senn-techsenn-tech
KI
KI2026-10-24· Von Franz Senn

Kimi K3.1 Pro: Platz 4 im AA-Index, offene Gewichte angekündigt, bei 2,8 Billionen Parametern

Am 23. Oktober 2026 hat Moonshot AI Kimi K3.1 Pro vorgestellt. Der unabhängige Anbieter Artificial Analysis (AA) setzt es mit 55 Punkten auf Platz 4 seines Intelligence Index. Davor liegen nur Claude Opus 5.5 mit 58 sowie Claude Sonnet 5.5 und Muse Wonder Full mit je 56. Gegenüber dem Vorgänger K3 sind das 11 Punkte mehr. Dazu kommt die Ankündigung, die Gewichte bis zum 4. November zu veröffentlichen. Für alle, die Modelle selbst betreiben, ist deshalb vor allem eine Frage offen: Was braucht man dafür?

Nvidia-Logo
Der Maßstab dieses Beitrags ist unser KI-Server mit vier Nvidia RTX 5090. Die Speichergrößen stehen im Abschnitt zur Rechnung. (Quelle: Simple Icons, Datei nvidia.svg (CC0))

Drei Arten von Angaben bleiben getrennt. Verified heißt: in mindestens zwei unabhängig gelesenen Quellen gefunden oder direkt abgerufen. Vendor-claimed heißt: kommt von Moonshot und ist nicht unabhängig geprüft. Inferred ist eigene Rechnung.

Was gemessen ist: Platz 4 und der Preis

Der Wert 55 und die Platzierung stammen von Artificial Analysis. The Decoder übernimmt sie, es gibt also einen einzigen Messenden. Auch Größe und Preise sind verified: 2,8 Billionen Parameter insgesamt, 104 Milliarden davon aktiv, 1 Million Token Kontext, Text und Bild als Eingabe. Moonshot selbst spricht laut Unite.ai nur von einem Modell der „3T-Klasse"; die 2,8 Billionen stehen auf keiner der gelesenen Moonshot-Seiten.

Artificial Analysis Intelligence Index, Stand 23. Oktober 2026Claude Opus 5.558Claude Sonnet 5.556Muse Wonder Full56Kimi K3.1 Pro55Kimi K344 · 55 minus 11060
Platz 4 für Kimi K3.1 Pro mit 55 Punkten. Der Wert für K3 ergibt sich aus den 11 Punkten Abstand, die Artificial Analysis nennt. (Quelle: Artificial Analysis, Launch-Benchmarks Kimi K3.1 Pro)

Die API kostet 2 US-Dollar je Million Eingabetoken, 10 Dollar je Million Ausgabetoken und 0,20 Dollar für Cache-Treffer. Bei K3 waren es 3, 15 und 0,30 Dollar, der Listenpreis liegt also 33 Prozent niedriger. AA rechnet für eine Aufgabe des Index 1,98 Dollar, bei K3 war es etwa gleich viel. Der Grund: K3.1 Pro erzeugt 55.000 Ausgabetoken je Aufgabe statt 48.000, also 14 Prozent mehr. Der niedrigere Tokenpreis wird zum großen Teil von der höheren Tokenzahl aufgezehrt.

AA misst auch die Halluzinationsrate im Omniscience-Test: Sie sinkt von 53 auf 44 Prozent, der Omniscience-Index steigt von 20 auf 30 Punkte. Besser, aber 44 Prozent bleibt ein hoher Wert.

Speicherbedarf Kimi K3.1 Pro (Annahme: wie K3) gegen den Grafikspeicher eines Vier-Karten-Servers, in GBVRAM 4x RTX 5090137 · gemessenRechnerisch 1 Bit350 · inferredRechnerisch 2 Bit700 · inferredGemessen K3 (MXFP4)1561 · Dateigröße auf Hugging FaceRechnerisch 8 Bit2800 · inferred02800
Nur die Balken VRAM und K3 sind belegt. Die übrigen drei folgen aus der Annahme von 2,8 Billionen Parametern und sind eigene Rechnung, weil die Gewichte von K3.1 Pro noch nicht vorliegen. (Quelle: Hugging-Face-API moonshotai/Kimi-K3, nvidia-smi, eigene Rechnung)

Was nur der Hersteller sagt

Das offizielle Startvideo von Moonshot AI vom 23. Oktober 2026, 94 Sekunden. Es ist Herstellerwerbung, Zahlen daraus gelten als vendor-claimed.

Alle weiteren Benchmarks sind vendor-claimed. The Next Web schreibt ausdrücklich, die Zahlen seien nicht unabhängig geprüft.

  • Terminal-Bench 4.0: Moonshot nennt 65,7 Prozent, Opus 5.5 liegt bei 66,4 und GPT-6 Astra bei 58,2. AA misst für K3.1 Pro 67 Prozent. Andere Messung, im Kern kein Widerspruch.
  • Halluzinationen: Im eigenen Kimi Hallu Bench Hard fällt die Rate laut Moonshot von 23,4 auf 8,3 Prozent. Moonshots Blog schränkt selbst ein, die Werte seien kein Maß für die Gesamtfehlerquote im Alltag.
  • Cyber-Fähigkeiten: Moonshot sagt laut The Next Web, Material zu Cyberangriffen sei aus dem Training entfernt worden. Ein interner Exploit-Test liefert 81 statt 90,5 Prozent ohne Entfernung (K3: 33,3 Prozent). Das Modell bleibe hinter den besten geschlossenen Modellen zurück. The Decoder nennt für einen anderen Test (ExploitBench) 74,7 Prozent gegen 91,0 bei Opus.
  • Highspeed-Variante: Moonshot verspricht zwei- bis dreifache Geschwindigkeit. Der Decoder nennt dafür 4 und 20 Dollar.

Die Schwäche der Lage ist einfach zu benennen: Außer AA hat niemand unabhängig gemessen, und AA ist ein einzelner Messender. Wer sich ein eigenes Bild machen will, kann sich zuerst das Erste-Eindrücke-Video von Arena ansehen.

Erste Eindrücke des Kanals Arena vom 23. Oktober 2026, rund 42 Minuten. Eine Messung ist das nicht, Zahlen aus dem Video übernehmen wir nicht.

Die Ankündigung offener Gewichte

Unite.ai zitiert Moonshot mit „by November 4, 2026", The Next Web und The Decoder berichten dasselbe. Das ist vendor-claimed, und Gewichte gibt es noch keine: Die Suche über die Hugging-Face-API am 24. Oktober findet kein moonshotai-Repo zu K3.1, nur ein Repo eines Dritten.

Einen Hinweis gibt die Vorgeschichte. Laut New York University Shanghai (RITS) kamen die K3-Gewichte am 27. Juli, an dem Tag, den Moonshot versprochen hatte. Die neue Ankündigung wird dadurch glaubwürdiger, belegt ist sie nicht (inferred). Offen ist auch die Lizenz. K3 steht unter einer eigenen „Kimi K3 License": Download, Self-Hosting, Finetuning und Quantisierung sind erlaubt, wer Inferenz weiterverkaufen will und über 20 Millionen US-Dollar Umsatz in zwölf Monaten liegt, muss laut NYU eine eigene Vereinbarung aushandeln. Für K3.1 Pro nennt keine gelesene Quelle die Lizenz.

Warum das auf unseren Karten nicht läuft

Die Rechnung hat zwei Teile, einen gemessenen und einen abgeleiteten.

Gemessen ist der Vorgänger: Das Repo moonshotai/Kimi-K3 listet 2.779.931.837.184 Parameter und Dateien mit zusammen 1,561 Terabyte. Das sind 0,56 Byte je Parameter, knapp 4,5 Bit, passend zur nativen MXFP4-Quantisierung, die NYU nennt. Wenn K3.1 Pro dieselbe Größe und Architektur hat (Annahme, die Gewichte fehlen), liegt der Bedarf bei etwa 1,4 bis 1,6 Terabyte.

Dagegen steht eine reine Leseabfrage vom 24. Oktober: Der KI-Server mit vier RTX 5090 meldet per nvidia-smi viermal 32.607 MiB, zusammen 130.428 MiB, also rund 137 GB. free zeigt dort 93.995 MiB Arbeitsspeicher, rund 99 GB. Zusammen sind das etwa 235 GB, und der Speicher ist größtenteils schon durch laufende Dienste belegt.

Daraus folgt (inferred): Die 1,561 Terabyte sind das 11,4-fache des Grafikspeichers. Selbst mit komplettem Arbeitsspeicher als Auslagerung fehlt gut das 6,6-fache. Alle Experten müssen verfügbar sein, weil die Auswahl je Token wechselt. Die 104 Milliarden aktiven Parameter wären bei 4 Bit zwar nur rund 52 GB, aber das hilft nur beim Rechnen, nicht beim Laden. Damit alles in 137 GB passt, dürfte jeder Parameter im Schnitt nur 0,39 Bit belegen, ohne KV-Cache. Dafür gibt es kein brauchbares Format; sogar 1 Bit pro Parameter (rechnerisch 0,35 Terabyte) passt nicht. NYU nennt für K3 einen Betrieb ab einem Cluster mit 64 oder mehr Beschleunigern als realistisch.

Als Faustregel für den Download-Check: Parameter mal Bit durch 8 ergibt die Gewichte in Byte. Was in 128 GB passt, hat bei 4 Bit grob unter 200 Milliarden Parameter (inferred, abzüglich KV-Cache und Aktivierungen).

Was Admins jetzt tun können

Vom Repo zur EntscheidungRepo prüfenab 4. NovemberDateigröße lesensafetensors.totalParameter mal Bitdurch 8Gewichte in ByteMit VRAM vergleichen137 GB bei unsPasst nichtAPI-Lane testen
Reihenfolge unserer Prüfung, bevor ein Terabyte geladen wird. Die Lizenz wird im ersten Schritt mitgelesen. (Quelle: senn-tech, eigene Rechnung dieses Beitrags)
  1. Ab 4. November das Repo prüfen. Bevor etwas geladen wird: Dateigröße (safetensors.total in der Hugging-Face-API) und Lizenztext lesen. Die Lizenz von K3.1 Pro ist unbekannt.
  2. Als API-Lane testen, nicht lokal. Der Thinking-Modus ist Pflicht, ohne ihn antwortet die API laut Unite.ai mit HTTP 400. Die 14 Prozent mehr Ausgabetoken gehören in die Kostenrechnung. Geschäfts- oder Personendaten gehen ohne Prüfung nicht an einen Dritthoster.
  3. Erst rechnen, dann laden. Die Rechnung oben ist die Vorlage, bevor ein Terabyte durch die Leitung geht.

Eine Randnotiz zur Einordnung: The Next Web erwähnt den Vorwurf des Weißen Hauses aus dem Juli, Moonshot habe verbotene Nvidia-Chips genutzt und ein Anthropic-Modell kopiert. Belege nennt der Bericht nicht, es ist eine Behauptung und keine Aussage von Moonshot.

Weiterführende Quellen

Fragen?
Sind die Gewichte von Kimi K3.1 Pro schon veröffentlicht?+

Nein, Stand 24. Oktober 2026 nicht. Moonshot AI hat laut Unite.ai, The Next Web und The Decoder angekündigt, die Gewichte bis zum 4. November 2026 freizugeben. Das ist eine Herstellerangabe. Artificial Analysis schreibt nur, die Gewichte würden bald nach dem Start erwartet. Die Hugging-Face-Suche vom 24. Oktober zeigt kein Repo von moonshotai für K3.1, nur ein Drittanbieter-Repo.

Wie groß ist Kimi K3.1 Pro und lässt es sich lokal betreiben?+

Artificial Analysis und The Decoder nennen 2,8 Billionen Parameter, davon 104 Milliarden aktiv. Der Vorgänger K3 belegt auf Hugging Face 1,56 Terabyte. Wenn K3.1 Pro gleich groß ist (Annahme), braucht allein das Laden gut das Elffache des Grafikspeichers eines Servers mit vier RTX 5090. Für ein Büro-Homelab ist das nicht realistisch, für eine API-Anbindung schon.

Was kostet Kimi K3.1 Pro über die API?+

Laut Artificial Analysis und The Decoder 2 US-Dollar je Million Eingabetoken, 10 Dollar je Million Ausgabetoken und 0,20 Dollar für Cache-Treffer. Das sind 33 Prozent weniger als bei K3. Der Thinking-Modus ist laut Unite.ai Pflicht und das Modell erzeugt je Aufgabe 14 Prozent mehr Ausgabetoken als K3. Die Ersparnis fällt dadurch kleiner aus, als der Listenpreis vermuten lässt.