Microsoft-365-Backup: Veeam gegen CubeBackup gegen Open Source
Es gibt einen Satz in den Microsoft-Vertragsbedingungen, den erstaunlich wenige gelesen haben: Für deine Daten in Microsoft 365 bist du selbst verantwortlich. Microsoft garantiert die Verfügbarkeit des Dienstes — nicht die Wiederherstellbarkeit deiner Inhalte.
Das Missverständnis fällt niemandem auf, solange nichts passiert. Es fällt auf, wenn ein Mitarbeiter nach dem Austritt gelöscht wird, drei Monate vergehen und dann jemand die Projektablage aus seinem OneDrive braucht.
Was gesichert werden muss
Vier Workloads, und alle vier zählen:
| Workload | Typischer Verlustfall | Wird oft vergessen |
|---|---|---|
| Exchange Online | Postfach nach Austritt gelöscht | selten |
| OneDrive | Ordner überschrieben, Version weg | selten |
| SharePoint | Bibliothek versehentlich geleert | häufig |
| Teams | Kanal gelöscht, Chatverlauf weg | fast immer |
Teams ist der unangenehmste Fall, weil die Daten verteilt liegen: Dateien in SharePoint, Chats in Exchange-Postfächern, Struktur in Azure AD. Wer nur Postfächer sichert, hat Teams nicht gesichert.
Die drei Wege
Veeam Backup for Microsoft 365
Der Marktführer, und aus gutem Grund. Alle vier Workloads, sehr granulare Wiederherstellung bis auf einzelne Mails und Dateiversionen, Speicherziel frei wählbar — lokal, S3-kompatibel, Azure. Lizenziert pro Nutzer und Jahr.
Dafür: Reife, Marktdurchdringung, Support in der Fläche, saubere Integration in bestehende Veeam-Landschaften. Wer ohnehin Veeam für virtuelle Maschinen einsetzt, bekommt eine Konsole für beides.
Dagegen: Der Preis pro Nutzer summiert sich, und man braucht eine Windows-Maschine für den Proxy. Für einen Betrieb mit 100 Postfächern ist das eine spürbare jährliche Position.
CubeBackup
Deutlich schlanker, deutlich günstiger, und für einen Mittelständler oft der bessere Zuschnitt. Sichert ebenfalls alle vier Workloads, legt die Daten in einem offenen Format auf Speicher deiner Wahl ab — lokale Platte, NAS oder S3-kompatibler Objektspeicher.
Dafür: Einmallizenz statt Abonnement in einer Variante, Datenhaltung vollständig unter eigener Kontrolle, geringer Ressourcenbedarf.
Dagegen: Kleinerer Anbieter, kleinere Community, weniger Integrationen. Die Wiederherstellungsoberfläche ist funktional, aber nicht so ausgefeilt wie bei Veeam.
Wir setzen CubeBackup ein: alle vier Workloads, zwei Jahre Aufbewahrung, ein Wiederherstellungsziel von 24 Stunden. Für unsere Grössenordnung ist das die passende Antwort.
Open Source
Hier wird es unangenehm ehrlich. Wir haben im Sommer 2026 einen Umstieg auf eine quelloffene Lösung konkret geplant — und wieder verworfen.
Der Kandidat sah auf dem Papier gut aus: aktive Entwicklung, moderne Architektur, passende Feature-Liste. Dann haben wir getan, was man bei jeder OSS-Adoption tun sollte, und nicht die Projektseite gelesen, sondern den Issue-Tracker:
- Das Repository war fünf Monate alt.
- Es hatte zwei Sterne.
- Von den offenen Fehlern waren 34 vom Entwickler selbst gemeldet.
- Drei davon beschrieben stille Fehler — Sicherungsläufe, die als erfolgreich gemeldet wurden, ohne vollständig zu sein.
Ein Backup, das lautlos unvollständig ist, ist schlimmer als gar keines, weil es Sicherheit vortäuscht. Der Umstieg wurde abgesagt.
Das heisst nicht, dass Open Source hier grundsätzlich versagt. Für Exchange allein gibt es brauchbare Werkzeuge. Aber eine ausgereifte, quelloffene Lösung, die alle vier M365-Workloads zuverlässig sichert, existiert Stand Mitte 2026 nicht — und wer etwas anderes behauptet, hat den Issue-Tracker nicht gelesen.
Der Vergleich in einer Tabelle
| Veeam | CubeBackup | Open Source | |
|---|---|---|---|
| Alle vier Workloads | ja | ja | nein |
| Speicherziel frei wählbar | ja | ja | meist ja |
| Reife | sehr hoch | hoch | gering |
| Kosten | hoch | niedrig bis mittel | keine Lizenz, hoher Eigenaufwand |
| Passt für | grosse Umgebungen, bestehende Veeam-Kunden | Mittelstand | Testumgebungen |
Was wir empfehlen
Für den typischen Betrieb mit 50 bis 250 Postfächern ist CubeBackup der beste Kompromiss aus Kosten, Kontrolle und Reife. Ab mehreren hundert Nutzern oder wenn Veeam ohnehin im Haus ist, gewinnt Veeam über die Betriebsintegration.
Und drei Dinge unabhängig vom Werkzeug:
- Ein Archiv ersetzt kein Backup. MailStore und Konsorten lösen ein Compliance-Problem, kein Wiederherstellungsproblem.
- Sicherung ausserhalb von Microsoft ablegen. Ein Backup im selben Tenant schützt gegen Löschung, nicht gegen einen kompromittierten Tenant.
- Wiederherstellung testen, nicht Sicherung. Ein grüner Haken beweist nichts. Zweimal im Jahr eine echte Wiederherstellung, protokolliert — das ist der einzige Nachweis, der zählt.
Weiterführend
Sichert Microsoft meine 365-Daten nicht selbst?+
Microsoft sichert die Infrastruktur, nicht deine Inhalte. Das Modell der geteilten Verantwortung sagt ausdrücklich: für die Daten bist du zuständig. Der Papierkorb hält je nach Konfiguration 30 bis 93 Tage, Aufbewahrungsrichtlinien sind kein Backup, und gegen ein versehentlich gelöschtes Postfach nach 100 Tagen hilft beides nicht.
Reicht ein E-Mail-Archiv als Backup?+
Nein — und das ist die häufigste Verwechslung. Ein Archiv wie MailStore bewahrt E-Mails revisionssicher auf, das ist eine Compliance-Funktion. Ein Backup stellt einen Zustand wieder her, inklusive SharePoint, OneDrive und Teams. Wer nur archiviert, hat drei von vier Workloads ungesichert.
Gibt es eine brauchbare Open-Source-Lösung für M365-Backup?+
Nach unserer Prüfung im Sommer 2026: nein, keine ausgereifte. Es gibt Projekte, aber die ernstzunehmenden Kandidaten sind entweder auf Exchange beschränkt oder so jung, dass sie im Produktivbetrieb ein Risiko sind. Wir haben einen Umstieg konkret geplant und wieder verworfen.
Wie lange sollte man M365-Daten aufbewahren?+
Steuerlich relevante Unterlagen unterliegen in Österreich und Deutschland siebenjährigen Fristen, das trifft aber nicht jede Mail. Praktikabel sind zwei Jahre Backup-Aufbewahrung plus ein getrenntes Archiv für alles, was gesetzlich länger vorgehalten werden muss.
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