Ubuntu oder Windows 11 am Arbeitsplatz: die ehrliche Rechnung
Seit Windows 10 am 14. Oktober 2025 aus dem Support gefallen ist, steht die Frage in vielen Betrieben wieder auf dem Tisch: Muss es Windows 11 sein — oder geht auch Ubuntu?
Die Antwort, die Sie in Foren bekommen, ist meistens ideologisch. Die Antwort, die im Betrieb zählt, ist es nicht. Sie lautet: Es entscheidet nicht das Betriebssystem, sondern die Anwendungskette darüber.
Der Teil, der wirklich für Linux spricht
Zwei Argumente halten der Prüfung stand — und es sind nicht die üblichen.
Erstens die Support-Länge. Ubuntu 26.04 LTS („Resolute Raccoon", April 2026) bekommt fünf Jahre regulären Support bis April 2031, mit Ubuntu Pro zehn Jahre bis 2036. Windows 11 arbeitet anders: Jede Jahresversion wird einzeln unterstützt — 24 Monate bei Pro, 36 bei Enterprise.
Zweitens der Hardware-Zwang. Windows 11 verlangt TPM 2.0 und Secure Boot. Funktionierende Geräte, die diese Anforderung nicht erfüllen, werden dadurch zu Elektroschrott — nicht weil sie zu langsam sind, sondern weil ein Chip fehlt. Linux stellt diese Frage nicht.
Der Teil, an dem die Rechnung kippt
Und jetzt die unbequeme Seite, die in Umstiegs-Artikeln gern fehlt.
Die Fachanwendungen entscheiden. Nicht der Browser, nicht das Office-Paket — für beides gibt es tragfähige Alternativen. Es sind die anderen: das ERP-System, die Branchensoftware, das Lohnprogramm, CAD, die Bankensoftware mit Kartenleser, der Treiber für das Etikettendruck-System in der Halle. Eine einzige dieser Anwendungen, die es nur für Windows gibt und die im Kernprozess hängt, kippt die gesamte Kalkulation.
Der übliche Ausweg — „dann virtualisieren wir das eben" — ist keiner. Sie betreiben dann beide Welten und zahlen die Komplexität von beiden.
Was das im Eigenbetrieb bedeutet
Wir betreiben beides — Linux durchgehend im Serverraum, Windows dort, wo Fachanwendungen es verlangen. Aus dem Betrieb der zentralen Windows-Arbeitsplätze haben wir dabei Messwerte, die selten jemand veröffentlicht, weil sie unbequem sind:
- Es gibt nicht eine Last, sondern zwei. Der Alltagsbetrieb skaliert über Kerne, die Anmeldewelle am Morgen dagegen hängt an ganz anderen Faktoren. Wer nur eine der beiden misst, dimensioniert falsch.
- Es gibt eine harte Untergrenze. Unterhalb von 16 vCPU pro Maschine wird die Anmeldephase unzuverlässig — nicht langsam, sondern unzuverlässig. Das ist kein Richtwert, das ist eine Wand.
- Profil-I/O ist Netzwerkverkehr, nicht Plattenlast. Roaming-Profile sehen wie ein Storage-Problem aus und sind ein Netzwerkproblem. Wir haben an der falschen Stelle optimiert, bevor wir das gemessen hatten.
- Die Suchindizierung kann einen Kern dauerhaft verbrennen, wenn sie auf grosse Postfächer trifft. Kein Angriff, kein Defekt — Standardverhalten.
Der Punkt dieser Liste: Auch eine reine Windows-Umgebung ist nicht „einfach so" günstig. Sie hat Betriebsaufwand, er steht nur nicht auf der Rechnung. Wer Linux gegen Windows rechnet und dabei nur Lizenzkosten vergleicht, vergleicht die falsche Grösse.
Wo Linux am Arbeitsplatz heute gewinnt
Ohne Ideologie, nach unserer Erfahrung:
- Technische Arbeitsplätze — Entwicklung, Administration, Datenanalyse. Hier ist Linux nicht nur gleichwertig, sondern der kürzere Weg.
- Einzweck-Arbeitsplätze — Terminals in Lager, Produktion oder Empfang, die genau eine Weboberfläche zeigen. Hier ist eine Windows-Lizenz reine Verschwendung.
- Lange Standzeiten — Geräte, die sieben Jahre laufen sollen und deren Aufgabe sich nicht ändert.
Und wo es weiter Windows bleibt: überall dort, wo die Anwendungskette es vorgibt. Das ist kein Scheitern, sondern eine Rechnung mit einem klaren Ergebnis.
Fazit
Die Frage „Ubuntu oder Windows 11" ist falsch gestellt, solange die Anwendungsliste nicht auf dem Tisch liegt. Machen Sie diese Liste zuerst — vollständig, inklusive der kleinen Programme, an die niemand denkt. Danach beantwortet sich die Betriebssystemfrage oft von selbst, und zwar für unterschiedliche Arbeitsplatzgruppen unterschiedlich.
Der teuerste Weg ist der, bei dem man beides halb macht.
Weiterführende Quellen
Spart der Umstieg auf Ubuntu wirklich Geld?+
Bei den Lizenzen ja, beim Gesamtaufwand nur unter Bedingungen. Weg fallen Betriebssystem- und teilweise Office-Lizenzen sowie der Hardware-Zwang durch TPM- und Secure-Boot-Anforderungen. Dagegen stehen Migrationsaufwand, Schulung und vor allem die Fachanwendungen. Wenn eine einzige Windows-only-Fachanwendung im Kernprozess hängt, ist die Ersparnis rechnerisch schnell aufgezehrt — dann kostet der Umstieg mehr, als er bringt.
Was entscheidet in der Praxis wirklich über die Wahl?+
Die Anwendungskette, nicht das Betriebssystem. Prüfen Sie zuerst, welche Programme im Kernprozess laufen: ERP, Branchensoftware, CAD, Steuer- und Lohnprogramme, Bankensoftware mit Kartenlesern. Erst wenn diese Liste sauber ist, ist die Betriebssystemfrage überhaupt beantwortbar. Wer umgekehrt vorgeht und mit dem Desktop anfängt, scheitert an der ersten Fachanwendung.
Wie lange bekomme ich Sicherheitsupdates?+
Ubuntu 26.04 LTS erhält fünf Jahre regulären Support bis April 2031 und mit Ubuntu Pro insgesamt zehn Jahre bis 2036. Windows 11 folgt einem anderen Modell: Jede Jahresversion wird einzeln unterstützt, bei Pro 24 Monate, bei Enterprise 36 Monate. Sie bleiben also im jährlichen Rhythmus, statt einmal eine lange Ruhephase zu bekommen — beides ist planbar, aber unterschiedlich zu managen.
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