IT-News KW36/2026: Flash-Next in Produktion, GPT-6 Astra und die AGI-Frage, drei KI-Boxen im Vergleich, ein Botnetz nach 23 Jahren abgeschaltet
Diese Woche steht die eigene Produktion im Mittelpunkt: Das Modell, das vor sieben Tagen an dieser Stelle noch als „stabil, aber keine Produktionsspur" eingestuft wurde, bedient seit Donnerstag alle Agentenspuren bei uns, seit Samstag mit fast doppelter Nebenläufigkeit. Daneben hat OpenAI GPT-6 Astra veröffentlicht und die AGI-Ära ausgerufen; die Zahlen dazu sind widersprüchlicher als die Pressemeldung. Apple, AMD und NVIDIA konkurrieren mit drei Desktop-Boxen um dieselben Käufer, und ein Botnetz aus dem Jahr 2003 wurde stillgelegt, ohne dass jemand einen Server beschlagnahmt hätte. In der Sicherheitsspalte trifft es diese Woche vor allem selbst gehostete KI-Infrastruktur.
Deep Dive: Qwen3.8-Flash-Next trägt jetzt die Produktion
Drei Umwege in zehn Tagen
Der Weg von der Ablehnung zur Produktionsspur führte über einen selbstgebauten Hybrid-Checkpoint aus FP8-N-Gram-Tabelle und NVFP4-Experten, eine Fehlmessung mit leeren Gewichten, die ein funktionierendes Backend als kaputt einstufte, und einen Warteschlangenstau, dessen Ursache ein Slot-Deckel von 3 war. Mit flashinfer_cutlass und Expertenparallelität liefert das Modell 205 Token/s bei 32 gleichzeitigen Strömen, das dichte 27B sättigte bei 172. Details im vollständigen Beitrag.
Der Patch aus dem Issue-Tracker
Der KV-Cache des Modells verlangt im Auslieferungszustand BF16, was bei 192.000 Token Kontext nur 3,2 gleichzeitige Vollsitzungen auf vier RTX 5090 zuließ. Ein am 30. August eröffnetes RFC im vLLM-Repository lieferte einen funktionierenden FP8-Patch, gemessen auf genau einem DGX Spark, mit der Bitte um Bestätigung auf anderer Hardware. Bei uns: KV-Pool von 614.478 auf 1.139.662 Token, 5,94 Vollsitzungen, identischer VRAM, identische Ergebnisse in Needle-, Tool-Call- und Paralleltests. Zwei Pull Requests für dieselbe Funktion sind inzwischen offen.
Bewertung: Community-Code auf einem Entwicklungs-Build, Temperatur 0 nicht deterministisch, die große Korrektheitsbatterie nie gelaufen. Trotzdem die richtige Entscheidung, weil der Durchsatz je Karte den Ausschlag gibt und der Rückweg drei Stufen à sechseinhalb Minuten hat.
Deep Dive: GPT-6 Astra, und wer die AGI-Ära ausruft
99,9 oder 62,7 Prozent
OpenAI hat GPT-6 Astra am 3. September freigegeben, 10 und 50 US-Dollar je Million Token, das 2,5-Fache des Vorgängers. Präsident Greg Brockman beendete das Briefing mit „Welcome to the AGI era", der Blogbeitrag selbst enthält das Wort nicht. Die tragende Zahl, 99,9 Prozent auf ARC-AGI-3, stammt aus OpenAIs eigenem Provider-Harness; die ARC Prize Foundation misst im Standard-Harness 62,71 Prozent und schreibt ausdrücklich, sie behaupte nicht, dass Astra AGI sei. Auf dem Intelligence Index von Artificial Analysis liegt das Modell mit 61,2 Punkten gleichauf mit GPT-5.6 Sol und hinter Claude Fable 5.1. Der vollständige Beitrag hat alle Tabellen.
Die zweite Seite
Astra ist das erste Modell auf der Stufe „Critical" für Cybersicherheit im eigenen Preparedness Framework, es fand in Tests zwei unbekannte Zero-Days in V8, und laut System Card ist seine Gedankenkette schwerer zu überwachen als die des Vorgängers.
Bewertung: Der Sprung von 7,8 auf 62,7 Prozent im Standard-Harness ist real. Für einen Mittelständler ändert sich trotzdem wenig: Wer Spitzenklasse braucht, zahlt 75 Prozent mehr je Aufgabe, wer ERP- oder Bankdaten verarbeitet, bleibt ohnehin lokal, weil OpenAI für diese Modellklasse Überwachungsklassifikatoren in der Produktion mitlaufen lässt.
Deep Dive: Mac Studio M5 Ultra, Strix Halo, DGX Spark
Eine Spalte entscheidet
Apple liefert den Mac Studio mit M5 Ultra ab 22. September, 1.200 GB/s Speicherbandbreite, 96 bis 512 GB. DGX Spark hat 273 GB/s, Ryzen AI Max+ 395 nominal 256 und gemessen rund 180 beim Decode. Beim Erzeugen von Text zählt genau diese Zahl: Auf dem DGX Spark liefert ein dichtes 32B-Modell 10,7 Token/s, ein 30B-MoE mit 3 Milliarden aktiven Parametern 89,3, bei gleicher Quantisierung. Beim Prefill dreht sich das Bild, dort liegt CUDA vor Apple. Der vollständige Beitrag hat Messwerte, Preise je Gigabyte und den Nachfolger Ryzen AI Max+ PRO 495 mit 192 GB, der auf der IFA steht.
Bewertung: Kapazität kauft man bei AMD am günstigsten, rund 30 Euro je GB, Bandbreite bei Apple. Der Preisvorteil von Strix Halo ist im Speichermarkt dieses Jahres geschrumpft: NVIDIA hat den Spark um 700 US-Dollar verteuert, Framework den Desktop seit dem Start fast verdoppelt. Keine der drei Boxen ersetzt einen Vier-Karten-Aufbau, für einen Arbeitsplatz mit MoE-Modellen reicht jede.
Deep Dive: Sality, 23 Jahre alt, per Peer-Poisoning stillgelegt
Kein Server, keine Verhaftung
Am 31. August haben US-Behörden mit Europol, CrowdStrike, Shadowserver und Polizei aus Bulgarien, Ungarn und Rumänien das Sality-Botnetz abgeschaltet, das seit 2003 läuft und über die Jahre 11 Millionen IP-Adressen berührt hat. Der Weg: Das Peer-to-Peer-Protokoll vertraut jedem, der es spricht, und lässt sich als Dateiinfektor nicht aktualisieren, ohne das eigene Netz zu spalten. Die Verteidiger haben legitime Super Peers aus den Listen gedrängt und Sinkholes nachrücken lassen. Der vollständige Beitrag erklärt den Mechanismus.
Bewertung: Für Sysadmins bleibt eine Zeile: UDP-Verkehr zur Adresse 188.166.101.148 ist laut CrowdStrike eine bestätigte Infektion. Die Abschaltung entfernt nichts, betroffene Hosts gehören neu aufgesetzt. Und die eigentliche Frage lautet, welche Windows-Insel im eigenen Netz so etwas überhaupt gemeldet hätte.
Deep Dive: CISA nimmt selbst gehostete KI-Infrastruktur in die KEV auf
LiteLLM, Kestra, Starlette
CISA hat am 2. September sieben Lücken in den Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen, drei davon treffen KI-Stacks im Eigenbetrieb. CVE-2026-59822 in LiteLLM (CVSS 8.8): Der MCP-Endpunkt akzeptierte einen gefälschten Authorization-Header und fiel auf eine leere Berechtigung zurück, Zugriff auf alle konfigurierten Werkzeuge ohne gültigen Schlüssel, behoben in 1.84.0. CVE-2026-49869 in Kestra (CVSS 10.0): Ein Suffix-Vergleich im Authentifizierungsfilter ließ jeden Pfad mit Endsegment configs durch, bei aktiven Script-Plugins Codeausführung als root im Worker. CVE-2026-48710 in Starlette wird laut Microsoft zu unauthentifizierter Codeausführung gegen LiteLLM-Gateways verkettet; beobachtet wurden Krypto-Miner, Diebstahl von Provider-Schlüsseln aus Prozessumgebungen und Persistenz über SSH-Schlüssel. Dazu meldet heise über 350 Angriffsversuche auf Langflow-Instanzen über eine seit Januar gepatchte Lücke.
Eigener Bestand geprüft
Unser LiteLLM-Gateway läuft auf Abbild 1.89.4, also hinter dem Fix, und hat keine MCP-Server konfiguriert. Kestra und Langflow betreiben wir nicht. Nicht betroffen, geprüft am 6. September.
Bewertung: Drei der sechs Sicherheitsmeldungen dieser Woche betreffen die Orchestrierungsschicht selbst gehosteter KI. Wer ein Gateway betreibt, behandelt es wie ein Identitätssystem: virtuelle Schlüssel mit Limits statt Master-Key, ausgehender Verkehr nur auf Allowlist, und die Versionsnummer gehört in den wöchentlichen Abgleich.
Digest: Weitere wichtige Nachrichten
Sicherheit
- SonicWall SMA1000: zwei Zero-Days, einer mit CVSS 10.0: CVE-2026-83548 (unauthentifizierte SSRF) und CVE-2026-83549 (Command Injection in der Verwaltungskonsole) ergeben verkettet Codeausführung ohne Anmeldung. Betroffen sind SMA1000 6210, 7210 und 8200v, gepatcht ab Hotfix 12.4.3-03526 und 12.5.0-02952. SonicWall bestätigt einen ausgenutzten Fall, Shadowserver zählt laut BleepingComputer über 400 exponierte Geräte. Seit 2. September in der KEV.
- JFrog Artifactory: Admin-Übernahme ohne Anmeldung: CVE-2026-82329 (CVSS 9.8) erlaubt in der Standardkonfiguration volle Administratorrechte aus dem Netz. Patch am 28. August, vier Tage später stellten sich Angreifer bereits eigene Admin-Token aus. Cloud-Kunden sind versorgt, selbst gehostete Instanzen müssen aktualisieren.
- Chrome: sechster ausgenutzter Zero-Day des Jahres: CVE-2026-85046 ist eine Type Confusion im V8-Compiler mit Lese- und Schreibzugriff auf den JavaScript-Heap. Fix in Chrome 152.0.7977.82, ausgeliefert am 3. September, seit 4. September in der KEV.
- PaperCut NG/MF: zweiter Notfall-Patch: CVE-2026-81578 und CVE-2026-82078 ergeben unauthentifizierte Codeausführung auf Druckservern. Der erste Patch vom 27. August ließ sich umgehen, „Release 2" folgte am 29. August. Wer nur den ersten eingespielt hat, ist nicht geschützt. Beide seit 31. August in der KEV.
- PostgreSQL: Replikationsrecht wird zu Codeausführung: CVE-2026-6471 (CVSS 7.2) steckt seit Einführung des Logical Decoding in Version 9.4 im Code. Ein Konto mit
REPLICATIONkann beliebige Output-Plugins laden und damit Code als Datenbank-Betriebssystemnutzer ausführen. Behoben in 18.6, 17.11, 16.15, 15.19 und 14.24 über den neuen Parameteroutput_plugin_libraries; die technische Aufarbeitung erschien laut The Hacker News diese Woche. Wer Replikationsrollen für CDC vergeben hat, prüft sie neu.
Hardware
- NVIDIA RTX Spark: Windows-PCs mit N1X ab Oktober: Auf der IFA bestätigte NVIDIA den Marktstart der RTX-Spark-Rechner mit 20-Kern-Grace-CPU, Blackwell-GPU und bis zu 128 GB einheitlichem Speicher. Dazu PAIR, ein quelloffener Router, der Inferenzanfragen über mehrere Rechner im LAN verteilt, und laut NVIDIA bis zu 1,9-facher llama.cpp-Durchsatz auf der RTX 5090 durch neue Treiber. Preise nannte NVIDIA nicht.
- Ausgeschlachtete RTX 5090 ohne Chips in Deutschland verkauft: 1.800 Euro für eine Platine, von der GPU und Speicher professionell abgelötet waren. Wer Gebrauchtkarten für Inferenz kauft, prüft vor der Überweisung, nicht danach.
- Acer Vero 16: reparierbares Notebook: Unter Acers IFA-Ankündigungen der einzige beschaffungsrelevante Punkt: Akku und SSD lassen sich ohne Werkzeugakrobatik tauschen, beschädigte Gehäuseteile ersetzen.
KI & Unternehmen
- Anthropic Claude Fable 5.1 und Mythos 5.1: Listenpreise unverändert bei 10 und 50 US-Dollar, Cache-Reads fallen von 1,00 auf 0,25 US-Dollar je Million Token, laut Anthropic bis zu 45 Prozent Ersparnis bei agentischen Lasten. Mythos 5.1 ist dasselbe Modell mit gelockerten Schutzmaßnahmen, nur über geprüfte Zugangsprogramme.
- Cognition vor Runde bei 47 Milliarden Bewertung: Der Devin-Hersteller soll laut Bloomberg rund eine Milliarde US-Dollar einsammeln, im Mai lag die Bewertung noch bei 26 Milliarden. Annualisierter Umsatz über 900 Millionen. Zum Redaktionsschluss nicht abgeschlossen.
- Flex kauft EPC Power für 4,4 Milliarden US-Dollar: EPC baut die Leistungswandler für die 800-Volt-Gleichspannung moderner GPU-Racks. Die Stromwandlung wird vom Nebenposten zum Engpass des KI-Ausbaus.
Infrastruktur und Open Source
- Amazon Linux 2027 in der Vorschau: Kernel 7.1, SELinux standardmäßig im Enforcing-Modus, DNF5, alle Pakete mit LTO gebaut, x86-64-Pakete zielen laut Phoronix auf x86-64-v3, also mindestens AVX2. Ältere Hardware fällt raus.
- pnpm 12 komplett in Rust: Installationen bis zu 90 Prozent schneller, Lockfile-Format kompatibel. Für Build-Pipelines ein Update ohne Migrationsaufwand.
- Home Assistant 2026.9: Das Aktivitätsprotokoll zeigt die vollständige Auslösekette einer Änderung, Matter bekommt eine Netzwerkkarte mit Signalstärken, Modbus-Geräte von Fronius und Sofar lassen sich ohne YAML einrichten.
- Wine 11.17: Erste Unterstützung für die Emulation von Anzeigemodi und VKD3D 2.1 für Direct3D 12 über Vulkan.
- WordStar läuft wieder, auch im Browser: Ein DOSBox-Paket für Linux, macOS und Windows plus eine WebAssembly-Fassung. Kein Handlungsbedarf, aber ein guter Grund, die Tastenkürzel von 1979 noch einmal zu sehen.
Aus dem Blog
- Qwen3.8-Flash-Next in Produktion — wie ein Community-Patch den KV-Cache auf 4× RTX 5090 verdoppelt hat.
- GPT-6 Astra: 99,9 Prozent auf ARC-AGI-3 — und warum die Benchmark-Stiftung trotzdem nicht von AGI spricht.
- Mac Studio M5 Ultra, Strix Halo oder DGX Spark — welche Box lokale Sprachmodelle wirklich schnell macht.
- Sality: nach 23 Jahren abgeschaltet — ein Botnetz von 2003, stillgelegt über sein eigenes Protokoll.
- Qwen3.8-Flash-Next im Vier-Tage-Test — die Vorgeschichte aus der letzten Woche.
Zusammengestellt am 7. September 2026. Quellen: OpenAI, ARC Prize Foundation, Artificial Analysis, Apple, NVIDIA, Europol, CrowdStrike, CISA, Microsoft Security, Rapid7, BleepingComputer, Help Net Security, heise online, The Hacker News, PostgreSQL, AWS, Phoronix, The Register, Hackaday, GitHub (vLLM).
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