Linux-Kernel: Warum die Assisted-by-Kennzeichnung für KI-Code wieder fallen soll
Im Linux-Kernel soll die Pflicht entfallen, KI-Unterstützung in der Commit-Nachricht zu vermerken. Die Regel mit dem Tag Assisted-by gilt seit Januar 2026, laut The Register kam der erste Vorschlag schon im Juli 2025. Jetzt hat der Maintainers Summit mehrheitlich beschlossen, sie wieder zu streichen. linuxnews.de berichtet von "einer deutlichen, wenn auch nicht einstimmigen Mehrheit", The Register spricht von einem Konsens, den Tag zu deprecaten.
Was geändert werden soll
Sasha Levin, Kernel-Entwickler und Nvidia-Ingenieur, hat am 9. Oktober einen Patch eingereicht. Er nimmt die Vorgaben zum Tag aus der Kernel-Dokumentation und entfernt die entsprechende Prüfung in checkpatch.pl. Am 13. Oktober folgte eine überarbeitete Fassung mit Begründung. In keinem der beiden Berichte ist von einem Merge die Rede, es bleibt bei einem Vorschlag.
Die Zahlen
Von 18.533 regulären Commits in Linux 7.3 bis einschließlich rc7 trägt etwa jeder zehnte den Assisted-by-Tag. linuxnews.de schreibt dazu, der tatsächliche Einsatz von KI-Werkzeugen sei weit größer. Das ist eine Einschätzung des Autors ohne eigene Zahl. Sie passt aber zu einem der Argumente für die Abschaffung: Eine Regel, die nur ein Teil der Beteiligten befolgt, liefert keine belastbare Statistik.
Wer was sagt
Jeff Layton von Red Hat nennt laut The Register drei Gründe für die Abschaffung: Nicht alle halten sich an die Regel, der Tag wirke wie kostenlose Werbung für proprietäre LLM-Anbieter, und es sei unklar, wozu die Information überhaupt erhoben werde. Greg Kroah-Hartman hatte im Juli noch für den Tag argumentiert und trägt die Abschaffung jetzt mit. The Register zitiert ihn mit dem Satz "LLMs are good enough now" von einem Open Source Summit in Südkorea im August.
Linus Torvalds lehnt Erklärungen zur Werkzeugnutzung ab. Regeln der Art "benutze KI nicht für X" nenne er dumm, schreibt The Register, und er erwarte, dass Beitragende ihren Code verstehen. Das habe, so wird er zitiert, "very little to do with what tools they use". Er verglich das Verbot von Werkzeugen mit einer Regel gegen Compiler. linuxnews.de gibt denselben Standpunkt so wieder: Entscheidend sei, dass Entwickler verstehen, was sie zum Kernel beitragen.
Widerspruch kommt von Laurent Pinchart (Ideas on Board). Er sei nicht glücklich damit, den Tag zu entfernen, ohne einen anderen Mechanismus für verpflichtende Offenlegung einzuführen. Regeln setzten Erwartungen, und dass sie sich nicht durchsetzen ließen, sei kein Grund, sie zu streichen; wer täusche, werde ohnehin zurückgewiesen. Diese Position erwähnt linuxnews.de nicht, sie steht nur bei The Register.
Was bleibt
Auch ohne Tag bleibt die Verantwortung bei den Einreichenden. Das Developer Certificate of Origin und das Signed-off-by gelten unabhängig davon, wie der Code entstand. Transparenz über KI-Einsatz bleibt laut linuxnews.de erwünscht, zum Beispiel im Begleittext zum Patch. Als offene Sorgen nennt The Register unentdeckte Fehler, Verantwortlichkeit und Coding-Agenten, die urheberrechtlich geschützten Code reproduzieren. Außerdem schreibt der Artikel, Claude füge Herkunftsvermerke standardmäßig hinzu, Codex nicht.
Folgen für eigene Kernel-Builds
Wer Kernel selbst baut oder Patches fremder Quellen einspielt, konnte sich bisher nur begrenzt auf den Tag verlassen: Ein Zehntel der Commits war markiert, der Rest unbekannt. Fällt die Pflicht, ändert sich daran praktisch wenig. Wer Herkunft nachweisen muss, etwa für Lieferketten- oder Lizenzprüfungen, kommt über Signed-off-by, die Patch-Historie und die eigene Review nicht herum. Als Rückschluss auf "KI-frei" taugt das Fehlen des Tags weder heute noch künftig.
Offen ist, ob der Patch in dieser Form eingepflegt wird oder ob Pincharts Einwand zu einem Ersatzmechanismus führt.
Weiterführende Quellen
- Linux-Kernel: Kennzeichnungspflicht für KI-generierten Code soll entfallen (linuxnews.de, 15.10.2026): Patch, Zahlen aus 7.3-rc7, Maintainers Summit
- The Register, 14.10.2026: Positionen von Layton, Kroah-Hartman, Pinchart und Torvalds
- Simple Icons, linux.svg: Logo (CC0)
Was ist der Assisted-by-Tag?+
Ein Trailer in der Commit-Nachricht, mit dem Entwickler angeben, dass sie bei einem Patch ein KI-Werkzeug (LLM) benutzt haben. Laut The Register steht die Regel seit Januar 2026 in der Kernel-Dokumentation, der erste Vorschlag stammt von Juli 2025. Zuletzt genügte dafür laut linuxnews.de die Angabe Assisted-by: LLM.
Ist die Pflicht schon abgeschafft?+
Nein, soweit die Quellen es sagen. Sasha Levin hat am 9. Oktober einen Patch eingereicht, der die Vorgaben aus der Dokumentation und die checkpatch.pl-Prüfung entfernt; eine überarbeitete Fassung folgte am 13. Oktober. Dass sie eingepflegt wurde, berichten weder linuxnews.de noch The Register.
Gilt für KI-erzeugten Code dann gar keine Regel mehr?+
Doch. Die Verantwortung bleibt über Signed-off-by und das Developer Certificate of Origin bei den Einreichenden, unabhängig vom Werkzeug. Transparenz über KI-Einsatz bleibt laut linuxnews.de erwünscht, kann aber zum Beispiel im Begleittext des Patches stehen.
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