Claude Sonnet 5.5: 30 Prozent weniger Kosten pro Aufgabe, unabhängig gemessen 50 Prozent mehr
Anthropic hat am 28. September 2026 Claude Sonnet 5.5 veröffentlicht, nach Claude Opus 5.5 vom 22. September das zweite Modell der 5.5-Familie. Die Preisliste bleibt, wie sie seit dem Start von Sonnet 5 am 30. Juni 2026 war. Anthropic wirbt mit bis zu 30 Prozent weniger Kosten pro Aufgabe. Artificial Analysis maß am selben Tag 7,60 Dollar pro Aufgabe bei maximaler Anstrengungsstufe, rund 50 Prozent über Sonnet 5. Beide Zahlen sind irgendwie richtig, der Unterschied sitzt in einem Regler, den viele Aufrufe nie anfassen. Das dritte Modell heißt Claude Haiku 5.5 und ist am 29. September noch nicht erschienen.

Was im Angebot steht
Sonnet 5.5 (Kennung claude-sonnet-5-5) beerbt Sonnet 5 von Ende Juni: eine Million Token Kontext, 128.000 Token Ausgabe über die API, 300.000 in der Batch-Vorschau, Eingabe aus Text und Bild, Wissensstand Juni 2026. Zu haben über die Claude-API, AWS, Google Cloud, Azure und den Rest der Liste, dazu Verfahren ohne Aufbewahrung der Eingabetexte (Dokumentation, Stand 29.09.2026). Die Preise: 2 Dollar je Million Eingabe-Token, 10 je Million Ausgabe, Cache-Lesen 0,20, Cache-Schreiben 2,50 für fünf Minuten und 4,00 für eine Stunde, Batch-API mit halbem Preis. Die kleinste Cache-fähige Vorgabe sinkt von 1.024 auf 512 Token. Zwei Sätze aus der Dokumentation verdienen es, vor jeder Kostenrechnung gelesen zu werden: Der Tokenzähler ist derselbe wie bei Sonnet 5, gleicher Text also gleiche Tokenzahl, und die Preise stehen wörtlich auf dem Niveau von Sonnet 5 inklusive Cache und Batch. Die 30 Prozent sind also eine reine Effizienzbehauptung, keine Preisaktion. Das Plus von 30 Prozent bei der Geschwindigkeit bezieht sich nach dem Wortlaut auf die Ausgaberate; eine Wandzeitmethode nennt die Seite nicht. Als Standardstufe des Effort-Reglers listet die Dokumentation „high".
Die Anbieter-Benchmarks und ihre Fußnoten
Die Zahlen der Ankündigung vom 28. September 2026, alle vom Anbieter selbst gemessen: Terminal-Bench 4.0 springt von 10,3 Prozent bei Sonnet 5 auf 70,6, CursorBench 4.0 von 34,1 auf 55,5, HLE mit Werkzeugen von 54,9 auf 64,5 Prozent, OSWorld 2.1 auf 80,1 Teilpunkte bei 57,0 Prozent erledigten Aufgaben. Auf GDPval-AA v2.1 stehen 1.844 Punkte, Opus 5.5 kommt auf 1.846, ein Gleichstand, bei halbierten Preisen auf der Sonnet-Seite. Dazu die Zeile, die jeder weiterträgt: das erste Sonnet-Modell, das Pokémon Red allein von Bildschirmfotos aus durchspielt. Aus Kundenversuchen zitiert die Seite 121.000 statt 497.000 Token pro Antwort bei 2.441 Finanzaufgaben, 2,4-fache Geschwindigkeit bei 12 Prozent weniger Tokens, 14 Prozent weniger Ausgabe-Token, 20 Prozent schnellere Ticketbearbeitung.
Die Fußnoten gehören mitzitiert. GDPval und AA-Briefcase liefen auf einer Vorabversion mit einem Fehler, der Antworten verschlechtern konnte, die Werte können also zu tief sitzen. Auf der Opus-5.5-Seite steht derselbe GDPval-Wert einmal als 1.735 in der Tabelle und einmal als 1.846 im Fließtext, ohne Stufe dabei. Und wo die Vergleichsspalten GPT-6 Sol zeigen, stehen teils Werte von GPT-5.6 Sol, weil die dafür öffentlich fehlen.
Die unabhängige Messung läuft in die andere Richtung
Die Messtelle Artificial Analysis hatte Sonnet 5.5 am Tag der Veröffentlichung durchgemessen: Intelligenzindex 56 auf maximaler Stufe, Opus 5.5 hält 58, Sonnet 5 hält 38. Die Ausgaberate von 138,7 Token pro Sekunde ist dort der schnellste Anthropic-Wert, Sonnet 5 bringt es auf etwa 75. Die Kosten pro Aufgabe: 7,60 Dollar, rund 50 Prozent über Sonnet 5, bei im Mittel 193.000 Ausgabetoken pro Aufgabe, dem höchsten Verbrauch, den die Seite je gemessen hat, etwa das Siebenfache von GPT-6 Astra. Im Diagramm Intelligenz gegen Kostenaufgabe liegt Sonnet 5.5 außerhalb der Effizienzgrenze (Artikel vom 28.09.2026). Ihre Terminal-Bench-Nachmessung von 64 Prozent statt der beworbenen 70,6 führen die Messer selbst auf eine Vorabversion mit strukturierten Ausgaben zurück; eine Neuauflage haben sie angekündigt, auch das ist ehrlicher als manches Vendor-Dashboard.
Die Diskussion auf Hacker News brachte es am Erscheinungstag auf 772 Punkte und 517 Kommentare. Der sichtbarste Einwand ist derselbe wie der unsere beim Lesen der Dokumentation: Jeder Denklevel über Mittel nähere sich den Kosten von Opus 5.5 und übersteige sie teils, während die reklamierten Bestwerte bei Max laufen (Kommentar vom 29.09.2026). Ein Community-Bakeoff maß für dieselbe Programmieraufgabe das Vierfache der Kosten bei schlechterem Ergebnis als bei GPT-6 Sol, ein Einzelfall ohne methodische Tiefe, aber in die gleiche Richtung.
Der Regler entscheidet, welche Zahl stimmt
Beide Messungen widersprechen einander nur auf dem Cover. Anthropics Ersparnisbelege beschreiben klar umrissene Alltagsaufgaben auf den Defaultstufen, und dort zeigen sie Wirkung: die 121.000 gegen 497.000 Token sind ein Realbeispiel für weniger Denkballast bei gleicher Arbeit. Artificial Analysis maß bei maximaler Stufe, und dort verbrennt das Modell auf den Indexaufgaben 193.000 Ausgabetoken pro Aufgabe, nähert sich den Opus-Kosten und überschreitet sie in Teilen. Die heise-Zusammenfassung vom 28.09.2026 bringt es ohne Trommelwirbel: Auf mehreren Tests liege Sonnet 5.5 bei maximalem Rechenaufwand auf Opus-5.5-Niveau, dann aber auch zu ähnlichen Kosten. Die deutsche Zusammenfassung von the-decoder vermerkt zudem die Kuriosität, dass Sonnet 5.5 auf einer Coding-Probe mit Max schlechter abschneidet als mit Xhigh. Die Einheit „Kosten pro Aufgabe" braucht künftig zwei Nachschläge: welche Stufe, welche Aufgabe. Wer Anbietercharts zitiert, zitiert die Stufe mit.
Die Familie und das fehlende Modell
| Modell | Veröffentlicht | Preis je Mio Token Ein/Aus | Status |
|---|---|---|---|
| Fable 5.1 und Mythos 5.1 | 1. September 2026 | 10 / 50 Dollar | Fable frei, Mythos nur für geprüfte Partner |
| Opus 5.5 | 22. September 2026 | 4 / 20 Dollar | verfügbar, Behauptung: Niveau von Fable 5.1 |
| Sonnet 5.5 | 28. September 2026 | 2 / 10 Dollar | verfügbar, Preis wie Sonnet 5 |
| Haiku 5.5 | angekündigt 28. September 2026 | keine Angabe | nicht erschienen |
Zu Haiku 5.5 steht alles in einem Satz vom 28. September 2026: „Claude Haiku 5.5, built for high-volume and cost-sensitive applications, will join the Claude 5.5 family in the coming weeks." Ein Preis, eine Kennzahl oder ein Datum fehlt. the-decoder ordnet die Familie gegen OpenAI ein: Mit Fable, Opus und Sonnet stünden Gegenstücke zu GPT-6 Astra, Sol und Luna bereit, es fehle das untere Ende; in der Hacker-News-Debatte heißt dieselbe Beobachtung knapper, Anthropic kümmere sich nicht um den Niedrigpreismarkt. Beides Behauptungen mit Richtung, keine Messung. Auf dem OSWorld-2.0-Leaderboard steht zu allen 5.5-Modellen kein Eintrag; der Stand des Boards ist der 17. September 2026, die Lücke ist also erwartbar und kein Negativsignal.
Das System Card in Kürze
Das System Card zu Sonnet 5.5 (148 Seiten, 28.09.2026) meldet: keine neue Schwelle des Responsible Scaling Framework überschritten; das robusteste Sonnet gegen Prompt-Injektionen, das Anthropic bisher gebaut hat; in Cyber-Aufgaben klar über Sonnet 5 (Zitat: entwirft ausgefeilte Exploits deutlich fähiger), aber unter Opus 5.5; als Rückfall bei Cyber-Verweigerungen dient Sonnet 5. Zwei Sätze sollte man kennen, weil sie in keinem Marketingchart stehen: In Mehrrunden-Tests zu Überwachung und Verfolgung gebe es Rückgänge gegenüber Sonnet 5, und das Mitdenken des Modells sei schwerer lesbar als bei vielen Vorgängern.
Was wir damit tun
Claude Code läuft bei uns als tägliches Fernwartungswerkzeug auf einem großen Teil der Linux-Hosts, die installierte Version 2.1.199 haben wir am 29.09.2026 auf zwei Hosts gemessen; das Abrechnungsmodell der Claude-Abos hängt an genau dieser Familie, deren Preise und Effort-Stufen dieser Beitrag sortiert. Von unserem Inferenz-Gateway führt keiner der 17 Modelleinträge zu Anthropic (Konfigurationsdatei auf dem Gateway-Host, Stand 29.09.2026); die Produktion von Dokumenten- und Verkehrsdaten läuft über unsere eigenen GPUs und bleibt dort. Ein migrierbarer Bestand ist also nicht da, Sonnet 5.5 haben wir nicht getestet, und daran ändert dieser Beitrag nichts. Was wir vor einem Einsatz tun: 20 echte Aufgaben aus den Mail- und Dokumentprozessen über die Stufen Mittel und Hoch laufen lassen, Tokenzähler und Wallzeit pro Aufgabe notieren, die Effizienzgrenze lokal nachziehen, bevor eine Zahl aus einem Vendor-Chart die Hausrechnung trifft. Bei Masse-Anwendungen bleibt der Blick auf Haiku 5.5 gerichtet, dem einzigen Familienmitglied, das die Kosten unter Sonnet-Niveau drücken könnte; versprochen ist dazu bisher kein Datum.
Weiterführende Quellen
- Anthropic: Einführung von Claude Sonnet 5.5, 28.09.2026
- Claude-Dokumentation: Sonnet 5.5 Übersicht und Preise
- System Card Claude Sonnet 5.5, PDF, 148 Seiten, 28.09.2026
- Anthropic: Einführung von Claude Opus 5.5, 22.09.2026
- Anthropic: Einführung von Claude Sonnet 5, 30.06.2026 (Ausgangsbasis)
- Artificial Analysis: Claude Sonnet 5.5, eigene Messung vom 28.09.2026
- Diskussion auf Hacker News, 28./29.09.2026
- heise online zu Sonnet 5.5, 28.09.2026
- the-decoder: Claude Sonnet 5.5, 28.09.2026
- Der Vorgänger im Test: Claude, 5. Generation
Ist Sonnet 5.5 günstiger als Sonnet 5?+
An der Preisliste ändert sich nichts: 2 Dollar je Million Eingabe-Token, 10 je Million Ausgabe, 0,20 für Cache-Lesen, unverändert seit dem 30. Juni 2026. Ob eine Aufgabe billiger wird, hängt von der Anstrengungsstufe ab. Anthropic nennt bis zu 30 Prozent minus für klar umrissene Aufgaben, Artificial Analysis maß bei maximaler Stufe rund 50 Prozent plus.
Was steht zum angekündigten Haiku 5.5 fest?+
Nur der Ankündigungssatz vom 28. September 2026: gebaut für hohe Volumina und kostenempfindliche Anwendungen, in den kommenden Wochen. Ein Preis, eine Zahl oder ein Datum fehlt. Solange der Preis offen ist, taugt das Modell für keine Kostenplanung.
Ersetzt Opus 5.5 damit die obere Modellklasse?+
Anthropic behauptet, Opus 5.5 leiste auf den meisten Aufgaben das Niveau von Fable 5.1 bei 40 Prozent niedrigeren Kosten als Opus 5. Eine unabhängige Messung davon stand am 29. September 2026 aus. Fable 5.1 bleibt für mehrtägige autogene Läufe die Klasse mit dem größten Puffer.
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