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KI & Entwicklung
KI & Entwicklung2026-07-25· von Mag. (FH) Franz Senn

Coding-Agenten unter Windows: Claude Code, OpenCode, Codex, Cursor & Orca im Praxistest

Wer heute Code schreibt, tut das nicht mehr allein. Claude Code, OpenCode, Codex, Cursor und Orca versprechen alle dasselbe — schneller, besser, mit weniger Aufwand entwickeln. Nach einem Jahr täglichem Einsatz aller fünf auf einem Windows-on-ARM64-Rechner (Snapdragon X2, Win11 24H2) hier der ehrliche Vergleich: Was funktioniert wirklich, was nervt, und wofür nehme ich welches Tool?

VS Code mit Claude Code- und OpenCode-Extensions
Meine tägliche Umgebung: VS Code mit Claude Code und OpenCode als Extensions. Beide Agenten arbeiten direkt im Editor.

Die Kandidaten auf einen Blick

ToolTypLizenzGitHub Starsnativ ARM64?
Claude CodeTerminal-AgentApache 2.0139kNein
OpenCodeTerminal / Desktop / VS CodeMIT190kNein (Workaround)
CodexTerminal / Desktop / VS CodeApache 2.0101kJa
CursorIDE (VS-Code-Fork)Kommerziell~190kJa
OrcaMulti-Agent-OrchestratorProprietär28.7kJa

Dazu kommt Z.AI Coder (ehemals ZCode), das ich früher genutzt habe — es ist inzwischen Legacy und dient nur noch als zentrale Konfigurationsquelle für MCP-Server und Skills. In diesem Vergleich lasse ich es außen vor.

Windows im Speziellen: ARM64 ist das Nadelöhr

Der Snapdragon X2 ist schnell, aber die Tool-Landschaft ist noch nicht vollständig angekommen. Node.js läuft nativ als ARM64, aber sobald ein Tool auf Bun mit TinyCC-FFI setzt, knallt es. Das betrifft vor allem OpenCode: Der ARM64-Build scheitert an bun:ffi — die TUI rendert nicht, das Terminal bleibt schwarz.

Der Workaround: Den x64-Build herunterladen, die PE-Header prüfen (Byte an Offset e_lfanew+4 = 0x8664 für x64, 0xAA64 für ARM64) und die Binaries unter %APPDATA%\npm\node_modules\opencode-ai\ mit der x64-Version überschreiben. Nach jedem npm update muss das wiederholt werden — der Updater zieht den kaputten ARM64-Build.

Claude Code wiederum läuft problemlos unter x64-Emulation, weil es kein Bun verwendet. Codex ist der einzige Kandidat, der nativ als ARM64-Binary ausgeliefert wird (Rust-Codebase, codex-rs) — das merkt man an der Startzeit und am Speicherverbrauch. Orca und Cursor bringen eigene Installer und laufen ebenfalls nativ.

Die Modelle — was steckt dahinter?

Entscheidend ist nicht nur die Shell, sondern das Modell, das den Code schreibt:

  • Claude Code nutzt ausschließlich Anthropics Claude-Modelle (Opus, Sonnet) — kein Bring-your-own-Provider. Dafür ist die Codequalität konstant hoch, und das Toolverständnis (Shell, Git, Dateisystem) ist das ausgereifteste im Test.
  • OpenCode ist provider-agnostisch: 75+ Anbieter über Models.dev, inklusive lokaler Modelle. Die "Zen"-Modelle sind kostenlos und validiert. Ich nutze es via OmniRoute (lokaler Gateway auf localhost:20128) mit dem Modell auto/best-free — funktioniert ohne API-Key.
  • Codex ist an OpenAI gebunden, aber im ChatGPT-Plus/Pro-Abo enthalten. Alternativ lässt sich ein eigener API-Key oder ein Self-Hosted-Provider einbinden — hier läuft es ebenfalls über OmniRoute mit wire_api="responses" (der alte "chat"-Modus wurde entfernt).
  • Cursor bietet einen Modell-Router: Auto, GPT-5.6, Opus 5, Gemini 3.1, Grok 4.5 — wählt automatisch oder manuell. Bring-your-own-Key ist möglich, aber der volle Funktionsumfang (Cloud Agents, Automations) erfordert das Pro-Abo ($20/Monat).
  • Orca ist kein Agent, sondern ein Orchestrator — es führt Claude Code, Codex, OpenCode und 20+ andere als Subprozesse aus. Welches Modell genutzt wird, hängt vom jeweiligen Agenten ab.
OpenCode Desktop App
Die OpenCode Desktop App: Provider-agnostisch, mit Zugriff auf 75+ Modell-Anbieter über Models.dev. Der Zen-Modus liefert kostenlose Modelle ohne API-Key.

Terminal vs. IDE: Wo schreibt man eigentlich?

Das ist die eigentliche Trennlinie — und sie hängt vom Einsatzzweck ab.

Terminal-first: Claude Code, OpenCode, Codex. Alle drei starten im PowerShell- oder WSL-Terminal. Der Vorteil: Sie sind überall verfügbar, auch via SSH auf entfernten Servern. Claude Code ist auf 24 internen Homelab-Zielen installiert — wenn ich auf einem Proxmox-Host eine Config anpassen muss, tippe ich claude und es versteht den Kontext sofort. Codex ist schneller im Start, OpenCode flexibler bei den Modellen.

IDE-first: Cursor. Cursor ersetzt VS Code komplett — es ist ein Fork mit tief integrierter KI. Der Composer 2.5 plant Aufgaben, zerlegt Features in Subtasks und führt sie parallel aus. Cloud Agents laufen stundenlang autonom. Das ist beeindruckend, aber für meinen Alltag (Homelab-Ops, Shell-Scripting, kurze Web-Edits) overkill. Wer den ganzen Tag in einem großen Codebase arbeitet, wird Cursor lieben. Wer zwischen 20 SSH-Zielen springt, eher nicht.

Cursor IDE mit SSH-Verbindung
Cursor: Ein VS-Code-Fork mit tief integrierter KI. Der Composer plant Aufgaben und führt sie parallel aus. Im Bild: SSH-Session zu einem LibreChat-Server.

Der Hybrid: VS Code + Extensions. In der Praxis nutze ich VS Code mit der OpenCode-Extension und der Claude-Code-Extension. Das gibt mir die gewohnte Oberfläche mit agentischer Unterstützung direkt im Editor. Kein Wechsel des Tools, kein Kontextverlust.

Orca: Der Geheimtipp für parallele Arbeit

Orca fällt aus dem Schema, weil es kein Coding-Agent ist, sondern ein Agent Development Environment. Stell dir vor, du hast vier Branches gleichzeitig offen, jeder mit einem eigenen Agenten — und alle arbeiten isoliert in Git-Worktrees, ohne sich gegenseitig Dateien zu zerschießen.

Das ist der Killer-Feature. Ich starte morgens Orca, öffne drei Worktrees: einen für ein Blog-Feature (Claude Code), einen für ein NIS2-Compliance-Refactoring (OpenCode), einen für einen Bugfix (Codex). Alle drei laufen parallel. Orcas Terminal-Emulation ist Ghostty-inspiriert und flüssig, der eingebaute Datei-Editor ersetzt VS Code für schnelle Änderungen, und die Mobile-App zeigt mir unterwegs den Agent-Status.

Orca Multi-Agent-Orchestrator
Orca: Multi-Agent-Orchestrator mit isolierten Git-Worktrees. Drei Branches, drei Agenten, keine Merge-Konflikte.

Der Nachteil: Eine weitere Schicht Komplexität. Orca stürzt gelegentlich ab (Agent-Daemon-"Session not found"-Fehler, harmlos aber nervig), und das Fenster-Management auf Windows ist noch nicht auf macOS-Niveau. Für Multi-Agent-Workflows gibt es aber nichts Besseres.

Konkrete Empfehlung: Welches Tool wofür?

Nach einem Jahr Praxiseinsatz hat sich folgende Aufteilung bewährt:

SzenarioBestes ToolWarum
Schnelle Edit-Änderung in VS CodeOpenCodeKostenlos, gut genug, läuft im Editor
Tiefes Codebase-VerständnisClaude CodeBeste Kontext-Erfassung und Tool-Nutzung
Remote SSH Homelab-OpsClaude CodeAuf allen 24 Boxen deployt, zuverlässig
Parallele BranchesOrca + beliebiger AgentIsolierte Worktrees, kein Merge-Konflikt-Risiko
Native ARM64-PerformanceCodexEinziger nativer ARM64-Build, schnellster Start
Zero-Cost-BetriebOpenCode (Zen)Gratis-Modelle, kein Abo nötig
Ganztägige IDE-ArbeitCursorVollintegriert, Cloud Agents, Slack-Bot
Mobile ÜberwachungOrca Companion AppAgent-Status, Terminal-Zugriff vom Handy

Mein täglicher Stack: VS Code + OpenCode-Extension (OmniRoute auto/best-free) als primäre Kombination. Für komplexe Remote-Arbeit wechsle ich ins Terminal zu Claude Code. Orca kommt dazu, wenn mehrere Features parallel laufen. Codex ist die Backup-Lösung, wenn Claude- oder OpenCode-Kontingente erschöpft sind.

Der Elefant im Raum: OpenCode vs. ARM64

OpenCode ist das beste Tool im Test — Open Source, provider-agnostisch, riesige Community. Aber es läuft nicht nativ auf ARM64-Windows. Der Workaround mit dem x64-Binary-Swap funktioniert, ist aber ein ständiger Wartungsaufwand. Jedes npm update überschreibt den Fix. Irgendwann wird das entweder gefixt, oder Codex holt auf.

Bis dahin: OpenCode für alles, was nicht zeitkritisch ist. Codex, wenn es schnell gehen muss. Claude Code, wenn es komplex wird.

Fazit

Es gibt nicht das eine Tool. Die Landschaft fragmentiert sich in Spezialisten: Claude Code für Tiefe, OpenCode für Flexibilität, Codex für Geschwindigkeit, Cursor für Integration, Orca für Orchestrierung. Auf einem Windows-ARM64-Rechner ist die native Unterstützung noch der limitierende Faktor — Codex gewinnt hier, OpenCode verliert (vorerst).

Wer nur eines installieren will: OpenCode (weil kostenlos, offen, und der ARM64-Fix ist machbar). Wer bereit ist zu zahlen: Claude Code (weil es einfach funktioniert und am wenigsten Ärger macht). Wer das volle Programm will: Orca mit allen drei Agenten drin.

Eines ist sicher: Ohne KI-Agent schreibt heute niemand mehr ernsthaft Code. Die Frage ist nur, welcher.