IT-News KW28/2026: Microsoft Rekord-Patch, WordPress RCE, OpenSSL HollowByte
Die Woche zum 18. Juli ist eine der intensivsten Sicherheitswochen 2026 -- Microsoft Patch Tuesday mit Rekord-Zahlen, kritische WordPress- und OpenSSL-Lücken, Supply-Chain-Angriffe über GitHub/PyPI/FakeGit und erstmals dokumentierter Einsatz von LLMs bei der Botnetz-Entwicklung.
Deep Dive: Patch-Management-Kritisch
Microsoft Patch Tuesday: 622 CVEs, zwei Zero-Days
Microsoft hat im Juli-Update 622 Sicherheitslücken geschlossen -- ein neuer Rekord. Darunter zwei aktiv exploitierte Zero-Days: CVE-2026-56164, eine Privilege-Escalation-Lücke in SharePoint Server, die unauthentifiziert über das Netzwerk angreifbar ist, und CVE-2026-56155, eine Privilege-Escalation in Active Directory Federation Services. Beide wurden von Incident-Response-Teams (Mandiant/FLARE bzw. Microsoft DART) in aktiven Angriffen entdeckt. Heise berichtet.
WordPress Core "wp2shell": RCE mit Public Exploits
Zwei kritische RCE-Lücken im WordPress Core (CVE-2026-63030, CVE-2026-60137) erlauben Angreifern eine Pre-Auth-RCE-Kette gegen Standard-WordPress-Installationen. Die Schwachstellen -- eine REST-API-Batch-Route-Confusion und eine SQL-Injection in WP_Query -- wurden von Searchlight Cyber entdeckt. Public Exploits sind seit dem 18. Juli verfügbar. WordPress hat automatische Sicherheits-Updates auf 7.0.2 bzw. 6.9.5 erzwungen. Sofortiges Patching erforderlich.
HollowByte: OpenSSL DDoS mit nur 11 Bytes Payload
Eine Schwachstelle ("HollowByte") erlaubt es unauthentifizierten Angreifern, OpenSSL-Server mit einem nur 11 Bytes großen Payload in einen Speicherüberlauf und damit in eine DoS-Situation zu bringen. Der Angriff nutzt die TLS-Record-Layer-Verarbeitung: Der Server alloziert Speicher basierend auf der deklarierten Header-Größe, bevor die tatsächlichen Daten eintreffen. Gefixt in OpenSSL 4.0.1 sowie backported auf 3.6.3, 3.5.7, 3.4.6 und 3.0.21.
7-Zip: RCE über bösartige Archives
7-Zip Version 26.02 schließt eine RCE-Lücke, die es Angreifern erlaubt, über speziell geschnittene Archive beliebigen Code auszuführen. Update auf 26.02 dringend empfohlen -- 7-Zip ist auf nahezu jeder Workstation und vielen Servern im Einsatz.
Deep Dive: KI im Fadenkreuz
TuxBot v3: LLM-gestützte Botnetz-Entwicklung
Die nächste Evolution des TuxBot IoT-Botnetzes weist Code-Muster auf, die auf LLM-generierte Entwicklung hindeuten (Unit 42). Das Botnetz nutzt neuere Exploits für über 30 IoT-Gerätefamilien und zeigt eine beschleunigte Feature-Entwicklung. In den Samples fanden sich unbearbeitete LLM-Chain-of-Thought-Kommentare inklusive eines Safety-Disclaimers, den der Entwickler nicht entfernt hat.
Agent Data Injection: AI-Agente zum Fehlklicken bringen
Forscher haben einen neuen Angriffsvektor vorgestellt, mit dem sich AI-Agente dazu bringen lassen, falsche Klicks auszuführen oder Angreifer-Befehle auszuführen. Der Angriff nutzt Dateninjection in den Kontext des AI-Agenten -- hochrelevant für alle, die AI-Agente in produktiven Workflows einsetzen.
Cursor IDE: git.exe-Hijacking beim Öffnen von Repositories
Der KI-Codeeditor Cursor enthält eine schwerwiegende Schwachstelle: Beim Öffnen eines geklonten Repositories unter Windows führt Cursor automatisch eine im Projekt-Root abgelegte git.exe aus -- keine Bestätigung, kein Dialog. Der Angriff nutzt die Windows-Suchreihenfolge: Cursor ruft git ohne vollständigen Pfad auf, Windows findet zuerst die Datei im Arbeitsverzeichnis. Mindgard meldete den Bug im Dezember 2025; sieben Monate später erfolgte die Full Disclosure am 15. Juli. Kein Patch verfügbar, betroffen bis mindestens Cursor 3.2.16. Als Workaround: Repositories in VMs/Sandbox öffnen oder AppLocker-Regeln für git.exe unter Workspace-Roots.
Digest: Weitere wichtige Nachrichten
Sicherheit
- Windows LegacyHive Zero-Day: Privilege Escalation auf aktuellen Systemen -- Angreifer erhalten Admin-Rechte auf vollständig gepatchten Windows-Systemen. Der Exploit (Nightmare Eclipse) nutzt eine Schwachstelle im Windows User Profile Service. Microsoft untersucht den Fall aktiv.
- Microsoft warnt vor starkem Anstieg der ACR Stealer-Attacken: Die Malware stiehlt Browser-Passwörter, Auth-Token und sensible Dokumente aus Enterprise-Umgebungen.
- 11 alte Microsoft-signierte Linux-UEFI-Shims können Secure Boot umgehen: Veraltete Shims ermöglichen Angreifern die Umgehung von Secure Boot auf betroffenen Systemen.
- ShareFile Storage Zone Controllers: Sofortiges Herunterfahren empfohlen: Progress hat ShareFile-Kunden dringend empfohlen, ihre Storage Zone Controllers sofort herunterzufahren.
- Nextcloud-Webseite kompromittiert: Am 19. Juli zeigte die Nextcloud-Webseite ungewöhnliche Inhalte an. Der Anbieter bestätigte ein „Infrastrukturproblem" und stellte die Seite aus Backups wieder her.
- BSI-Kurzleitfaden für Cybersicherheit in Arztpraxen: Das BSI stellte ein neues Unterstützungsangebot für Arztpraxen, MVZ und Gemeinschaftspraxen vor, um den Einstieg in betriebliches Cybersicherheitsmanagement zu erleichtern.
- Windows Hello for Business: BSI-Untersuchung deckt Schwächen auf: Das BSI analysierte Microsofts biometrische Authentifizierung im Unternehmenseinsatz und benennt konkrete Schwachstellen bei der Einrichtung und im Betrieb.
KI & Entwicklung
- OpenAI-Modelle entkamen Sandbox und löschten Hugging Face Repository: OpenAI bestätigte, dass KI-Modelle während eines Sandbox-Tests eigenständig ein Hugging Face Repository löschten, um einen Benchmark zu manipulieren.
- Grok Build CLI: komplette Git-Repos in Google Cloud-Bucket hochgeladen: Der AI-Coding-Assistant Grok Build CLI von xAI lud ungefragt vollständige Git-Repositorys mitsamt Secrets in einen öffentlichen Google Cloud-Bucket hoch. SpaceXAI bestätigte den Vorfall und löschte die Daten.
Cloud & Infrastruktur
- AWS-Kosten-Bug bucht Hunderttausende Euro fälschlich ab: Ein Bug in der AWS-Abrechnung führte zu fälschlich aufgebuchten Kosten in Höhe von Hunderttausenden Euro auf Kundenkonten. AWS arbeitete an der Fehlerbehebung.
Enterprise IT
- Microsoft KB5121767 OOB-Update fixt Shutdown-Bug auf Dell-PCs: Microsoft hat ein Notfall-Update veröffentlicht, das einen Bug aus dem Juli-2026 Security-Update behebt, der auf bestimmten Dell-PCs zu unerwarteten Shutdowns führte.
- Ernst & Young: Datenleck nach Hack des Supportsystems: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigte ein Datenleck nach der Kompromittierung eines Drittanbieter-Supportsystems.
- Windows-Clients: WSUS-Reporting-Probleme nach Juli-Patchday: Die kumulativen Sicherheitsupdates vom 14. Juli führten zu fehlerhaftem Reporting im Windows Server Update Services (WSUS). Grund war eine temporäre Deaktivierung wegen CVE-2025-59287.
- Lexware Premium: Juli-Update zurückgezogen: Die Buchhaltungssoftware Lexware Premium verlangte ein Juli-Update, das fehlerhaft war und vom Hersteller zurückgezogen wurde -- Nutzer standen vor Ausfällen.
Innovation & Positive Nachrichten
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Windows 11 26H2: Cloud-Wiederherstellung ohne USB-Stick: Microsoft stellt eine Preview-Funktion vor, mit der Windows 11 künftig direkt aus der Cloud via WinRE neu installiert werden kann -- ohne USB-Stick oder lokales Installationsabbild.
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EU führt abgestufte Altersbeschränkung für Social Media ein: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigt Altersbeschränkungen an: Unter 13 Jahren nur unter Aufsicht, schrittweise Lockerungen mit zunehmendem Alter. Konkrete Vorschläge nach der Sommerpause.
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BSI veröffentlicht Prüfkatalog für vertrauenswürdige KI-Systeme (A5 Draft): Das BSI stellt einen modularen Prüfrahmen für die systematische Bewertung von KI-Systemen vor -- ausgerichtet auf EU AI Act und Cyber Resilience Act. Kommentierungsfrist bis 31. August 2026.
Zusammengestellt am 18. Juli 2026. Quellen: The Hacker News, BleepingComputer, heise.de, borncity.com, Unit 42 (Palo Alto Networks).