ASUS Ascent QN10 im Test: 18 Kerne, 80 TOPS NPU und keine Software, die sie erreicht
ASUS schickt den Ascent QN10 als Rechner für lokale KI-Agenten ins Rennen. 18 Kerne, eine NPU mit 80 TOPS, ein Gehäuse von 130 × 130 × 40 Millimetern. Auf der Produktseite stehen die Agenten namentlich, OpenClaw und Hermes darunter. Wir haben die Messreihen, die Datenblätter und die Preise gesichtet, weil die Frage für uns dieselbe ist wie für jeden Betrieb, der ein Inferenzgerät neben dem Schreibtisch will.
Das Ergebnis verläuft in umgekehrter Reihenfolge zur Werbung. Die Maschine zieht im Leerlauf 5 Watt, der Lüfter steht. Nur führt der Weg zu den Sprachmodellen an der NPU vorbei, und zwar auf dem Betriebssystem, das ab Werk drauf ist.
Was im Gehäuse steckt
| Feld | Wert |
|---|---|
| Rechenwerk | Snapdragon X2 Elite X2E-88-100, 18 Oryon-Kerne (12 Prime bis 4,7 GHz, 6 Performance mit 3,4 GHz), 65 W cTDP |
| Grafik | Adreno X2-90 mit 1,70 GHz |
| NPU | Hexagon, 80 TOPS INT8 mit Sparsität |
| Speicher | 32 GB LPDDR5X-8533, verlötet, Maximalausbau, kein Slot |
| Laufwerk | 512 GB SanDisk SN5100S mit PCIe 4, zweiter M.2-Slot mit PCIe 5 belegt ab Werk mit nichts, bis 4 TB |
| Netzwerk | 2,5-GbE-Ethernet (Realtek RTL8125BP), Wi-Fi 7 mit Foxconn NCM820A |
| Anschlüsse | vorne: Klinke, 1 × USB 2.0 A, 1 × USB-A 10G, 2 × USB4 mit 40G; hinten: 1 × USB4 mit 40G, 2 × USB-A 10G, HDMI 2.1, 2,5-GbE, Hohlstecker |
| Maße und Gewicht | 130 × 130 × 40 mm, 0,7 l, 620 g gemessen |
| Betriebssystem | Windows 11 on Arm, Version 26H1 |
| Garantie | 2 Jahre |



Die Dokumentation des Modells ist an mehreren Stellen uneinheitlich. Das Datenblatt nennt 620 g und Bluetooth 6.0, der ASUS-Blog 720 g und Bluetooth 5.4. Die US-Seite schreibt 9600 MT/s, die globale Seite 8533. Die FAQ erwähnt zwei M.2-Slots mit PCIe 4, während Blog und Testberichte PCIe 5 plus PCIe 4 angeben. Wer ein Angebot einholt, sollte diese Punkte schriftlich bestätigen lassen.
Die Zahl, die zählt, steht nicht in der Werbung
Der X2E-88-100 ist mit acht LPDDR5X-Lanes angebunden, also 128 Bit. Qualcomm nennt 152 GB/s bei 9523 MT/s; das Testgerät läuft mit 8533 MT/s, was rechnerisch 136,5 GB/s ergibt. Die 192-Bit-Anbindung mit 228 GB/s bleibt der Variante X2 Elite Extreme vorbehalten. Aus der Produktseite übernommene „68 GB/s" entsprechen einem halben Bus und sind als Fehler zu lesen.
Beim Erzeugen von Text zieht jedes Token alle Gewichte durch den Speicher. Bei effektiv rund 110 GB/s und etwa 4,4 GB pro Token für ein 8-Milliarden-Modell in Q4 kommen 25 Token/s heraus, und gemessen wurden 25,2. Die Rechnung stimmt hier mit dem Messwert überein, was selten ist.
| Modellgröße | Platzbedarf bei 32 GB | Tempo beim Decode |
|---|---|---|
| 8 Mrd., Q4 | komfortabel | rund 25 Token/s |
| 14 Mrd., Q4 | knapp gehend | rund 13 Token/s |
| 20 Mrd., Q4_K_M | eng | rund 9 Token/s |
| 30 Mrd. MoE mit 3 Mrd. aktiv | letzte sinnvolle Stufe | brauchbar |
| 70 Mrd. | nicht möglich | entfällt |
Warum die Modellwahl daran hängt, steht in Warum Grafikkarten beim Inferenz-Tempo die DRAM-Bandbreite limitiert.
Was die NPU tatsächlich liefert
Im Geekbench AI 1.7.0 erreicht der QN10 mit der NPU 91.477 Punkte in INT8, bester Wert im Vergleichsfeld. In FP32 sind es 2.017 Punkte. Der Unterschied zwischen den beiden Zahlen erklärt die Produktwerbung und ihre Grenze.
Gemessen mit Procyon GenAI über denselben ONNX-Pfad: 35,7 Token/s mit Phi, 25,2 Token/s mit Llama 3 in 8 Milliarden, Anlaufzeit unter 0,6 Sekunden, die CPU dabei im Leerlauf. Das ist ein gutes Ergebnis für eine NPU. Es gilt aber für Modelle, die in die Werkzeuge von Qualcomm hineinkonvertiert sind, mit rund zehn Milliarden Parametern als praktischer Obergrenze und 4.096 Token Kontext in den ausgelieferten Genie-Builds.
Für den Alltag mit offenen Gewichten gilt der Satz des Testers:
LM Studio und Ollama unterstützen auf Snapdragon X(2) Elite aktuell weder die NPU noch die GPU. Wer über diese Plattformen LLMs wie Qwen3.5 14B lokal nutzen will, sei es direkt oder indirekt über KI-Agenten wie Open Claw oder Hermes Agent, kann sie nur über die CPU ausführen.
Der Stromverbrauch, nüchtern gerechnet
Ohne Last nehmen wir 5 W an der Steckdose, der Lüfter steht, 28 dB(A) – das ist ein guter Wert. Unter Last messen wir 95 W an der Steckdose als Spitze, danach pendelt sich die Maschine bei bis zu 80 W ein, 38 dB(A). Auf einer Stromrechnung von 21 ct/kWh und 8.760 Betriebsstunden ergibt das zwei verschiedene Maschinen.
Der Strompreis ist also kein Kaufgrund und kein Gegenargument. Er ändert nur die Richtung des Arguments: Effizienz in Ruhe, nicht bei Arbeit.
Ein zweiter Punkt gehört auf ein Firmennetz daneben. Der Betreiber von OpenClaw hat 2026 eine Ein-Klick-Ausführung von Code über die Gateway-URL hinter sich (CVE-2026-25253, CVSS 8.8). Dazu kam eine Authentifizierungsüberschreitung über vorgetäuschte Loopback-Schritte (CVE-2026-35656). Auf der Skill-Plattform ClawHub wurden 335 eingeschleuste Programme gefunden. Wer einen Agenten dauerhaft laufen lässt, braucht dafür einen Käfig: eigenes VLAN mit Default-Deny, Gateway nur auf Loopback, eigenes Konto ohne Verwaltungsrechte, API-Schlüssel mit Ausgabenlimit, wöchentliches Update inklusive Auditlauf. Diese Liste steht in Agenten-Landschaft 2026 ausführlicher.
Windows on Arm aus Betreibersicht
| Prüfpunkt | Stand September 2026 |
|---|---|
| Kernelnahe Treiber | Nicht emulierbar, ein x64-Installer liefert keinen Arm64-Treiber. VPN-Client, Virenscanner und Scanner-Treiber vorher prüfen, Nachschlagewerk unter worksonwoa.com |
| Windows-Version | 26H1 mit Build 28000, ausschliesslich für Neugeräte. 24H2 und 25H2 werden nie auf 26H1 gehoben, und 26H1 nimmt Berichten zufolge kein 26H2. Ein Gerät davon ist ein eigener Ring im Update-Katalog |
| Credential Guard | An die Edition gebunden: Enterprise oder Education, auf Pro nicht verfügbar. Das Datenblatt listet Pro |
| TPM und BitLocker | Pluton ist auf Qualcomm-Silicon ab 2026 nicht mehr die TPM, die TPM-Funktion liefert die Firmware-TPM des Chipherstellers. Hardwarebeschleunigte BitLocker-Verschlüsselung ist für Intel angekündigt, für Qualcomm ohne Termin |
| Snapdragon Guardian | Abo-Dienst mit eigenem MQTT-Kanal in eine Qualcomm-Wolke, ohne genannten MDM-Partner. Für Ethernet widersprechen sich die Hersteller: Qualcomm nennt physisches Ethernet als nicht unterstützt, ASUS bewirbt die Wiederherstellung über 2,5-GbE-LAN |
| Firmware | Aktualisierung ausschliesslich über Windows Update, der Downloadbereich des Modells enthält keine Werkzeuge |
Bei NIS2- und ISO-Nachweisen wäre die Formulierung „Pluton-attestierte Verschlüsselung" falsch. Protector und Attestungskette gehören zu einer Firmware-TPM.
Linux: auf diesem Board kein Weg
Der Prozessor selbst ist angekommen: 18 Oryon-2-Kerne im Kernel seit Version 7.1, Grafik für Adreno Gen 8 in Mesa 26.0, die zugehörige GPU-Firmware seit Februar 2026 in linux-firmware. Enablement läuft bei diesen Plattformen aber über Device Trees je Board, und für den QN10 existiert keiner. Die Zeichenkette „X2-90" kommt in Kernel, Mesa und linux-firmware nicht vor, upstream ist nur Adreno X2-85 bekannt. Im Kernel-Zweig von Qualcomm ist kein QN10-Bord geführt, und es gibt keinen einzigen Bericht über ein gestartetes Linux auf diesem Gerät.
Zwei Details verschärfen das. Die NPU bringt unter Linux nichts: Der FastRPC-Treiber hängt im ersten Aufruf, dokumentiert in Issue 377 von qualcomm/fastrpc, und zwar auch mit Qualcomms eigener GenieX-Paketierung. Und TUXEDO Computers hat sein Snapdragon-Laptop nach achtzehn Monaten aus dem Programm genommen. Die Begründungen lauten Akkulaufzeit, fehlende BIOS-Aktualisierungen unter Linux, fehlende Lüftersteuerung, keine absehbare Virtualisierung mit KVM und keine hohen USB4-Datenraten. Für einen Proxmox-Knoten zählen davon vier: BIOS-Pflege, Lüftersteuerung, KVM und USB4-Datenraten. Wir hatten dazu eine Rechnung für On-Premise gegen Cloud mit ähnlicher Argumentation.
Preis und die Alternative
Die in den Vereinigten Staaten für 1.349 Dollar angebotene Variante mit 16 GB ist hierzulande nicht angekündigt, es bleibt also bei der 2.136-Euro-Klasse. ComputerBase nennt im Schlussabschnitt den Intel NUC 16 Pro aus demselben Haus das rundere Paket und rät mit Blick auf NVIDIAs RTX Spark, der im Oktober kommt, zum Abwarten.
Standpunkt
- Als Arbeits- oder Kiosk-PC: ein gutes Gerät. 5 W ohne Lüftergeräusch, vier Bildschirme, native Arm-Leistung an der Klassenspitze. Für 2.136 Euro mit 2 Jahren Garantie ist der NUC 16 Pro mit 3 Jahren Garantie und ohne Treiberlotterie aber die bessere Beschaffung.
- Als Host für Sprachmodelle und Agenten: nein. Die NPU bleibt für offene Gewichte unerreichbar, die CPU läuft dabei mit 80 bis 95 W, und 32 GB sind das Ende der Fahnenstange.
- Als Proxmox-Knoten oder verteilte Edge-Box: nein. Kein Bootmedium für dieses Board, Firmware nur über Windows Update, kein dokumentierter Wiederherstellungspfad ausserhalb des Betriebssystems.
- Wer leise lokale Inferenz unter Linux sucht: ein x86-Mini mit 32 bis 64 GB, funktionierendem Power-Management, KVM und LVFS. Wer ab 30 Milliarden Parametern oder mehreren Agenten parallel arbeitet, kommt an 128 GB nicht vorbei, siehe Mac Studio, Strix Halo oder DGX Spark.
Die Reihenfolge unserer Beschaffung ändert sich durch dieses Gerät nicht. Was sich ändert, ist die Erkenntnis, dass „80 TOPS" und „Agenten-PC" zwei Aussagen sind, die nichts miteinander zu tun haben, solange die Werkzeugkette fehlt.
Weiterführend
- vLLM im Eigenbetrieb: Inferenz mit Durchsatz
- llama.cpp und GGUF: Formate und ihre Grenzen
- NIS2 im Selbstbetrieb: was zu dokumentieren ist
- Warum Grafikkarten beim Inferenz-Tempo die DRAM-Bandbreite limitiert
Weiterführende Quellen
- ASUS Ascent QN10, Produktseite und Technische Daten
- ComputerBase: ASUS Ascent QN10 im Test, 18-Kern-CPU
- StorageReview: ASUS Ascent QN10 Review
- Qualcomm: Snapdragon Guardian Übersicht der API-Dokumentation
- Microsoft Learn: Pluton als TPM, Stand 16. September 2026
- Microsoft Learn: Credential Guard, Voraussetzungen und Editionen
- Ars Technica: Windows 11 26H1 als eigene Version für neue Arm-PCs
- Phoronix: Mesa 26.0 mit Adreno Gen 8
- Phoronix: TUXEDO gibt das Snapdragon-X-Elite-Laptop auf
- GitHub qualcomm/fastrpc, Issue 377: NPU-Bringing unter Linux
- NVD: CVE-2026-25253
- Bild-CDN der ASUS-Produktseite, Aufnahme Vorderseite
- Bild-CDN der ASUS-Produktseite, Aufnahme Rückseite
- Bild-CDN der ASUS-Produktseite, Aufnahme Unterseite
- Simple Icons, Markenzeichen asus.svg und qualcomm.svg
- Geizhals: Preisvergleich ASUS Ascent QN10
- E-Control: Strompreis je kWh im ersten Quartal 2026
Alle Preise inklusive Umsatzsteuer, erhoben am 21. September 2026 bei österreichischen Händlern. Messwerte stammen aus den beiden verlinkten Tests, eigene Berechnungen sind als solche gekennzeichnet.
Kann der ASUS Ascent QN10 große Sprachmodelle lokal ausführen?+
Begrenzt. 32 GB LPDDR5X sind verlötet und nicht erweiterbar, dazu ist der Speicherbus 128 Bit breit. Dichte Modelle bis rund 14 Milliarden Parameter laufen brauchbar, 30-Milliarden-MoE-Modelle sind die letzte sinnvolle Option, 70 Milliarden sind unmöglich. Beim Erzeugen von Text begrenzt die Speicherbandbreite von rechnerisch rund 136 GB/s den Durchsatz, nicht die Rechenleistung.
Nutzt Ollama auf dem QN10 die NPU?+
Nein. Ollama und LM Studio erreichen auf Snapdragon X2 Elite weder die NPU noch die GPU und laufen vollständig auf der CPU. Die NPU ist nur über den ONNX-Pfad mit Qualcomms QNN-Werkzeugkette erreichbar, mit einerNutzbargrenze von rund zehn Milliarden Parametern und 4.096 Token Kontext in den ausgelieferten Genie-Builds.
Läuft auf dem ASUS Ascent QN10 Linux?+
Nach aktuellem Stand nein. ASUS verweist auf Qualcomm mit dem Hinweis, es gebe keine Pläne für Linux-Unterstützung auf Snapdragon X2 Elite. Der Prozessor selbst ist im Kernel angekommen, für das konkrete Board des QN10 existiert aber kein Device Tree, und die Bezeichnung Adreno X2-90 kommt in Kernel, Mesa und linux-firmware nirgends vor.
Was kostet der ASUS Ascent QN10 in Österreich?+
Das einzige in Europa gelistete Modell mit 32 GB und 512 GB steht bei 2.136 Euro inklusive 20 Prozent Umsatzsteuer, gelistet als nicht vorrätig. Die in den Vereinigten Staaten für 1.349 Dollar angebotene 16-GB-Variante ist für den mitteleuropäischen Handel nicht angekündigt.
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