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Security2026-10-16· Von Franz Senn

Ivanti Connect Secure: drei Lücken ergeben root auf einem gepatchten VPN-Gerät

Am 13. Oktober 2026 hat Ivanti Updates für Connect Secure veröffentlicht, die CISA hat die Schwachstelle CVE-2026-104935 am selben Tag in ihren Katalog der ausgenutzten Lücken aufgenommen, und Volexity hat beschrieben, wie Angreifer drei Schwachstellen verketteten. Das Gerät, an dem Volexity die Kette fand, war nach eigener Angabe voll gepatcht, mit der damals aktuellen Version 22.8R2.4. Dieser Beitrag beruht allein auf den Quellen unten. Eine eigene Messung haben wir dazu nicht gemacht.

Ivanti-Logo
Ivanti Connect Secure ist ein VPN-Gateway, das von außen erreichbar sein muss. (Quelle: Wikimedia Commons, Datei Ivanti Logo RGB red.svg, Lizenz CC BY-SA 4.0, Urheber siehe Dateiseite)

Die Kette in drei Gliedern

Volexity ordnet die Aktivität der Gruppe UTA0576 zu. Die erste Spur datiert vom 3. Oktober 2026, die Untersuchung begann am 5. Oktober. Die Kette besteht aus drei Gliedern.

Das erste ist eine Authentifizierungsumgehung in welcome.cgi, einem öffentlichen Anmeldeskript. Eine Anfrage kann im Header X-DSCGI-PATH eine geschützte CGI-Datei benennen. Die URL wird auf Zugriff geprüft, über das Ziel der Anfrage entscheidet aber der Header.

Das zweite Glied schreibt eine Datei und führt sie aus. In wu.cgi landet ein hochgeladenes Archiv auf der Platte, bevor geprüft wird, ob es ein ZIP ist. Der Angreifer startet es in dem kurzen Zeitfenster vor dem Löschen, eine Race Condition. Beide Glieder laufen unter CVE-2026-104935.

Das dritte Glied macht aus Codeausführung root. Der Broker dsinvoked vertraut Konfigurationsdaten aus DSCache. Der Angreifer verändert libdsplibs.so im Speicher, sodass eine Wartungsaufgabe mit Root-Rechten einen Perl-Interpreter startet. Für dieses Glied nennt Volexity keine CVE, und Ivanti arbeitet nach Angabe von Volexity und Rapid7 noch an einem Fix, erwartet in den kommenden Wochen.

Von der Anmeldeseite zu rootwelcome.cgiHeader X-DSCGI-PATH bestimmtdas Ziel, CVE-2026-104935wu.cgiDatei wird vor derZIP-Prüfung geschrieben,CVE-2026-104935Befehle im Speicherkeine Datei, die derIntegrity Checker siehtdsinvoked und DSCachevertraute Konfiguration,noch ohne FixrootPerl-Interpreter für eineWartungsaufgabe
Fünf Schritte nach der Beschreibung von Volexity. Die ersten beiden Schritte sind seit dem 13. Oktober 2026 behoben, der vierte nach den Quellen noch nicht. (Quelle: Volexity, 13.10.2026)

Betroffene Versionen und Fixes

Die Tabelle gibt wieder, was Rapid7 aus Ivantis Advisory übernimmt. CISA nennt dieselben Obergrenzen der betroffenen Versionen.

Betroffen bis einschließlichBehoben in
25.1.1.125.1.1.2
25.1.2.225.1.3.0 und 25.1.3.1
22.8R2.422.8R2.5

Die Zweige 22.7.x und älter sind laut Hersteller nicht betroffen. Rapid7 gibt die Bewertung mit CVSS 8.6 an. Nach Ivanti steckt ein Teil des Fixes schon im Juli-Release 25.1.3.0, die Ausnutzung begann, während Ivanti den Fix in die anderen Zweige übertrug. Die Version 22.8 endet nach CISA am 31. Januar 2027.

Zeitachse der Kette in Tagen ab 3. Oktober 2026Erste Spur (3.10.)0Untersuchung beginnt (5.10.)2Fix, KEV, Bericht (13.10.)10Frist für US-Bundesbehörden (16.10.)13014
Daten aus dem Volexity-Bericht und der CISA-Meldung. Die Zahl ist die Differenz in Tagen zum 3. Oktober 2026. Rapid7 und Help Net Security nennen für den Beginn teils den 1. Oktober. (Quelle: Volexity und CISA, 13.10.2026)

Woran man eine Übernahme erkennt

Der Integrity Checker von Ivanti hat die Aktivität nicht gefunden, weil die Befehle im Speicher laufen. CISA rät bei Verdacht zu Netzwerk- und Speicherforensik. Volexity nennt diese Spuren, die sich in Protokollen und auf dem Gerät suchen lassen:

  • Viele Anfragen an /dana-na/auth/url_default/welcome.cgi, bei denen X-DSCGI-PATH auf wu.cgi oder eine Datei unter /home/runtime/tmp/ zeigt, oder bei denen URL und Header-Pfad nicht zusammenpassen.
  • Dateien in /tmp/, darunter ml.py, rq5.py, mk.py, rr.py, pu.txt, sp_out.txt und spray_hits.json.
  • Ein Prozess dsstatmond, ein umbenanntes tcpdump aus dem versteckten Verzeichnis /data/.icscap/.
  • Lücken oder Eingriffe in /home/runtime/dlogs/debuglog und /var/log/audit/audit.log.

Volexity bewertet die Gruppe mit geringer Sicherheit als finanziell motiviert und mit mittlerer Sicherheit als Nutzerin von Sprachmodellen für Exploit-Entwicklung und Nacharbeit. Das ist eine Einschätzung des Berichts, keine Feststellung.

Was Betreiber jetzt tun

  1. Version prüfen und auf eine Fix-Version aktualisieren, außerhalb des normalen Patchzyklus.
  2. Auf die Spuren oben prüfen, auch nach dem Update, denn der Fix räumt ein bereits übernommenes Gerät nicht auf.
  3. Bei Verdacht nach der Anweisung der CISA vorgehen: Konfiguration sichern, das Gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen und neu aufsetzen oder virtuelle Instanzen neu bauen, Konfiguration zurückspielen, alle Kennwörter ändern, gespeicherte Zertifikate neu ausstellen und API-Schlüssel sowie Zugangsdaten zum Lizenzserver erneuern.
  4. Den Zugriff auf die Verwaltungs- und Anmeldeoberfläche so weit einschränken, wie der Betrieb es erlaubt, bis auch das dritte Glied behoben ist.
  5. Wer noch 22.8 betreibt, plant die Migration, denn der Zweig endet am 31. Januar 2027.

Was Foren dazu sagen

Wir haben auf Hacker News gesucht. Dort steht eine Einreichung des Volexity-Berichts mit 2 Punkten und ohne Kommentar (Beitrag). Eine fachliche Diskussion gibt es dort nicht, und für die Aussagen oben sind die Hersteller- und Forscherquellen maßgeblich.

So haben wir geprüft

Wir haben am 16. Oktober 2026 den Volexity-Bericht, die CISA-Meldung, den Rapid7-Beitrag und die Meldung von Help Net Security gelesen und gegeneinander abgeglichen. Abweichungen: Den Beginn der Aktivität gibt Help Net Security mit dem 1. Oktober an und Rapid7 mit „Anfang Oktober", Volexity nennt den 3. Oktober, und wir folgen Volexity. Ivantis eigenes Advisory haben wir nicht gelesen, die Versionstabelle stammt aus Rapid7 und der CISA-Meldung.

Weiterführende Quellen

Primärquellen

Unabhängige Berichte

Community

Fragen?
Reicht das Update auf die Fix-Version?+

Für die ersten beiden Glieder der Kette ja, sie laufen unter CVE-2026-104935 und sind mit 25.1.1.2, 25.1.3.0 oder 25.1.3.1 beziehungsweise 22.8R2.5 behoben. Das dritte Glied, die Rechteausweitung zu root, hatte bis zur Meldung keinen Fix. Ein gepatchtes Gerät, das schon vorher angegriffen wurde, bleibt außerdem kompromittiert, bis es zurückgesetzt ist.

Woran erkenne ich eine Übernahme?+

Der Integrity Checker von Ivanti hat die Aktivität nicht erkannt, weil die Befehle im Speicher laufen. Volexity nennt Spuren: viele Anfragen an welcome.cgi mit einem Header X-DSCGI-PATH, der nicht zur URL passt, Dateien wie ml.py und rq5.py in /tmp, einen Prozess dsstatmond und Lücken in den Protokollen. Gesichert hilft nur Netzwerk- und Speicherforensik.

Welche Versionen sind betroffen?+

Nach Ivantis Advisory, wie Rapid7 es wiedergibt: 25.1.1.1 und älter, 25.1.2.2 und älter sowie 22.8R2.4 und älter. Die Zweige 22.7.x und älter sind laut Hersteller nicht betroffen. Die Version 22.8 endet am 31. Januar 2027.