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KI & Entwicklung
KI & Entwicklung2026-10-07· Von Franz Senn

Claude Haiku 5.5: 0,10 Dollar pro Million Token, aber hoher Token-Verbrauch

Anthropic hat am 7. Oktober 2026 Claude Haiku 5.5 vorgestellt und nennt es das günstigste, schnellste und leistungsfähigste kleine Modell, das es bisher veröffentlicht hat. Gedacht ist es für Zusammenfassungen, Datenbankabfragen, Klassifikation, Live-Kundensupport und als Subagent neben größeren Modellen. Im Durchschnitt soll es rund 75 Prozent weniger kosten als Haiku 4.5. Die Benchmarks in der Ankündigung sind Herstellerangaben. Ein unabhängiger Wert kam einen Tag später.

Markenzeichen von Anthropic
Preise und Herstellerbenchmarks aus der Anthropic-Ankündigung vom 7. Oktober 2026, unabhängige Messwerte aus dem Update von The Decoder vom 8. Oktober (Daten von Artificial Analysis). (Quelle: Simple Icons, Datei anthropic.svg (CC0))

Die Preise

Pro Million Token, nach Anthropic:

Haiku 5.5 (bis 100k / über 100k)Haiku 4.5Sonnet 5.5
Eingabe0,10 / 0,50 USD1,00 USD2,00 USD
Ausgabe0,50 / 2,50 USD5,00 USD10,00 USD
Cache lesen0,01 / 0,05 USD0,10 USD0,10 USD
Cache schreiben0,125 / 0,625 USD1,25 USD2,50 USD

Die günstige Stufe gilt für Prompts bis 100.000 Token. Das sind laut Anthropic rund 90 Prozent der Anfragen an das bisherige Haiku. Über dieser Grenze verfünffachen sich die Preise, wie The Decoder festhält. Zugleich halbiert Anthropic die Preise für das Lesen aus dem Cache bei Sonnet 5.5. Das Kontextfenster wächst laut The Decoder von 200.000 auf eine Million Token.

Preis für eine Million Ausgabe-Token (Prompts bis 100k)Haiku 5.50.5 · 0,50 USDHaiku 4.55 · 5,00 USDSonnet 5.510 · 10,00 USD010
Eingabe-Token folgen demselben Muster: 0,10, 1,00 und 2,00 USD. (Quelle: Anthropic, Claude Haiku 5.5, 7. Oktober 2026)

Ein Rechenbeispiel

Eine Klassifikation mit 10 Millionen Anfragen, je 2.000 Eingabe-Token und 100 Ausgabe-Token. Das sind 20 Milliarden Eingabe- und 1 Milliarde Ausgabe-Token. Bei den Listenpreisen ergibt das:

ModellEingabeAusgabeSumme
Haiku 5.52.000 USD500 USD2.500 USD
Haiku 4.520.000 USD5.000 USD25.000 USD
Sonnet 5.540.000 USD10.000 USD50.000 USD

Das ist eigene Arithmetik mit angenommenen Mengen und ohne Cache. Der Tokenizer-Aufschlag ist nicht eingerechnet, Anthropic und The Decoder nennen dafür keine feste Zahl für Haiku. Bei den Opus-Modellen stieg der Verbrauch durch den neuen Tokenizer laut The Decoder um etwa 30 Prozent.

Was Artificial Analysis misst

Am 8. Oktober ordnete Artificial Analysis das Modell ein. Haiku 5.5 erreicht auf der höchsten Effort-Stufe 43 Punkte im Intelligence Index und führt damit die kleinen Modelle knapp an. Sonnet 5.5 liegt laut The Decoder 13 Punkte darüber.

Intelligence Index von Artificial AnalysisHaiku 5.5 (max)43 · höchster EffortGLM-5.3 Flash42Gemini 3.8 Flash41GPT-6 Luna38050
Sonnet 5.5 liegt 13 Punkte über Haiku 5.5. Alle Werte stammen von Artificial Analysis in der Wiedergabe von The Decoder. (Quelle: The Decoder, Update vom 8. Oktober 2026)

Der Preis pro Token sagt wenig, solange der Verbrauch fehlt. In der höchsten Stufe braucht Haiku 5.5 rund 162.000 Ausgabe-Token pro Aufgabe im Index, GPT-6 Luna etwa 50.000. Auf der Stufe „high" erreicht Haiku 5.5 38 Punkte bei rund 55.000 Token, Luna denselben Wert bei 50.000. Der Sprung von „xhigh" auf „max" bringt zwei Punkte bei 1,8-fachem Verbrauch. Kosten pro Aufgabe auf Index-Niveau: 0,21 USD für Haiku 5.5 (max), Luna erreicht einen ähnlichen Wert für etwa ein Drittel.

Dagegen steht die Halluzinationsrate: 40 Prozent bei Haiku 5.5, 77 Prozent bei Luna. Das Faktenwissen ist geringer (36 gegen 44 Prozent im AA-Omniscience-Test).

Für wen sich das rechnet

Der niedrige Listenpreis wirkt am stärksten bei kurzen Massenaufgaben wie Klassifikation, Extraktion und Zusammenfassungen, die Preisdifferenz zu Haiku 4.5 ist dort real. Bei Aufgaben, die den höchsten Effort brauchen, schrumpft der Vorteil, weil der Verbrauch steigt. Das ist unsere Einschätzung. Messwerte für solche Massenaufgaben liegen uns nicht vor, der Index misst anspruchsvollere Arbeit.

Für uns ändert das an der Verteilung wenig. Alles mit WinLine-, Bank- oder Logis-Bezug läuft auf lokalen Modellen und geht an keine gehostete API, auch nach diesem Preisabschlag. Unsere lokale Produktionslane läuft auf vier RTX 5090. Für unkritische Massenarbeit ist die API mit Haiku 5.5 ein neuer Vergleichspunkt, belastbar rechnen lässt sich erst mit Auslastung und Stromkosten der eigenen Karten, und die haben wir hier nicht berechnet. Wer testen will, misst den Token-Verbrauch an den eigenen Aufgaben und rechnet mit diesen Werten statt mit dem Listenpreis.

Weiterführende Quellen

Fragen?
Was kostet Claude Haiku 5.5?+

Laut Anthropic 0,10 USD pro Million Eingabe-Token und 0,50 USD pro Million Ausgabe-Token bei Prompts bis 100.000 Token. Darüber gelten 0,50 und 2,50 USD. Haiku 4.5 kostete 1,00 und 5,00 USD, Sonnet 5.5 kostet 2,00 und 10,00 USD. Anthropic nennt im Schnitt rund 75 Prozent geringere Kosten als bei Haiku 4.5.

Warum ist die tatsächliche Ersparnis kleiner als der Preis?+

Haiku 5.5 nutzt einen aktualisierten Tokenizer, der pro Aufgabe etwas mehr Token verbraucht. Zusätzlich misst Artificial Analysis auf der höchsten Effort-Stufe rund 162.000 Ausgabe-Token pro Aufgabe, GPT-6 Luna kommt mit etwa 50.000 aus. Abgerechnet werden Token, und die Aufgabe braucht davon mehr als beim Wettbewerber.

Wann lohnt sich ein lokales Modell statt der API?+

Immer dann, wenn die Daten das Haus nicht verlassen dürfen. Bei uns gilt: Alles mit WinLine-, Bank- oder Logis-Bezug läuft auf lokalen Modellen. Bei unkritischen Massenaufgaben wie Klassifikation hängt der Vergleich an Auslastung und Betriebskosten der eigenen Hardware, die in diesem Beitrag nicht berechnet sind.