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KI & Entwicklung
KI im Betrieb2026-11-02· Von Franz Senn

Elephant-Goldfish Model: Reviewer ohne Gedächtnis prüfen KI-Entwürfe

Das Elephant-Goldfish Model, kurz EGM, wird in sozialen Netzen geteilt, in einer Kurzfassung, wie sie auch uns vorlag: kein Code, bevor der Plan standhält, keine KI bewertet ihre eigene Arbeit, kein Kontextverlust mitten im Feature. Wir haben das Repository google/elephant-goldfish-model gelesen und die Reviewer-Prompts, den Ablauf und die FAQ gegen diese Kurzfassung gehalten. Einige Details der Kurzfassung weichen vom Repository ab.

Das Elephant-Goldfish Model (EGM) ist ein Open-Source-Plugin für Coding-Agenten unter Apache-2.0. Ein Hauptagent mit vollem Projektkontext, der Elephant, entwirft die Spezifikation. Frische Subagenten ohne Gesprächsverlauf, die Goldfish, prüfen sie in fünf Stufen, bevor Code entsteht. Die Entscheidung über die Architektur trifft der Mensch.

Zwei Rollen, eine Regel

Der Elephant ist die laufende Sitzung mit dem gesamten Projektkontext. Sie interviewt, schlägt Optionen vor und schreibt das Entwurfsdokument. Die Goldfish sind frische Subagenten. Sie lesen das Dokument, die darin genannten Dateien und optional eine Leseliste, durchsuchen den Code bei Bedarf selbst und bekommen keinen Gesprächsverlauf. Ihre Prompts legen fest, dass sie ausschließlich lesen: kein Schreiben, kein Kompilieren, kein Reparieren.

Die Begründung steht im Review-Design des Repos: Wenn dasselbe Kontextfenster Plan und Prüfung liefert, hält das Modell Dinge für selbstverständlich, die nur in seinem Gedächtnis stehen. Außerdem bleiben falsche API-Annahmen aus der Diskussion ungeprüft, und Pläne ohne Dateipfade und Teststrategie werden durchgewunken. Dieselbe Überlegung steht in unserem eigenen Standard, dazu unten mehr. Wie ein Coding-Agent vom Auftrag bis zum Test arbeitet, beschreibt unser Beitrag Agentic Coding.

Die Skills

  • egm-brainstorm testet eine Idee und schreibt einen Konzeptentwurf (concepts_brief.md).
  • egm-draft macht daraus design_draft.md und fragt nach jedem Abschnitt nach.
  • egm-review prüft das Dokument mit frischen Agenten.
  • egm-resolve arbeitet die Befunde ab.
  • egm-bootstrap und egm-drift-report dokumentieren Bestandscode und vergleichen Dokumente mit dem aktuellen Quelltext.

Was egm-review wirklich tut

Die Kurzfassung, die uns vorlag, kennt einen Goldfish, der das Design erklärt, mehrere feindliche Reviewer und einen letzten, der über Go oder No-Go entscheidet. Im Review-Design sind es fünf Stufen mit sieben Personas:

EGM-Review: fünf StufenZoom OutProblem, YAGNIComprehensionnaiver LeserCriticAusfälle, GrenzenZoom Out 2Überbau streichenReadinessDateien, Signaturen
Nach den Stufen 3 und 5 kann egm-resolve die Befunde abarbeiten, je nach Checkpoint. Am Ende steht das Review durch Menschen. (Quelle: google/elephant-goldfish-model, docs/designs/review.md)
  1. Zoom Out (Skeptical Architect): Stimmt die Problemstellung? Gibt es Spekulatives, das gestrichen gehört? Gibt es im Code schon etwas, das man wiederverwenden kann?
  2. Comprehension (Naive Reader): Der Reviewer fasst mit eigenen Worten zusammen, was das Dokument vorschlägt. Kann er einen Abschnitt nicht zusammenfassen, ist das ein Blocker. Eine Liste unerklärter Begriffe findet laut Prompt nicht die Dokumente, deren Begriffe alle definiert sind, deren Teile aber nicht zusammenpassen. Das ist die „Design zurückerklären“-Stufe der Kurzfassung.
  3. Critic: Der Design Critic sucht Einzelausfallpunkte, Skalierungsgrenzen und Fehlerfälle. Structural prüft den Aufbau des Dokuments, Style Ton und Wortwahl.
  4. Zoom Out, zweiter Durchgang: Er markiert zum Streichen, was die Stufen 2 und 3 an defensivem Überbau hinzugefügt haben.
  5. Implementation Readiness: Ein Tech-Lead-Reviewer prüft, ob er sofort programmieren könnte, ein Codebase-Auditor gleicht Pfade, Klassen und Funktionssignaturen mit dem echten Quelltext ab, damit keine erfundenen APIs im Plan stehen. Style liest wieder mit.
StufePersonaPrüft
1Zoom OutProblemstellung, Spekulatives, Wiederverwendung
2ComprehensionZusammenfassung mit eigenen Worten, Verständnislücken
3Design Critic, Structural, StyleAusfälle und Grenzen, Aufbau, Ton
4Zoom OutÜberbau aus Stufe 2 und 3
5Implementation Readiness, Codebase Details, StyleUmsetzbarkeit, Pfade und Signaturen gegen den Quelltext

Stand 2. November 2026, aus der Quelle übernommen und von uns ungeprüft. Quelle: review.md und die Persona-Dateien im Ordner agents/ des Repositories.

Eine einzelne Go-No-Go-Instanz gibt es nicht. Der Abschluss ist „bereit für das Review durch Menschen“.

Wie die Befunde abgearbeitet werden

egm-resolve sortiert jeden Befund in vier Klassen: PROPOSE FIX, CONTEST, ESCALATE und DECLINE für Nitpicks. Widersprechen darf der Elephant nur mit Belegen, die der Reviewer selbst lesen konnte. Verständnislücken lassen sich nicht anfechten, und Schweregrade ändern sich nicht ohne einen begründeten Widerspruch. Die Schleife endet nach zwei aufeinanderfolgenden sauberen Runden ohne offene Blocker oder Major-Befunde, oder wenn der Entwickler sie abbricht. Nach fünf Runden fragt sie ihn, ob er akzeptiert, weitermacht oder zurück an den Entwurf geht. Sie fragt auch, wenn ein neuer Befund nur durch das Zurücknehmen einer früheren Korrektur lösbar wäre. In der Skill-Definition von egm-review kommt eine Obergrenze von einer erneuten Prüfung je Stufe dazu. Das Kriterium ist also eine Zahl sauberer Runden und nicht „null Befunde“.

Grenzen, die das Projekt selbst nennt

  • Ohne Subagenten kein Review: Kann die Sitzung keine frischen Subagenten starten, bricht EGM ab: Ein Review im selben Kontext sei kein Goldfish-Review.
  • Kein offizielles Google-Produkt, so steht es ausdrücklich in der README. Dort steht auch, tausende Google-Ingenieure setzten EGM ein. Belegen können wir das nicht, es ist eine Aussage des Projekts über sich selbst.
  • Kein Beleg für Zeitersparnis: Laut FAQ hängt es von der Aufgabe ab, und das Durchlaufen des Ablaufs allein zeige keine Produktivitätssteigerung. Wer es einsetzt, soll Gesamtzeit, brauchbare Befunde und Nacharbeit an eigenen Aufgaben vergleichen. Dasselbe FAQ warnt, zu viel Dokumentation könne selbst zum Engpass im Review werden.
  • Für kleine Fehlerkorrekturen ungeeignet: Hier rät die README zum normalen Arbeitsablauf.
  • Datenfluss: Das Plugin betreibt keinen Dienst und keine Telemetrie. Alle Dateien und Prompts verarbeitet das Host-Konto, also Claude Code, Codex oder Antigravity mit dem jeweiligen Modellanbieter. egm-bootstrap kann lokale Befehle und einen Formatierer des Projekts starten, und der darf laut Datenschutzhinweis eine Paketquelle oder einen anderen Dienst ansprechen. Bei unseren Regeln heißt das: Entwürfe zu WinLine, Banking oder Logistikdaten laufen nur über lokale Modellrouten. Wie wir lokale Modelle für Firmendaten bereitstellen, beschreibt die Leistung Corporate LLM.

Installation

So geht es für Claude Code:

claude plugin marketplace add google/elephant-goldfish-model
claude plugin install egm@egm

Danach startet man eine neue Sitzung. Die Skills tragen das Präfix /egm:. Für Codex und die Antigravity-CLI gibt es eigene Befehle in der README. Das Repository wurde laut GitHub am 13. September 2026 angelegt und hat zum Zeitpunkt dieses Beitrags rund 10.200 Sterne.

Was wir daraus übernommen haben

Wir haben EGM geprüft, aber nicht installiert. Übernommen haben wir zwei Regeln in unseren Arbeitsstandard, am 29. Oktober 2026:

  • Eine Gegenprüfung von Plan, Code oder eigenem Ergebnis läuft immer in einem Subagenten mit leerem Kontext, nicht im Thread des Autors. Der Prüfer bekommt das Artefakt und die Aufgabe, ohne unsere Begründung und ohne unsere Schlussfolgerung.
  • Eine Prüfschleife endet bei Konvergenz, wenn eine neue Runde nichts Neues bringt, und nicht erst bei null Befunden.

Dafür haben wir einen schreibgeschützten Reviewer-Agenten angelegt, der nur Lesen, Suchen und Dateilisten kann. Messwerte zum Nutzen haben wir noch keine.

Wer EGM ausprobiert, wählt eine Aufgabe mit echter Designentscheidung, lässt EGM einmal durchlaufen und zählt hinterher, welche Befunde den Entwurf geändert haben. Wenn das Dokument nach der ersten Runde unverändert bleibt, ist der Aufwand für diese Aufgabe nicht gerechtfertigt. Ein verwandter Ansatz mit leerem Chatverlauf in parallelen Zweigen steht in unserem Beitrag zu Fork-and-Flush. Weitere Beiträge zu Agenten und Automatisierung im Betrieb sammelt das Thema KI im Betrieb.

Weiterführende Quellen

Fragen?
Was ist das Elephant-Goldfish Model?+

Ein Open-Source-Plugin (Apache-2.0) aus der GitHub-Organisation von Google für Coding-Agenten, laut README kein offiziell unterstütztes Google-Produkt. Der Elephant ist der Hauptagent mit Projektkontext, der die Spezifikation entwirft. Die Goldfish sind Subagenten ohne das Gespräch davor. Sie lesen das Dokument und die Quelldateien, auf die es verweist. Der Mensch entscheidet über die Architektur und gibt die Spezifikation frei, bevor Code entsteht.

Wie installiere ich EGM für Claude Code?+

Mit zwei Befehlen: `claude plugin marketplace add google/elephant-goldfish-model` und `claude plugin install egm@egm`. Danach eine neue Sitzung starten. Die Skills heißen dann zum Beispiel `/egm:egm-brainstorm`.

Lohnt sich EGM für kleine Änderungen?+

Eher nicht. Die README empfiehlt für einen kleinen, klaren Bugfix den normalen Arbeitsablauf. Laut FAQ des Projekts belegt das Durchlaufen des Ablaufs allein keine Produktivitätssteigerung. Bei unsicheren oder folgenreichen Änderungen kann es Nacharbeit senken.