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Strategie
Strategie2025-10-02· von Mag. (FH) Franz Senn

Cloud vs. On-Prem: Die ehrliche Rechnung 2027

„Alles in die Cloud" war das Mantra der 2010er. „Alles zurück ins eigene Rack" ist die Überreaktion der 2020er. Die Wahrheit liegt wie immer dazwischen — aber die Gewichte haben sich verschoben.

Die Kostenrechnung: elastisch vs. dauerhaft

Cloud lohnt sich bei elastischen Workloads: Spitzen zu Weihnachten, einmalige Analyse-Jobs, Testumgebungen, die nach zwei Wochen verschwinden. Alles, was 24/7 läuft, ist auf eigener Hardware günstiger — oft um Faktoren.

Eine RTX 5090 in der Cloud kostet pro Stunde. Dieselbe Karte im eigenen Server ist nach sechs Monaten bezahlt und läuft dann drei Jahre ohne weitere Rechnung. Das ist keine Meinung, das ist Arithmetik.

Compliance als Game-Changer

NIS2 und der EU AI Act haben die Rechnung verändert. Beide verlangen Kontrolle über Datenflüsse, Auditierbarkeit und Lieferkettensicherheit. SaaS-Cloud-Dienste machen das nicht unmöglich, aber aufwendig: Sie brauchen Verträge, Zusicherungen, und im Ernstfall forensische Daten, die der Anbieter vielleicht nicht liefern kann.

Eigene Hardware löst das nicht automatisch — aber sie nimmt den externen Abhängigen aus der Gleichung. Weniger Parteien im Datenfluss, weniger Compliance-Risiko.

Hybrid: Das sinnvolle Mittel

Die beste Architektur ist hybrid:

  • On-Prem: Dauerlasten — Mail, Fileserver, Monitoring, Helpdesk, LLM-Inferenz
  • Cloud: Elastische Spitzen, Backup-Ziele, geografische Redundanz
  • Rechenzentrums-Colocation: Eigene Hardware im fremden RZ (Hetzner & Co.) — das Beste aus beiden Welten

Was gegen On-Prem spricht

Eigene Hardware braucht jemanden, der sich kümmert. Klimaanlage, USV, Hardware-Tausch, 24/7-Rufbereitschaft. Das ist kein Hexenwerk, aber es ist Arbeit — und nicht jedes KMU hat die Person dafür.

Colocation oder Root-Server sind der Ausweg: die Hardware gehört Ihnen oder ist dediziert, aber Strom, Kühlung und Netz sind das Problem des Rechenzentrums.

Die Entscheidungsmatrix

KriteriumCloudOn-Prem/Hybrid
Dauerlast-KostenHochNiedrig
ElastizitätExzellentEingeschränkt
Compliance-KontrolleMittelHoch
PersonalaufwandGeringVorhanden
DatenhoheitEingeschränktVollständig

Fazit

Cloud ist ein Werkzeug, keine Strategie. On-Prem ist eine Entscheidung, keine Religion. Die richtige Frage ist nicht „Cloud oder nicht?", sondern: „Welcher Workload gehört wohin?" — und diese Frage ist 2027 häufiger mit „ins eigene Rack oder ins Colocation-RZ" zu beantworten als noch 2020.

FAQ
Wann ist die Cloud wirklich günstiger als On-Prem?+

Bei elastischen Workloads — Weihnachtsspitzen, einmaligen Analyse-Jobs oder Testumgebungen, die nach zwei Wochen verschwinden. Alles, was 24/7 läuft, ist auf eigener Hardware günstiger, oft um Faktoren. Eine RTX 5090 in der Cloud kostet pro Stunde; dieselbe Karte im eigenen Server ist nach sechs Monaten bezahlt und läuft dann drei Jahre ohne weitere Rechnung. Das ist Arithmetik.

Wie beeinflussen NIS2 und der EU AI Act die Cloud-Entscheidung?+

Beide verlangen Kontrolle über Datenflüsse, Auditierbarkeit und Lieferkettensicherheit. SaaS-Cloud-Dienste machen das nicht unmöglich, aber aufwendig: Verträge, Zusicherungen und im Ernstfall forensische Daten, die der Anbieter vielleicht nicht liefern kann. Eigene Hardware löst das nicht automatisch, nimmt aber den externen Abhängigen aus der Gleichung — weniger Parteien im Datenfluss bedeuten weniger Compliance-Risiko.

Wer betreibt On-Prem, wenn wir kein 24/7-Team haben?+

Eigene Hardware braucht jemanden, der sich kümmert — Klimaanlage, USV, Hardware-Tausch, Rufbereitschaft. Nicht jedes KMU hat die Person. Der Ausweg ist Colocation oder Root-Server: die Hardware gehört Ihnen oder ist dediziert, aber Strom, Kühlung und Netz sind das Problem des Rechenzentrums. So bekommen Sie on-prem Vorteile ohne das eigene Rack zu Hause.