kleinen Umgebungen ist dieser Posten regelmässig grösser als die Abschreibung.
Welcher Kostenblock wird bei der Cloud vergessen?+
Der Datenverkehr nach draussen und die Kosten des Wiederaustritts. Daten hineinzuschieben ist billig oder kostenlos, sie wieder herauszuholen nicht. Wer nach drei Jahren mehrere Terabyte zurückholen will, zahlt einen vierstelligen Betrag allein für den Transfer.
Was ist mit einer Mischung?+
Für die meisten Betriebe ist sie die richtige Antwort: Produktion und Daten mit konstanter Last im Haus, Testumgebungen, Lastspitzen und die zweite Backup-Kopie ausserhalb. Das gibt Kostenkontrolle, wo die Last planbar ist, und Elastizität, wo sie es nicht ist.
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