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KI & Entwicklung2026-02-12· von Mag. (FH) Franz Senn

Claude Code im Praxiseinsatz

Von den agentischen Werkzeugen ist Claude Code bei uns das täglich genutzte. Es arbeitet im Terminal und in der IDE, liest das Projekt, editiert Dateien, läuft Builds und Tests — und hält sich dabei an projektspezifische Regeln.

Was es im Alltag stark macht

  • Projektkontext: Eine CLAUDE.md im Repo gibt dem Agenten die Hausregeln — Konventionen, Deploy-Schritte, Tabus. Er liest sie bei jeder Session neu und hält sich daran, ohne dass man es jedes Mal erklären muss.
  • Skills: Wiederkehrende Aufgaben (Security-Audit, SEO-Check, Integrations-Check) kapseln wir als Skills — abrufbares Spezialwissen statt Copy-Paste-Prompts, die veralten und sich verpflanzen.
  • MCP-Server: Über das Model Context Protocol bekommt der Agent Werkzeuge an die Hand — etwa aktuelle Doku, Browser-Automation oder eigene Datenquellen. Damit greift er nicht auf geratenes Wissen zu, sondern auf den echten Stand.
  • Subagenten: Große Aufgaben werden aufgeteilt und parallel bearbeitet, statt eine einzige, endlose Session zu füttern.

Wie Skills, MCP und Subagenten zusammenspielen

Die drei Mechanismen ergänzen sich. Ein typischer Lauf sieht so aus: Der Hauptagent bekommt ein Ziel, zieht bei Bedarf einen Skill heran (etwa den Security-Audit), holt sich über einen MCP-ServerLive-Daten (die aktuelle Bibliotheksversion, den Live-Bestand) und lagert schwere Recherchen an einen Subagenten aus. Das Ergebnis kommt strukturiert zurück, der Hauptagent entscheidet weiter.

Wichtig ist: Diese Werkzeuge sind kein Selbstzweck. Wir bauen sie ein, wo sie messbar helfen — und belassen es sonst bei einem klaren Prompt. Wer alles mit Skills und MCP-Servern ausstattet, baut sich ein zweites, unsichtbares System, das gepflegt sein will.

Wie wir es einsetzen

Vom Refactoring über Bug-Fixing bis zum kompletten Aufbau von Anwendungen — diese Website ist selbst mit Claude Code entstanden, inklusive Deployment hinter unserem Reverse Proxy. Auch dieser Blogpost ist mitbegleitet: Der Agent liest den Bestand, schlägt Erweiterungen vor, führt die Edits aus — und wir lesen alles, bevor es committed wird.

Wo Claude Code am stärkten ist: in großen, unbekannten Codebasen, beim Aufsetzen wiederkehrender Strukturen und beim routinemäßigen Refactoring. Wo es schwächer ist: bei schwerer Architektur-Entscheidung und bei allem, was echtes Domänenwissen verlangt.

Was sich für den Mittelstand lohnt

Die Frage ist nicht, ob Claude Code funktioniert, sondern ob es sich im konkreten Betrieb rechnet. Für uns lautet die Antwort ja — aber mit drei Bedingungen. Erstens: Es braucht jemanden, der den Output kritisch liest, sonst wird die Codebase schnell schlechter statt besser. Zweitens: Die Projektregeln in der CLAUDE.md müssen gepflegt sein, sonst verlässt sich der Agent auf veraltete Annahmen. Drittens: Sensible Schritte bleiben an der kurzen Leine, Produktion und Secrets werden nie blind delegiert.

Wer diese drei einhält, bekommt einen Assistenten, der Routine in Minuten erledigt und der Senior-Entwickler entlastet. Wer sie ignoriert, bekommt schnell eine Codebase, die niemand mehr versteht.

Die Grenzen ernst nehmen

  • Review bleibt Pflicht — generierter Code wird gelesen, nicht blind übernommen.
  • Verifikation vor „fertig" — laufen lassen, beobachten, dann glauben.
  • Sensible Aktionen (Produktion, Secrets) gehören an die kurze Leine.

Claude Code ersetzt keine Ingenieurin und keinen Ingenieur. Es macht gute schneller — und schlechte Gewohnheiten leider auch. Der Unterschied liegt im Handwerk drumherum.

FAQ
Für welche Aufgaben lohnt sich Claude Code im Entwickleralltag?+

Am stärksten ist es in großen, unbekannten Codebasen, beim Aufsetzen wiederkehrender Strukturen und beim routinemäßigen Refactoring — Routine, die sonst Minuten bis Stunden frisst, erledigt der Agent in kurzer Zeit. Schwächer ist es bei harter Architektur-Entscheidung und allem, was echtes Domänenwissen verlangt. Diese Website ist selbst mit Claude Code entstanden, inklusive Deployment.

Ersetzt Claude Code unsere Entwickler?+

Nein. Es macht gute Entwickler schneller — und schlechte Gewohnheiten leider auch. Drei Bedingungen entscheiden: Jemand muss den Output kritisch lesen, sonst wird die Codebase schlechter statt besser. Die Projektregeln in der CLAUDE.md müssen gepflegt sein. Und sensible Schritte wie Produktion und Secrets gehören an die kurze Leine. Wer das einhält, entlastet Senioren; wer es ignoriert, riskiert eine Codebase, die niemand versteht.

Was sind Skills und MCP-Server, und braucht man die?+

Skills kapseln wiederkehrende Aufgaben wie Security-Audit oder SEO-Check als abrufbares Spezialwissen statt Copy-Paste-Prompts. MCP-Server geben dem Agenten Werkzeuge an die Hand — aktuelle Doku, Browser-Automation, eigene Datenquellen. Beide lohnen sich nur, wo sie messbar helfen. Wer alles damit ausstattet, baut sich ein zweites, unsichtbares System, das gepflegt sein will.