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Security2026-07-06· Von Franz Senn

NIS2 und DORA: Was ein selbstgehosteter Stack wirklich erfüllen muss

NIS2 und DORA sind keine IT-Sicherheitsgesetze im engeren Sinn — sie sind Nachweisgesetze. Wer betroffen ist, muss nicht nur sicher sein, sondern beweisen können, dass er es systematisch ist. Das ändert, was ein Stack leisten muss.

Wo NIS2 und DORA im Eigenbetrieb greifenGovernanceVerantwortungRisikomanagementlaufendLieferketteDienstleisterMeldewesenFristenTestÜbungen, Audit
Die Lieferkette ist der Punkt, an dem Eigenbetrieb den Nachweis vereinfacht statt erschwert. (Quelle: Richtlinie (EU) 2022/2555 und Verordnung (EU) 2022/2554)

Wer überhaupt betroffen ist

  • NIS2 gilt ab 50 Mitarbeitern oder 10 Mio. € Umsatz in vielen Sektoren — Energie, Gesundheitswesen, Transport, digitale Dienste, öffentliche Verwaltung, und Produktion. Für viele Mittelständler erstmals prüfbar.
  • DORA trifft Finanzdienstleister und ihre IT-Dienstleister — auch nicht-finanzielle Teilnehmer, die kritische Dienste liefern.
  • Beide nehmen die Geschäftsleitung in die Pflicht — Selbstvorwurf und Bußgelder richten sich ans C-Level, nicht an die IT-Abteilung.

Die vier Anforderungen, die wirklich zählen

  • Risikomanagement: Eine aktuelle Bestandsaufnahme (Assets, Abhängigkeiten, Zulieferer). Kein Excel-Schattenverzeichnis.
  • Meldepflichten: Erhebliche Vorfälle müssen innerhalb von 24 Stunden (NIS2) bzw. nach festem Stufenplan (DORA) gemeldet werden — das braucht vorab definierte Kanäle.
  • Lieferketten: Sub-Auftragnehmer werden erfasst. Ein SaaS-Anbieter ohne eigenen NIS2-Nachweis wird selbst zum Risiko.
  • Kryptografie & Authentifizierung: MFA, Verschlüsselung ruhender und übertragener Daten, geordneter Schlüsselprozess.

Was der selbstgehostete Stack beisteuert

  • Proxmox HA-Cluster mit Quorum und Fencing liefert Verfügbarkeit aus einer bewiesenen Architektur — kein Single Point of Failure, der bei der Risikoanalyse erklärt werden muss.
  • Proxmox Backup Server mit clientseitiger Verschlüsselung, Sync-Jobs und 3-2-1-Replikation erfüllt die Wiederanforderung (Recovery) nachvollziehbar — inklusive Restore-Tests.
  • CrowdSec statt fail2ban bringt eine eingriffsorientierte Erkennung mit shared Threat intelligence — und protokolliert zentral.
  • Mail-Gateway mit Quarantäne und AV hält den Kommunikationskanal sauber, der meist erste Angriffsvektor ist.

Was er nicht ersetzt

On-prem löst die Hardware-Seite. NIS2/DORA verlangen aber auch Dokumentation, Meldeketten und Übungen — also Organisation, nicht Technik. Eine berechtigte Frage bei der Anbieterwahl ist nicht „ist das DORA-konform?“, sondern „kann der Anbieter seinen Teil nachweisen?“. Selbstgehostet heißt hier: der Nachweis liegt bei Ihnen — was zugleich die Kontrolle und die Pflicht ist.

Unsere Sicht

Compliance kauft man nicht als Zusatzmodul dazu. Sie entsteht aus einem Stack, der von vornherein auf Nachweisbarkeit gebaut ist — HA, Verschlüsselung, Backups, Protokollierung, Meldepfade. Wer das on-prem betreibt, hat die technische Hälfte der Pflicht unter Kontrolle. Die andere Hälfte müssen Sie organisatorisch leisten: dokumentieren, melden, üben.

Weiterführende Quellen

Fragen?
Betrifft NIS2 oder DORA überhaupt mein Unternehmen?+

NIS2 gilt ab 50 Mitarbeitern oder 10 Mio. € Umsatz in vielen Sektoren — Energie, Gesundheitswesen, Transport, digitale Dienste, Verwaltung, Produktion. DORA trifft Finanzdienstleister und deren IT-Dienstleister, auch nicht-finanzielle Teilnehmer mit kritischen Diensten. Beide nehmen die Geschäftsführung persönlich in die Pflicht. Eine Ersteinschätzung lohnt sich früh, nicht erst bei der Prüfung.

Macht ein selbstgehosteter Stack mich automatisch NIS2-konform?+

Nein. On-prem löst die technische Hälfte — HA-Cluster, verschlüsselte Backups, zentrale Protokollierung, saubere Meldeketten. NIS2 und DORA verlangen aber zusätzlich einen nachweisbaren Prozess: Risikoanalyse, dokumentierte Lieferketten, Übungen. Self-hosted bedeutet: Der Nachweis liegt bei Ihnen. Sie haben die Kontrolle, tragen aber auch die Beweislast.

Ersetzt CrowdSec oder Proxmox Backup eine eigene Compliance-Doku?+

Nein — sie liefern die Beweismittel, nicht die Dokumentation. Ein HA-Cluster mit Quorum, Restore-getestete Backups und zentrale Incident-Erkennung sind die technische Grundlage, die man vorzeigen kann. Die Meldeketten, Asset-Verzeichnisse und Übungen müssen aber als Organisation gepflegt werden. Compliance kauft man nicht als Zusatzmodul dazu. Sie ist ein Stack, der auf Nachweisbarkeit gebaut ist.