vivo X300 Ultra gegen iPhone, Galaxy und Pixel: warum wir das Kamera-Flaggschiff kaufen


Wir kaufen dieses Telefon morgen. Das ist der ehrlichste Rahmen für diesen Beitrag: Es ist eine Kaufentscheidung, kein Test. Was hier steht, stammt aus Herstellerangaben, Preisvergleichen und veröffentlichten Tests — nicht aus eigener Messung. Ein Praxisbericht folgt, wenn das Gerät ein paar Wochen im Einsatz war.
Die Ausgangslage
Die Frage war nicht „welches Telefon ist das beste", sondern eine konkretere: Welches Gerät ersetzt am ehesten die Kompaktkamera, die ohnehin niemand mehr mitnimmt? Wer im Betrieb dokumentiert — Serverräume, Verkabelung, Schäden, Baufortschritt — fotografiert selten geplant. Fotografiert wird, was gerade da ist, mit dem, was in der Tasche steckt.
Damit verschiebt sich die Gewichtung. Rechenleistung ist bei allen Kandidaten seit Jahren im Überfluss vorhanden. Interessant sind Brennweiten, Stabilisierung und Ausdauer.
Die Kandidaten
Vier Geräte standen zur Auswahl:
- vivo X300 Ultra — 1.999 Euro Listenpreis (16 GB / 1 TB), Snapdragon 8 Elite Gen 5, drei ZEISS-Objektive über 14 bis 85 Millimeter, 200-MP-Hauptsensor (Sony Lytia 901), 200-MP-Tele von Samsung, Gimbal-Stabilisierung nach CIPA 7.0. Optional ein 400-mm-Telekonverter.
- iPhone 17 Pro Max — ab 1.199 US-Dollar, 48-MP-Fusion-System mit drei Kameras. Gilt in den Vergleichen durchgehend als Referenz bei Video.
- Samsung Galaxy S26 Ultra — ab 1.299 US-Dollar, vier Kameras: 200 MP Hauptsensor mit f/1.4, 50 MP Ultraweitwinkel, 10 MP 3x-Tele und ein 50-MP-5x-Periskop mit dem neuen ALoP-Mechanismus, dazu 60-Watt-Laden.
- Google Pixel 10 Pro — der günstigste im Feld, stärkste computational photography, 42-MP-Selfiekamera.
Ein Hinweis zu den Preisen: Für iPhone, Galaxy und Pixel liegen belastbare Euro-Listenpreise für Österreich nicht in derselben Quelle vor wie die Dollar-Angaben, deshalb stehen hier Dollar. Der Euro-Preis des vivo ist dagegen offiziell.
Was tatsächlich den Ausschlag gibt
Brennweite statt Megapixel. Der praktische Unterschied liegt nicht in der Sensorauflösung — 200 MP klingen beeindruckend, landen im Alltag aber ohnehin zusammengerechnet auf einem Bruchteil davon. Er liegt darin, was man ohne Qualitätsverlust überhaupt erreichen kann. 14 bis 85 Millimeter durchgehend optisch, plus optional 400 Millimeter, ist eine andere Kategorie als „Weitwinkel, Normal, 5x". Für Dokumentation aus Distanz — ein Typenschild auf einem Mast, ein Detail an einer Fassade — entscheidet genau das.
Stabilisierung. Die Gimbal-Stabilisierung nach CIPA 7.0 über alle Brennweiten ist der zweite Punkt. Je länger die Brennweite, desto brutaler bestraft Verwacklung; ein 400-mm-Aufsatz ohne ordentliche Stabilisierung wäre freihändig wertlos.
Ausdauer. Hier ist die Quellenlage uneinheitlich, und wir lösen das nicht auf: Die Akkukapazität wird als 6.600 mAh und an anderer Stelle als 7.000 mAh angegeben. Unstrittig sind 100 Watt kabelgebunden und 40 Watt kabellos. Beides liegt über dem, was iPhone und Pixel bieten; das Galaxy lädt mit 60 Watt.
Software-Support. Das war lange das K.-o.-Kriterium gegen chinesische Flaggschiffe und ist es nicht mehr: fünf Android-Hauptversionen plus zwei Jahre Sicherheitspatches, zusammen sieben Jahre. Dazu löst OriginOS 6 international das früher deutlich schwächere FuntouchOS ab — die Zweiklassigkeit zwischen China- und Weltmarkt-Software entfällt.
Was man aufgibt
Ehrlich bleiben heißt, die Gegenseite zu nennen.
Ökosystem. Wer Mac, iPad und Watch nutzt, verliert mit dem Wechsel Handoff, AirDrop und die Kontinuität von Nachrichten und Anrufen. Das ist kein Detail, sondern der eigentliche Preis. In unserem Fall wiegt er weniger schwer, weil der Rest der Arbeitsumgebung ohnehin nicht Apple-zentriert ist — wer dagegen gerade ein 5K-Display für den Mac sucht, sollte diesen Punkt sehr ernst nehmen.
Video. In den Vergleichen führt das iPhone bei Videoaufnahme konsistent. Wer primär filmt, kauft nach wie vor Apple.
Wiederverkaufswert. Ein iPhone ist nach drei Jahren noch etwas wert. Bei einem vivo-Flaggschiff in Europa ist der Zweitmarkt dünn — realistisch kalkuliert man den Kaufpreis als verbraucht.
Update-Historie. Das Sieben-Jahres-Versprechen ist neu. Samsung und Google haben inzwischen gezeigt, dass sie liefern; vivo muss das erst beweisen.
Unsere Entscheidung
Wir kaufen das X300 Ultra — wegen des Brennweitenbereichs und der Stabilisierung, nicht wegen der Megapixel. Für den Einsatzzweck, bei dem die Alternative nicht „bessere Kamera" heißt, sondern „gar keine Kamera dabei", ist die optische Reichweite das einzige Argument, das im Alltag wirklich zählt.
Den 400-mm-Telekonverter bestellen wir zunächst nicht mit. Das Bundle liegt bei rund 2.300 Euro, und ob der Aufsatz tatsächlich mitgenommen wird oder nach zwei Wochen in der Lade liegt, lässt sich vorher nicht seriös beantworten. Nachkaufen geht immer.
Offen bleibt die Frage, wie gut sich OriginOS 6 in eine ansonsten nicht-vivo-geprägte Umgebung fügt und wie belastbar die Update-Zusage in der Praxis ist. Genau das ist der Stoff für den Praxisbericht.
Ist das vivo X300 Ultra in Österreich offiziell erhältlich?+
Ja. vivo hat das X300 Ultra erstmals außerhalb Chinas ausgeliefert — Österreich, Deutschland und Ungarn gehören zu den Startmärkten. Vorbestellungen liefen ab 16. April 2026, im Handel ist das Gerät seit 24. April 2026. Angeboten wird nur eine Variante mit 16 GB RAM und 1 TB Speicher zum Listenpreis von 1.999 Euro; im Preisvergleich liegt der Straßenpreis darunter. Es handelt sich also nicht um einen Import mit Grauzonen-Garantie, sondern um regulär vertriebene Ware.
Bekommt ein vivo genauso lange Updates wie ein iPhone oder Pixel?+
Inzwischen ja, zumindest auf dem Papier. Für die X300-Reihe nennt vivo fünf große Android-Versionssprünge plus zwei weitere Jahre Sicherheitspatches — in Summe sieben Jahre. Damit liegt vivo auf dem Niveau von Samsung und Google. Zwei Einschränkungen bleiben: In den letzten Jahren kommen die Patches quartalsweise statt monatlich, und ein Update-Versprechen ist eine Absichtserklärung, keine vertragliche Zusage. Wer sich darauf verlässt, sollte wissen, dass vivo diese Politik erst seit kurzem fährt — eine Historie eingehaltener Zusagen über sieben Jahre gibt es naturgemäß noch nicht.
Ersetzt so ein Telefon eine echte Kamera?+
Für den Alltag und für Dokumentation zunehmend ja, für anspruchsvolle Arbeit nein. Der Brennweitenbereich von 14 bis 85 Millimetern deckt ab, wofür man sonst zwei bis drei Objektive mitschleppt, und mit dem optionalen 400-mm-Telekonverter kommt eine Reichweite dazu, die sonst ein sehr teures Teleobjektiv erfordert. Was ein Telefon weiterhin nicht liefert, ist die Sensorfläche einer Vollformatkamera, echte Tiefenschärfe-Kontrolle ohne Rechentricks und die Bedienung mit Sucher und Wählrädern. Unsere Erwartung: Die große Kamera bleibt für geplante Aufnahmen, das Telefon übernimmt alles, was sonst gar nicht fotografiert würde.