WordPress vs. Kirby CMS: Warum wir Kirby statt WordPress einsetzen
WordPress dominiert den Web-Markt: 59,1 % aller Websites, deren CMS bekannt ist, nutzen WordPress (41,2 % aller Websites). Doch die Mehrheit dieser Seiten sind statische Unternehmensseiten, die kein CMS brauchen — und gerade dafür zahlt man mit Performance-Kosten, Sicherheitslücken und Plugin-Dependency-Hölle.
Wir setzen stattdessen auf Kirby CMS — ein dateibasiertes, plugin-freies CMS, das genau das tut, was es soll, und nicht mehr.
Warum Kirby?
Keine Datenbank, keine Plugins
Kirby speichert Inhalte als Markdown-Dateien im Dateisystem. Keine MySQL-Instanz, keine 37 aktivierten Plugins, keine monatlichen Sicherheitsupdates für eine Plugin-Bibliothek, die niemand mehr gepflegt hat.
- Performance: Ein Kirby-Request liest eine Datei, rendert sie und fertig. Kein Datenbank-Join, kein Plugin-Hook, kein Cache-Warmup.
- Sicherheit: 90 % der WordPress-Sicherheitslücken kommen von Plugins. Kirby hat keine Plugin-Architektur im klassischen Sinne — Erweiterungen sind PHP-Klassen, die du selbst kontrollierst.
- Wartung: Ein Kirby-Update ist ein
git pull. Keine Kompatibilitätsprüfung für 15 Plugins, keine "your site broke" Meldung am nächsten Morgen.
Dateibasiert statt Admin-Interface
In Kirby bearbeitest du Inhalte direkt als Markdown-Dateien — entweder lokal in deinem Editor oder über das optionale Kirby-Panel. Das hat drei Vorteile:
- Versionierung: Dein gesamter Inhalt ist in Git. Jeder Edit ist nachvollziehbar, reversibel, branchbar.
- Editor-Flexibilität: Nutze VS Code, Vim, Emacs — dein bevorzugter Editor mit Syntax-Highlighting, Linting und Autocomplete.
- Deployment:
git pushauf den Server. Kein Datenbank-Export, kein Media-Sync, keine Migration.
Kirby vs. WordPress: Die Zahlen
| Aspekt | WordPress | Kirby |
|---|---|---|
| Installation | 50+ Dateien, MySQL-Datenbank | 5 Dateien, keine DB |
| Erste Seite | 200–500 ms (kalt) | 10–30 ms (kalt) |
| NVD-CVEs (gesamt) | 18.978 (Core) + 17.623 (Plugins) | 59 |
| Plugin-Abhängigkeit | Hoch | Keine |
| Deployment | Datenbank + Dateien | Dateien |
| Lernkurve | WordPress-Ökologie | PHP + Markdown |
Die CVE-Differenz ist dramatisch: WordPress Core hat 18.978 Sicherheitslücken im NVD, und Plugins kommen mit weiteren 17.623 hinzu. Kirby hat 59 CVEs insgesamt — ein 321-facher Unterschied.
Kirbys eingebauter Seiten-Cache und dateibasierte Architektur eliminieren den Datenbank-Engpass vollständig. Für Seiten mit hunderten Unterseiten empfiehlt Kirby eine verschachtelte Verzeichnisstruktur, um die Performance zu erhalten.
Warum nicht WordPress?
WordPress ist kein schlechtes Produkt — aber es ist das falsche Werkzeug für statische und semi-statische Websites.
Die Plugin-Falle
Ein Kunde wollte ein Kontaktformular. In WordPress: Contact Form 7 + Flamingo + SMTP-Plugin + Anti-Spam-Plugin + Custom CSS für das Formular-Layout. Fünf Plugins für eine E-Mail.
In Kirby: Ein 20-Zeilen-PHP-Skript, das mail() oder SMTP nutzt. Keine Abhängigkeit, keine Update-Pflicht, keine Sicherheitslücke.
Performance-Kosten
Ein WordPress-Request lädt den Core, initialisiert die Datenbank-Verbindung, durchläuft 15–30 aktivierte Plugins, führt Datenbank-Joins für Menüs, Sidebars und Widgets aus, rendert das Theme und gibt das Ergebnis aus. Das Ergebnis: 200–800 ms.
Kirby: Datei lesen, Markdown parsen, Template rendern. 10–30 ms. Der Unterschied ist messbar — und für SEO und Conversion entscheidend.
Angriffsfläche
WordPress ist ein Angriffsziel, weil:
- 41,2 % aller Websites nutzen es → hoher ROI für Angreifer
- WordPress Core hat 18.978 CVEs; Plugins kommen mit 17.623 hinzu
- Jedes Plugin erweitert die Angriffsfläche
- Viele Plugins sind verwaist (keine Updates seit Jahren)
- Update-Zyklen sind unregelmäßig bei 59.000+ Plugins
Kirby hat insgesamt nur 59 CVEs — eine 321-mal kleinere Angriffsfläche. Kirby hat keine klassische Plugin-Architektur: Erweiterungen sind PHP-Klassen, die du selbst schreibst oder einbindest. Das Update-System kann auf Sicherheits-Updates beschränkt werden, und es gibt keine verwaisten Dritt-Plugins.
Kirby in der Praxis
Wir betreiben mehrere Kirby-Sites — von Unternehmensseiten über Blogs bis zu Dokumentationen. Der Workflow:
- Lokal entwickeln:
git checkout -b feature/neue-seite - Inhalt schreiben: Markdown-Datei erstellen, Kirby-Blueprint zuweisen
- Testen:
php -S localhost:8000lokal testen - Deployen:
git push origin main→ Server pullt, Caddy serviert
Kein Admin-Login, keine Datenbank-Session, keine Plugin-Konfiguration.
Migration von WordPress nach Kirby
Der typische Migrationspfad:
- Inhalte exportieren: WP All Export oder native XML-Export-Funktion
- Markdown konvertieren: Skript, das HTML-Blocks in Markdown umwandelt
- Templates erstellen: Kirby-Blueprints für jede Inhaltstyp
- Media migrieren: Bilder in
content/-Ordner, Pfade anpassen - Deploy: Git-Repository initialisieren, Server konfigurieren
Für 50–200 Seiten sind 2–5 Entwicklungstage realistisch. Danach hast du ein System, das wartungsfrei läuft.
Fazit
WordPress ist die richtige Wahl, wenn du:
- Ein Blog mit 10.000 Artikeln brauchst
- Komplexe E-Commerce-Funktionalität brauchst
- Ein Team von 50 Redakteuren hast, die ein Admin-Interface brauchen
Kirby ist die richtige Wahl, wenn du:
- Eine Unternehmensseite mit 10–50 Seiten hast
- Selbstständig bist und deine Website wartungsfrei betreiben willst
- Performance und Sicherheit priorisierst
- In Git arbeiten willst
Wir haben den Wechsel mehrfach gemacht — und nie wieder WordPress für ein Kundenprojekt eingesetzt.
Weiterführende Quellen
Ist Kirby wirklich kostenlos?+
Kirby ist Open Source mit einer MIT-Lizenz. Die Software ist kostenlos. Kommerzielle Lizenz, Support und Premium-Plugins gibt es optional — aber nicht zwingend nötig. Wir betreiben mehrere Sites ohne kommerzielle Lizenz.
Fehlt mir eine Datenbank für komplexe Anforderungen?+
Kirby speichert Inhalte als Markdown-Dateien. Für 99 % der Websites reicht das völlig aus. Wenn wirklich relationelle Datenbank-Strukturen nötig sind, binden wir Kirby als Headless-CMS an ein separates System an — aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Wie sieht die Migration von WordPress nach Kirby aus?+
Inhalte exportieren, in Markdown konvertieren, Kirby-Templates zuweisen. Der Aufwand hängt von der Seitenanzahl ab — für 50–200 Seiten sind 2–5 Tage realistisch. Wir haben das mehrfach gemacht.