Intrusion Prevention: CrowdSec statt fail2ban
fail2ban sperrt IPs nach wiederholten Fehlversuchen aus — lokal, allein, reaktiv. CrowdSec macht das auch, aber es teilt die Information mit allen anderen CrowdSec-Instanzen. Ein Angreifer, der in Helsinki gegen einen anderen Server scheitert, kommt bei uns in Kufstein gar nicht erst rein.
Das Prinzip: Crowdsourced Threat Intelligence
CrowdSec analysiert Logs — SSH, HTTP, SMTP, Sie nennen es. Erkennt es einen Angriff (Brute-Force, Scanner, Exploit-Versuch), sperrt es die IP lokal — und schickt einen anonymisierten Report an die zentrale API. Alle anderen Instanzen beziehen diese Blockliste und wehren die IP ebenfalls ab.
Das ist kein Geheimdienst, sondern gelebte Gemeinschaft: Wer teilt, profitiert.
Installation: Docker, ein Befehl
docker run -d --name crowdsec \
-v /var/log:/var/log:ro \
-v crowdsec-config:/etc/crowdsec \
crowdsecurity/crowdsec
Dazu ein Bouncer — etwa der Firewall-Bouncer für iptables/nftables oder der Caddy-Bouncer — und die Logs werden live ausgewertet. Die Einrichtung dauert eine halbe Stunde, danach läuft es.
Was CrowdSec besser macht als fail2ban
- Zentrales Blocklist-Management statt individueller jail.conf-Frickelei — eine Konfigurationsdatei, alle Dienste
- Reputation: Nicht nur Fehlversuche zählen, sondern die globale Historie der IP
- Moderne Parsing-Engine: Versteht JSON-Logs, Syslog, sogar eigene Formate
- Kein Regex-Leiden: fail2ban-Filter sind Regex-Puzzles. CrowdSec-Parser sind YAML und logisch
NIS2-konform: Datenhaltung on-prem
Die Bedrohungsdaten stammen von einer externen API, aber die Log-Auswertung und Blockierung laufen lokal. Keine eigenen Logdaten verlassen das Haus — nur anonymisierte Signale („IP X hat Brute-Force gegen SSH gemacht"). NIS2-konformer geht Bedrohungsaustausch kaum.
Was fail2ban immer noch besser kann
Für einen einzelnen Dienst auf einem einzelnen Server, der nie angreifbar aus dem Internet erreichbar ist, reicht fail2ban. Die Komplexität von CrowdSec lohnt sich erst ab dem Punkt, an dem Sie wirklich exponiert sind — Reverse Proxy, Mailserver, SSH mit Internet-Zugang.
Fazit
CrowdSec ersetzt fail2ban nicht als Nischenwerkzeug, sondern als Standard-IDS. Wer mehr als zwei Dienste öffentlich betreibt, sollte es einsetzen. Der Schwarm ist stärker als der Einzelne — das gilt in der Security genauso wie in der Biologie.